Bauen

Moritz und Philipp Auer sowie Stephan Suxdorf (v.l.). (Foto: Auer Weber)

24.10.2014

Schauplatz für James Bond

Das Architekturbüro Auer Weber in München

Besucht man das Architekturbüro Auer Weber zum ersten Mal, wird man gleich mit einem Wesenszug des Unternehmens konfrontiert: Understatement. Das international tätige Architekturbüro, 1980 in Stuttgart von Fritz Auer und Carlo Weber gegründet, hat heute rund 120 Mitarbeiter. Die 70 Architektinnen und Architekten des Münchner Büros, das seit 1984 besteht, arbeiten in einem sanierten Neuhauser Hinterhofkomplex, neben vielen anderen Unternehmen der Münchner Architekturszene und Kreativindustrie. Nach außen wird das Architektenteam von Stephan Suxdorf, Moritz und Philipp Auer repräsentiert; Senior Fritz Auer, ehemals Partner des verstorbenen Carlo Weber, ist immer noch beratend tätig und der gute Geist, der auch mit 81 Jahren noch über allem schwebt.
Vielen gilt Stephan Suxdorf als das Nordlicht im Unternehmen. In seinem Lebenslauf steht „Geburtsort Hamburg“, aber nur Wenige wissen, dass er schon als kleiner Junge im Süden Fuß fasste – im europäischen Süden. Nach der Trennung vom Vater nahm ihn seine Mutter mit nach Madrid, wo er die Schule besuchte und aufwuchs. Mit Zwölf kam er zurück nach Deutschland, an den Bodensee. An der Fachhochschule Konstanz studierte er nach dem Abitur zunächst Konstruktions- und Verfahrenstechnik, vermisste jedoch schon bald die menschliche, soziale und insbesondere gestalterische Komponente in seinem Studentenleben. So wechselte er nach einem Jahr zur Architektur. Beruflich prägten ihn seine Erfahrungen bei Otto Steidle in München und Berlin, bevor er nach einer Zwischenstation im Büro Bauer Kurz Stockburger schließlich 1997 zu Auer Weber wechselte.
Seine Rolle als vierfacher Vater ist Suxdorf genauso selbstverständlich wie das Bauen in China, von München aus. Wie es dazu kam? Dazu der 48-Jährige: „Mit unserem ersten China-Projekt, dem Luxun-Campus in Dalian, hatten wir einfach Glück. Wir wurden zur Teilnahme am Wettbewerb aufgefordert, zusammen mit nur einer Handvoll anderer Büros, und konnten mit unserem Entwurf überzeugen.“ Auch das Folgeprojekt, der Neue Botanische Garten Shanghai, entstand aus einem Wettbewerbserfolg. Wie bei den Frankreich-Projekten arbeitet Suxdorf auch in China lieber mit lokalen Partnerarchitekten zusammen, statt ein Büro vor Ort zu unterhalten.

