Bauen

11.03.2011

Neues schaffen und Orte mit Identität kreieren

Carl Fingerhuth im Gespräch mit Elisabeth Merk

„Eine Stadt braucht Transformation“, sagt der als „Wanderprediger in Sachen Baukultur“ bekannt gewordene Schweizer Carl Fingerhuth. Der Architekt, Stadtbauplaner und Buchautor beschäftigt sich intensiv mit dem Thema, wie wir künftig wohnen und leben werden. Dabei wagt der frühere Basler Kantonsbaumeister den Spagat, zurück und gleichzeitig nach vorn zu blicken. Die Tatsache, dass laut einer Umfrage der formen- und farbsinnige Friedensreich Hundertwasser als berühmtester Architekt gilt, erklärt der Experte damit, dass bei den Menschen derzeit eine tiefe Sehnsucht nach Sinnlichkeit und starken Bildern herrscht.
Bauen sei aber auch „Ausdruck von Zielen und Bedürfnissen, die sich jetzt radikal ändern“, prophezeit der charismatische Städtebau-Guru, der gerne weit über den eigenen Tellerrand schaut. Sein Name steht für die qualitative Baukultur der Schweiz genauso wie für gute Architektur in China. In Architekturwettbewerben sieht er ein probates Mittel zur Erzielung optimaler Resultate, auch bei privaten Bauaufträgen. Den Statements des 74-jährigen Schweizers im Gespräch mit Münchens Stadtbaurätin Elisabeth Merk konnte man im Rahmen der „Münchner Gespräche zur Stadtbaukultur“ lauschen.
München boomt und es entstehen nicht nur im Westen der Stadt bei Freiham neue Wohnquartiere. Auch mitten in der Stadt auf dem ehemaligen Gelände der Prinz-Eugen-Kaserne in Bogenhausen sowie an der Baumkirchner Straße in Berg am Laim soll Leben in urbaner Natur gefördert werden. Gegenüber der Michaelskirche, auf dem Filetgrundstück des ehemaligen Karstadt, entsteht ein Neubau, der historische Bezüge herstellt zu der ursprünglichen Parzellierung der Neuhauser Straße.
Fingerhuth sieht die Zukunftsfähigkeit der Stadt in der Verzahnung von Ökologie und Urbanität. Die Vorstellung, dass „ Grün für die Kühe sei und Grau für die Menschen“, gilt für ihn, der Mensch und Natur zusammenbringen will, als überholt. Traditionalisten mögen sich hier schwer tun, weshalb Fingerhuth immer wieder für den offenen Dialog mit der Bevölkerung plädiert: „Projekte brauchen öffentliche Begleitung.“ Als Negativbeispiel nannte Fingerhuth „Stuttgart 21“, wo es ein „Informationsloch“ gegeben hat.

Gartenstadt von morgen


Was überhaupt ist das Spezifische an München? Was haben Baukultur und Qualität mit der Stadt München zu tun? Welche neuen Fragestellungen müssen beim Bauen berücksichtigt werden, angesichts von Klimawandel, demografischem Wandel und sozialer Integration? Diese Themen standen für Elisabeth Merk im Mittelpunkt ihres Gesprächs mit Fingerhuth. Sein Grundtenor in der Stadtentwicklung auch für München lautet: „Neues schaffen und gleichzeitig Orte kreieren, die Identität haben.“ Für ihn erstrebenswert ist das Gleichgewicht zwischen denkmalpflegerischem Bewahren und zeitgemäßem Neubau. Dabei ist allerdings ein hohes Maß an Sensibilität und Qualität erforderlich.
Im Sinne des Feng-Shui gilt für ihn gleichzeitig, die Einheit zwischen Natur und künstlich Geschaffenem herzustellen. Auf dem früheren Agfa-Gelände in Giesing sei für ihn ein wunderbares Projekt entstanden, wo es geglückt sei, die Landschaft in die Siedlung zu integrieren und mit dem Gewachsenen ein Ganzes zu schaffen. Und vielleicht entsteht mit diesem neuen ökologischen Musterquartier sogar der Prototyp für die Gartenstadt von morgen.
(Angelika Irgens-Defregger)

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