Bauen

Der neugestaltete Platz bei Abendstimmung. (Foto: Ralf Hanisch)

06.07.2012

Revitalisierter Kreuzgang

Neugestaltung des Münsterumfelds in Heilsbronn

Ein frühmittelalterliches Zisterzienserkloster bestand aus der inneren Klausur, die den Patres vorbehalten war und einem, dem Ort zugewandten, offenen Teil mit den Wirtschaftsgebäuden. Vom Heilsbronner Kloster, es wurde im 16. Jahrhundert säkularisiert, waren die klar abgrenzenden baulichen Elemente im Laufe der Jahrhunderte entfernt und als eine Art Steinbruch genutzt worden. Das Kloster wurde sehr bald in allen Teilen ein offener Baustein der Stadt. Die klösterlichen Orte des Rückzugs und der Kontemplation gingen verloren. Selbst die in der Regel nachweisbaren Fundamente konnten bei den Grabungen der Stadtarchäologen nur rudimentär gefunden werden.
Auf diesem nahezu neutralen Baugrund konnten die Relikte des Kreuzgangs am Refektorium durch Lage und Material erste und einzig verlässliche Hinweise auf die Proportionen und die Höhenlage des auf der Klausurseite liegenden Wegs der Mönche geben. Weiter ist die Ordensauffassung zur Zahlenmystik und zur Reduktion aller Teile auf deren Wesen bekannt.
Vor dem Hintergrund wurde der Bereich des ehemaligen Kreuzgangs als Ort der Erinnerung an die Patres entworfen, die in der vorreformatorischen Zeit hier lebten und sich an diesem Ort der spirituellen Muße widmeten. Ein Ort der Begegnung und der Kontemplation sollte wieder entstehen können.
Der neue Kreuzgang ist ein nahezu quadratischer Binnenhof, entwickelt mit der Zahlenmystik des Ordens. Die Fläche wird in 6 x 6 quadratische Felder geteilt, um die sich die zwölf Felder des Kreuzgangs legen. Die Achsen, des so nachgezeichneten Hofs treffen sich in einem Lichtwürfel in der geometrischen Mitte. Als einzige vertikale Elemente am Rand des Kreuzgangs dienen die Sitzpoller, welche die möglichen Fassadenöffnungen der ehemaligen Wände der Kolonaden definieren.

Handgeformte Ziegel


Als Material für alle vertikalen Bauteile wurde ein gelbgrauer Granit ausgewählt, der Bodenbelag ist ein handgeformter Ziegel, der in Farbe und Größe den historischen Platten entspricht.
Östlich des Hofs liegt der im Bodenbelag nachgezeichnete Bereich der ersten kleinen Bibliothek, des Kapitelsaals und des Durchgangs zum Infirmitorium, des Krankenbereichs. Die vom Münchner Architekten Friedrich von Gärtner im 19. Jahrhundert überformte neue Zugangssituation an dieser Stelle wurde im Zugangspodest verbreitert und an das Maß des ursprünglich direkt an das Kirchenschiff anschließende Dormitorium angepasst. Die neugeschaffene Sitzmöglichkeit gegenüber des Eingangspodests soll an die Stelle der Unterweisung der Patres durch den Abt im Kapitelsaal erinnern.
Die drei Poller sind Sinnbild für die nach außen hin postulierte „freie Wahl“ des Heilsbronner Abts, der jedoch in der Regel ein „Aufpasser“ aus dem Stammkloster Ebrach beiwohnte. Die drei großkronigen Bäume werden künftig geometrisch geschnitten und zeichnen die Kontur des nicht mehr vorhandenen Baukörpers skizzenhaft nach.
Westlich des Kreuzgangs verspringt das Gelände um zwei Sitzstufenhöhen an der Stelle, die auch im Klosterleben als Grenze zu verstehen war. Dort, wo sich zunächst die Vorratsräume und im späteren klösterlichen Leben die größere Bibliothek befanden, wurde eine baumüberstandene Fläche als Erinnerung geschaffen. Zwischen dem Konventsgebäude und dem Geländeversprung liegt die Fläche des „oberen Brunnenhofs“, die nach dem Entwurf ohne Gebäude die historische Quellfassung aus Sandstein zeigen sollte. Die Überbauung signalisiert einen solitären Ort, der als solcher eigentlich so nie baulich gefasst war.
Die Zisterzienser legten die Klostergründungen immer an Orte, die mit vielen Quellen und Wasser gesegnet waren. Diese Vorgehensweise wird durch den mittels Quellwasser gespeisten Wasserlauf, der die drei neuen städtebaulichen Räume zu einem Ganzen verbindet, symbolisiert. In der Achse des Zugangs zum Refektorium, dort, wo sich die Mönche wuschen, steht der neue Dreischalenbrunnen von Dietrich Förster, dem ersten Preisträger eines hochkarätig besetzten Künstlerwettbewerbes.
Das klösterliche Leben war auch nachts durch die Riten der Zisterzienser bestimmt. Das Lichtkonzept der neuen Klosteranlage illuminiert die Wände und die Wege ohne vertikale Einbauten zurückhaltend und ihrer Funktion angemessen. Die Lichtinszenierung des Gesamtbauwerks sollte dabei im Sinn des Ordens eher reduziert akzentuierend als dominierend eingesetzt werden.
Zwei Platanengruppen symbolisieren die ehemaligen Bauwerke, während in der Fläche in den ruhigen, kontemplativen Bereichen Schotterrasenflächen und Buxfelder zum Einsatz kommen. Im eher urbanen Umfeld des Brunnens wird die Bepflanzung dem jahreszeitlichen Wechsel angepasst.
Mit der Umgestaltung des Münsterumfelds in Heilsbronn waren KJS+ Architekten aus Erlangen beauftragt. (Hubert Kress)

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