Der Mann fürs
Reich der Mitte


Gewohnt, die Dinge pragmatisch zu beurteilen, sieht er dennoch große Vorteile in der Zusammenarbeit mit China, wo die Hürden bei den konkurrierenden Verfahren niedriger angesetzt sind als in Deutschland. So nimmt er für ein Gespräch mit einem Bauherrn gern mal zehn bis zwölf Flugstunden in Kauf. Den Grüßen seiner Kollegen begegnet er, wie man hört, am Morgen nach seiner Rückkehr mit seinem gewohnten Lächeln. Von Jetlag keine Spur.
Wenn Moritz Auer einen Raum betritt, nimmt er diesen für sich ein. Seine Bewegungen und seine Haltung sind die eines Sportlers. Er ist das zweite der drei Kinder von Fritz und Ingrid Auer und damit der ältere der Auer-Brüder. Wie seine beiden Geschwister wurde er in Stuttgart geboren, wuchs aber vorübergehend in München auf, da die Familie die Zeit von 1968 bis 1975 in der bayerischen Landeshauptstadt verbrachte. Der Vater wurde vor Ort gebraucht, denn er war einer der Partner des Büros Behnisch und Partner, das mit der Planung der Anlagen für die Spiele der XX. Olympiade beauftragt war.
Nach dem Abitur fühlte der Waldorf-Schüler sich zunächst zu Grafik und Fotografie hingezogen und begann ein Kommunikationsdesign-Studium an der Folkwangschule in Essen. Bis ihm dies zu eng und zu einseitig wurde und er sich 1988 für Architektur an der Technischen Universität einschrieb: In Berlin, wo er gleich die nächsten neun Jahre verbrachte.
Aus seiner Berliner Zeit sind viele Kontakte übriggeblieben, nicht nur berufliche. Für Moritz Auer ist absehbar, dass er sich eines Tages mehr als bisher mit Fragen rund um die Entwicklung des Olympiageländes befassen wird. Man wird von ihm erwarten, sich deutlich gegen mögliche Formen der Verwahrlosung des Olympiaparks auszusprechen – nicht nur in puncto Erscheinungsbild, sondern auch mit Blick auf die sozialen Ideale, die dem Entwurf von 1968 zugrunde lagen.
Er gehört neben seinem Bruder Philipp und drei weiteren Mitarbeitern zu den Glücklichen, die ein Haus beziehungsweise eine Wohnung im Olympiadorf ihr eigen nennen dürfen und sich schon von daher für Erhalt und Schutz der Anlagen engagieren. Innerhalb der Geschäftsleitung ist es Moritz Auer, der sich besonders für die Frankreich-Projekte einsetzt. Abgesehen von den französischen Großprojekten ist der Münchner Hauptbahnhof sein Thema. „Ein Politikum, für das man einen langen Atem braucht.“ Den Atem hat er – trainiert in schweißtreibenden Rennradtouren über Gebirgspässe.
Philipp Auer ist der jüngste der drei Münchner Geschäftsführer bei Auer Weber und der einzige, der ohne Umwege zum Architekturstudium kam. Nach Abschluss seines Studiums an der Technischen Universität – zunächst in Stuttgart, dann in Darmstadt – verbrachte er zwei Jahre bei David Chipperfield Architects in London, um schließlich 1997 im Büro des Vaters als Architekt anzufangen.
Sein erstes internationales Großprojekt war das ESO Hotel am Cerro Paranal, ein „Hotel“ nur für Forscher der Europäischen Südsternwarte (European Southern Observatory), mitten in der chilenischen Atacama-Wüste. Das Bauwerk selbst diente oft als Film-Kulisse und flog in der James-Bond-Verfilmung Ein Quantum Trost von 2008 in die Luft, aber natürlich nur im Trick. „Wir haben uns“, so Philipp Auer, „bei dieser Aufgabe intensiv damit auseinandergesetzt, was die Menschen an diesem lebensfeindlichen Ort wohl brauchen und mit dem Hotel einen oasengleichen Ort geschaffen, der eine Gegenwelt zur den hochgerüsteten Technikanlagen der Teleskope darstellt.“
Darauf besann sich der Bauherr, als es um die Auswahl der Architekten für ein im vergangenen Jahr fertiggestelltes Vorzeigeobjekt internationaler Zusammenarbeit in Bayern ging: Bei dem ausgeschriebenen Wettbewerb für die notwendige Erweiterung des ESO Headquarters in Garching landeten Auer Weber zunächst auf dem dritten Platz. Schließlich wurde man nach einer Überarbeitung aber dennoch als Partner ausgewählt. Die erfolgreiche Zusammenarbeit, die mit dem Hotel am Cerro Paranal begonnen hatte, konnte somit in heimischer Umgebung fortgesetzt werden.
Philipp Auer probiert sich besonders gern auf unbekanntem Terrain. Zu seinen Traumaufgaben gehören Projekte, die ungewöhnlich sind, bisweilen nur entfernt etwas mit Architektur zu tun haben. Gefragt nach dem Ort, mit dem er sich am besten identifizieren kann, nennt er jedoch die Terrasse seines Hauses im Olympiadorf. (Ulrich Probst

(Der ESO-Erweiterungsbau in Garching; den Wettbewerb für den Münchner Hauptbahnhof hatten Auer Weber bereits 2004 für sich entschieden und auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik in Regensburg entsteht eine innenstadtnahe Wohnbebauung - Fotos. Auer Weber)

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