Bauen

Das neue Freibad West in Nürnberg: Die alten Becken wurden durch moderne Edelstahlwannen ersetzte, in denen Massagedüsen, Nackenduschen und Sprudelliegen für Entspannung sorgen. Jugendliche können sich vom 10-Meter-Turm oder von der 35 Meter langen Rutsche ins Wasser stürzen. (Foto: Nürnberg Bad)

09.09.2011

Schöner schwimmen

Nach umfangreichen Umbauarbeiten feiert das Freibad West seine Wiedereröffnung

Nähe brachte dem Nürnberger Freibad West einst große Besucherströme an heißen Sommertagen: Das Bad befindet sich nur 1,5 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und liegt zwischen den Wohngebieten St. Johannis und Gostenhof sowie in den Pegnitz-auen. Doch nach 45 Jahren des intensiven Betriebs lockte auch der ideale Standort des Naherholungsgebiets immer weniger Besucher an. Vielmehr schreckte die Baufälligkeit der sanitären Anlagen und der bröckelnden Fliesen in sämtlichen Becken die Badegäste ab.
Nun reagierte die Stadt Nürnberg auf die Kritik von Gästen und Personal und baute das Freibad West neu. „Eine Sanierung war nicht mehr möglich, wir mussten Änderungen grundsätzlicher Art vornehmen – nämlich den kompletten Abriss des Schwimmbads,“ bilanzierte der zweite Werkleiter von NürnbergBad Thomas Friedmann. Denn die jährliche Instandsetzung kostete inzwischen soviel, dass ein Neubau auf Dauer wirtschaftlicher war. Mit einem Etat von 9,1 Millionen Euro wurden somit alle Gebäude abgerissen, lediglich der Sprungturm und der Eingangsbereich konnten saniert werden.


Neubau unumgänglich

Aus den Einsendungen für den Planungswettbewerb wählte die Stadt Nürnberg den dritten Platz für die Realisierung aus. Denn der Entwurf der Fritz Planung GmbH machte den Neubau unter der vorgegebenen Obergrenze des verfügbaren Budgets möglich.
Im Vorfeld der umfangreichen Bauarbeiten im Hoch- und Tiefbau musste allerdings der Untergrund untersucht werden. Denn aus dem Luftangriff auf Nürnberg im Zweiten Weltkrieg konnten noch scharfe Kampfmittel in der Erde sein. So analysierten Fachingenieure amerikanische Fotoaufnahmen vor und nach den Bombenabwürfen. Da tatsächlich auch das Gelände des Freibads West getroffen wurde, begleitete eine Spezialfirma für Kampfmittelsondierung die massiven Erdarbeiten. Ohne Probleme konnten die Gebäude errichtet und die alten Becken durch moderne Edelstahlwannen ersetzt werden.
Im Zuge des Neubaus haben sich die Sanitäranlagen des Schwimmbads immens verbessert: Das Freibad West verfügt nicht nur über neue Duschen und Umkleidekabinen, auch eine temperierte Warmumkleide macht den Kleiderwechsel an kälteren Tagen komfortabler.
Weitere Wellness-Elemente bergen die Becken selbst: Massagedüsen, Nackenduschen und Sprudelliegen helfen bei der Entspannung. Aber nicht nur die Erholung älterer Gäste sei das Ziel des Schwimmbads, so Thomas Friedmann von NürnbergBad. Man wolle mit dem neuen Konzept alle Altersgruppen ansprechen.
Beispielsweise sind der Sprungturm und die beiden Rutschen für Jugendliche interessant: Sie können sich aus bis zu zehn Metern Höhe vom Turm oder nach 35 Metern Rutschpartie ins Nass stürzen.
Kleinkinder können sich im etwas separat gelegenen Bereich rund um das Planschbecken vergnügen: Drei aneinander gereihte Becken mit unterschiedlichen Wassertiefen bieten Attraktionen für Kleinkinder jeden Alters zwischen ein und sechs Jahren. Eine besondere Installation ist der Schiffchenkanal, der wiederum in ein Becken mit Sand und Schlamm mündet. Dort können die Kinder ihre Kreativität und Fantasie im Spiel mit dem Wasser und weiteren Spielzeugen ausleben.
Das Schwimmerbecken dagegen ist für den Sport gedacht. Auf 50 Metern Länge und 8 Bahnen Breite kann privat geübt und im Verein geschwommen werden.
Zudem schmückt die Schwimmbadanlage seit Neuem eine Sonnenterrasse. Sie bietet mit ihren großzügigen Sandflächen einen Liegebereich mit Strandflair. Schachfelder und Tischtennisplatten runden das Freizeitangebot des Bads ab.
Neben der zusätzlichen Attraktivität für die Badegäste ist den Betreibern auch dessen verbesserte Energieeffizienz ein Anliegen. Eine Komponente der ökologischen Strategie ist die 750 Quadratmeter große Solarabsorber-Anlage auf dem Dach des Hauptgebäudes: Die Sonne erwärmt das Wasser für die drei Becken in den Röhren des Sonnenkollektors.
Auch bezüglich der Badewassertechnik ist das Freibad West moderner geworden. Denn die neuen Filter, Sanitär- und Elektroinstallationen sind für jeden Badegast hinter einer großflächigen Verglasung sichtbar. Der Chlorraum im Eingangsbereich wiederum bleibt nach seiner Sanierung in alter Funktion und Lage bestehen.


Wandel auf ganzer Linie

Für die Sicherheit der Badegäste sorgen die Schwimmmeister nun auch unter besseren Bedingungen. Hinter einer Übereckverglasung nach Nord und Ost, mit Blick auf die Schwimm- und Planschbecken, kann sich das Personal leichter einen Überblick über den Badebetrieb verschaffen.
Mit dem Neubau des Freibads West hofft die Stadt Nürnberg darauf, auch in Zukunft ein „Attraktionsbad“ im Naherholungsgebiet zu schaffen. Schon das Bad aus dem Jahr 1966 konnte sich über den Zulauf der Badegäste freuen, nun lockt aber die moderne Anlage mit immens verbesserten Verhältnissen. Dass in diesem Fall ein kompletter Neubau statt einer Instandsetzung oder Sanierung notwendig war, kommt auch dem Konzept des Bades zugute. Mit der Wiedereröffnung in dieser Saison kann die Investition in das neue Schwimmbad gefeiert werden, denn der ideale Standort verspricht wieder viele Badegäste.
(Barbara Schweigert)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 42 (2017)

Sollen Arbeitnehmer das Recht haben, auf eine 28-Stunden-Woche zu reduzieren?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 20. Oktober 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Jürgen Wechsler, Bezirksleiter IG-Metall Bayern

(JA)

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.