Bauen

Blick in den sanierten Kiliansdom. (Foto: Markus Hauck/POW)

21.12.2012

Neuer Glanz in der Kirche

Wiedereröffnung des Würzburger Kiliansdoms

Der Würzburger Kiliansdom erstrahlt in neuem Glanz. Bei einem festlichen Gottesdienst mit Bischof Friedhelm Hofmann am ersten Adventssonntag, 2. Dezember 2012, wurde die Kathedralkirche nach über 16-monatiger Innensanierung wiedereröffnet. Gleichzeitig wurde bei der Eröffnungsfeier die Partnerschaft zwischen den Diözesen Óbidos/Brasilien und Würzburg besiegelt. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich nach Angaben des Staatlichen Bauamts und der Diözese Würzburg auf rund 3,1 Millionen Euro. Der Freistaat Bayern trägt 1,1 Millionen Euro, die Diözese Würzburg rund zwei Millionen Euro.
Strahlender Sonnenschein erhellte den Kiliansdom bei der Vorstellung am 13. November 2012. Erstmals verstellten keine Gerüste den Blick auf Hochchor, Orgeln oder Kunstwerke. Doch ein Dom ist niemals fertig, betonte Weihbischof Ulrich Boom, und meinte dies sowohl im architektonischen wie auch im spirituellen Sinn: „Der Dom ist und bleibt eine Baustelle. Wir haben noch nicht den Himmel auf Erden, auch wenn es jetzt mit dem Lichterglanz so aussieht.“
Als zentrale Neuerung hob der Weihbischof den neuen Standort des mittelalterlichen Taufbeckens aus dem Jahr 1279 von Meister Eckard aus Worms hervor. Es hat nun einen zentralen Platz im Langhaus des Kiliansdoms gefunden: „Wer in den Dom geht, kommt an der Taufe nicht vorbei.“
Es sei „eine Freude und große Ehre“ gewesen, an der Domsanierung mitarbeiten zu dürfen, sagte Joachim Fuchs, Leiter des Staatlichen Bauamts Würzburg. Bereits bei der Außensanierung, die im Jahr 2006 abgeschlossen wurde, habe man damit begonnen, die unterschiedlichen geschichtlichen Teile des Doms auch architektonisch zusammenzufügen. Dies sei mit dem Beginn der Innensanierung im Juli 2011 fortgesetzt worden: Die neue Beleuchtung führe auch die Innenarchitektur „wunderbar zusammen“.
Fuchs hatte auch einige beeindruckende Zahlen parat. So wurden beispielsweise rund 12 000 Quadratmeter Wände und Decken durch Abbürsten und Abbeizen von der alten, mit Dispersionsanteilen vermischten Farbe gereinigt, bevor 15 Kirchenmaler den neuen Kalkanstrich in gebrochenem Weiß aufbrachten. Rund 28 Kilometer Elektroleitungen wurden erneuert. Insgesamt stehe der Dom nun sehr gut da. „Wir haben die große Hoffnung, dass wir in unserer Lebenszeit nicht mehr sanieren werden“, sagte Fuchs.
Bei einem Rundgang durch den Kiliansdom erklärte Domkapitular Jürgen Lenssen die Veränderungen und Neuerungen. So wurde beispielsweise die Decke wieder von den Gesimsen befreit, die bei der Umgestaltung des Hochchors im Jahr 1987/1988 angebracht worden waren. 26 zeitgenössische Kunstwerke wurden neu in den Dom integriert, darunter beispielsweise das überlebensgroße Standkreuz des Würzburgers Ernst Singer in der Sepultur sowie ein Werk von Matteo Montani über dem Zugang zur ehemaligen Taufkapelle.
Lenssen lenkte den Blick aber auch auf bekannte Schätze wie die beiden romanischen Knotensäulen, die mit „Booz“ und „Jachim“ beschriftet sind. Sie stehen im Eingangsbereich der Ausstellung zur Dombaugeschichte. „Diese Anknüpfung an die Tempelzeit gibt es nur in Würzburg“, betonte er. Und es gab ein Wiedersehen mit einem besonderen Kunstwerk, dem Kapitell des barocken Hochaltars, das nach den Worten des Domkapitulars erst im Laufe der vergangenen Wochen aus verstreuten Einzelstücken wieder zusammengesetzt worden war. Und manches Objekt ist nicht nur Kunst, sondern erfüllt zugleich einen praktischen Zweck: So verbirgt sich hinter der dreiteiligen „Auferstehung“ von Jacques Gassmann die Wasserzufuhr des Doms – das linke der Bilder kann aufgeklappt werden.
Da es im Kiliansdom zuvor nach Lenssens Worten an Kapellen mangelte, wurden im Zuge der Renovierung einige kleinere Räume für die Gläubigen geschaffen, etwa in der Krypta sowie im linken nördlichen Seitenschiff, an dessen Ende nach der Bombennacht vom 16. März 1945 die Überreste der Verstorbenen aufbewahrt wurden, bevor sie zu den Massengräbern gebracht wurden. In dieser neuen Marienkapelle schützt eine Wand die Gläubigen vor neugierigen Blicken, hinter ihr verbirgt sich eine Pieta vor einer goldfarbenen Wand. „Dahinter leuchtet etwas auf, das sich unserer Vorstellung entzieht“, erklärte Lenssen. (BSZ)

(Die Taufkapelle und der Kreuzweg - Fotos: Markus Hauck/POW)

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