Bauen

Der Erweiterungsbau. (Foto: Landratsamt Aichach-Friedberg)

15.11.2013

Massivbau in Stahlbeton

Erweiterung der Konradin Realschule Friedberg

Auf dem Grundstücksteil zwischen Realschule und Freisportanlage ist ein neuer Fachklassentrakt für die Realschule in Friedberg entstanden. Auf zwei Geschossen wurden 18 Lehr- und Übungssäle, Vorbereitungs- und Ausweichräume für die Bereiche Biologie, Physik, Chemie, Musik und Informatik sowie eine Aula über beide Geschosse realisiert. Die Aula hat eine Fläche von rund 510 Quadratmetern und kann nicht nur in den Unterrichtspausen von den Schülern genutzt werden, sondern auch für Veranstaltungen der Schule und der Stadt Friedberg. Im Untergeschoss sind Technikräume für Lüftung und Heizung sowie Lagerräume untergebracht.
Die Abmessungen des Gebäudes betragen 43,50 x 34,00 Meter. Die Hauptnutzfläche liegt bei rund 1615 Quadratmeter. Verbindungsgänge erschließen barrierefrei beide Geschosse mit dem Bestandsbau. Die Planungen basieren auf dem Siegerentwurf der Architekten Ralf König und Robert Härtl aus München/Bad Tölz aus einem Architektenwettbewerb von 2009, bei dem neben einem Gebäudeentwurf für den Erweiterungsbau eine städtebauliche Vision für den in weiter Zukunft geplanten Neubau des Bestandsgebäudes zu entwickeln war. Der insbesondere auch unter diesem Aspekt prämierte Entwurf formt langfristig aus der bestehenden städtebaulichen Situation unter Einbeziehung der Fachoberschule eine campusartige Anlage.
Das auf Pfählen gegründete Gebäude wurde als Massivbau in Stahlbeton mit einer Vorsatzschale aus Stahlbeton-Fertigteilen und dazwischenliegender, hinterlüfteter Mineralwolldämmung ausgeführt. Für die raumhohen Fenster der Klassen- und Vorbereitungsräume wurde eine Pfosten-Riegelkonstruktion aus Aluminiumprofilen mit Dreifachverglasung gewählt. Weit auskragende Balkonplatten und Wandscheiben aus Stahlbeton-Fertigteilen sind der Gebäudehülle vorgehängt und erzeugen eine starke Plastizität der Fassade.
Zwei unabhängige Treppenhäuser an der Nordwest- und an der Südostecke erschließen das Gebäude vertikal. Im Erdgeschoss betritt man alle Unterrichts- und Nebenräume über die offene Halle. In der Belichtung unsensible Funktionsräume wie WCs, Materialaufzug und Putzräume sind an der Nordseite des Gebäudes zusammengefasst, die Klassenräume gruppieren sich an Ost-, Süd- und Westfassade um die zentrale Aula. Die Verbindungsflure im Obergeschoss sind als offene Galerien zur Halle ausgebildet. Die Aula wird auf diese Weise räumlich erweitert und ermöglicht Schülern und Lehrern geschossübergreifend Blickkontakt und Kommunikation.
Die Erscheinung des Gebäudes ist geprägt vom Einsatz naturbelassener Materialien. Alle Massivbauteile und die Vorsatzschalen wurden in Sichtbeton ausgeführt, der im Innenraum durch die großflächige Verwendung von Holz einen warmen Kontrast erhält. In allen Unterrichtsräumen und in der Aula wurde geölter Industrieparkett aus Eichenholz verlegt. Hölzerne Türblätter und der bronzefarbene Eloxalton der geschosshohen Aluminium-Pfosten-Riegelfassade mit hölzernen Öffnungsflügeln setzen die Materialkonzeption fort. Haptisch wirksame Bauteile wie Handläufe, Brüstungsabdeckungen und Sitzelemente wurden ebenfalls in Eichenholz realisiert.

Wiederkehrender
farbiger Akzent


Die Möbeleinbauten der Klassen- und Vorbereitungsräume, die Treppengeländer sowie großflächige Verkleidungen von Revisionsregistern in Wänden wurden durchgehend mit gelber Oberfläche versehen, um über die Materialität hinausgehend einen wiederkehrenden farbigen Akzent zu setzen. Die gewölbten Dachschalen der Querflure im Obergeschoss wurden teilweise mit einem kräftigen Blauton gestrichen, der den Blick zum Oberlichtband lenkt.
Eine mechanische Volllüftung der Klassenräume und der Aula, fest installierte, massive Sonnenschutzelemente an den Klassenzimmer-Fassaden sowie die konsequente Ausrichtung der Hallen-Oberlichtbänder nach Norden begrenzen die direkte Sonneneinstrahlung und sorgen für ein angenehmes Raumklima, das die Konzentrationsfähigkeit der Schüler fördert. Ein außenliegender, textiler Sonnenschutz und im Physiksaal eine Vollverdunkelung stehen ergänzend zur Verfügung.
Die Ausstattung der Fachklassen entspricht dem neuesten Stand der Technik und soll einen ausgeprägten und veranschaulichenden Unterricht für die Schüler ermöglichen. In den Lehrsälen für Chemie, Biologie und Physik sind zu diesem Zweck multifunktionale, abklappbare Deckensysteme mit Medienausgang eingebaut worden. Experiementiertische und mechanisch belüftete Digestorien vervollständigen in den Fachbereichen Physik, Biologie und Chemie die Ausstattung der Unterrichts- und Übungsräume. Die Informatikräume sind arbeitsplatzbezogen mit Bodentanks zur Stromversorgung und Datenverkabelung über einen zentralen Serverraum ausgestattet. Einbauschränke entlang der flurseitigen Klassenzimmerwand schaffen Stauraum für Unterrichtsmaterialien.
Die Gesamtkosten des Neubaus belaufen sich auf rund 7,9 Millionen Euro. Im Bestandsbau sind die frei gewordenen Räume der ehemaligen Fachklassen zu Klassenzimmern umgebaut und zur weiteren Nutzung der Schule bereits übergeben worden.
Eine weitere Besonderheit ist die mobile Wärmetransportanlage, die im Zuge dieser Baumaßnahme auf dem Schulgelände errichtet wurde. Mittels Latentwärmespeicher wird die Abwärme von Abfallverbrennung- und Industrieanlagen in Containern gelagert, transportiert und zur Nutzung für die Wärmeversorgung des Bestandsgebäudes, des Erweiterungsbaus, der Sportanlage sowie der Fachoberschule zur Verfügung gestellt. Diese Anlage wird ab dem nächsten Schuljahr für weitere Gebäude des Schulzentrums Friedberg erweitert.
Ferner wurde im Zuge dieser Baumaßnahme auf dem Bestandsgebäude der Realschule eine Photovoltaik-Dachanlage mit einer Nennleistung von 145kWp errichtet. Auf Grundlage des zu erwartenden spezifischen Energieertrages, ist eine CO2-Einsparung von etwa 80 Tonnen pro Jahr zu erwarten. Somit konnten zwei weitere Bausteine im Landkreis Aichach-Friedberg in Richtung Klimaschutz gesetzt werden, die zusätzlich zur nachhaltigen Umweltbildung der Schüler mit beitragen sollen. (Ralf König)

(Der Erweiterungsbau der Konradin Realschule Friedberg - Fotos: Landratsamt Aichach-Friedberg)

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