Bauen

Das neue Zentrum. (Foto: Sielaff)

13.01.2012

Sehr geringer Primärenergiebedarf

Neue Produktionshalle von Sielaff in Herrieden

Das neue Produktions- und Logistik Zentrum für die Endmontage von Vendingautomaten des Herriedener Automatenherstellers Sielaff wurde zwischen dem 23. Februar und dem 29. August 2011 gebaut. Der Umzug beziehungsweise die Inbetriebnahme erfolgte im Zeitraum 5. August bis 29. August 2011. Insgesamt investierte das Unternehmen 4,5 Millionen Euro in den Neubau (3,6 Millionen Euro Baukosten und 900 000 Euro Einbauten). Beim neuen Produktions- und Logistik Zentrum wurden rund 57 300 Kubikmeter Raum umbaut. Die Grundfläche der Halle beträgt 86,6 x 55,6 Meter (4815 Quadratmeter).
Die Elementhalle mit Unterspannung hat eine freie Spannweite von 27,5 Metern. Das Satteldach hat eine Neigung von 5,6 Grad. Insgesamt gibt es 25 Lichtkuppeln beziehungsweise Rauch- und Wärmeabzüge sowie 31 Fenster, fünf Türen und vier Tore. Die beiden Giebelwände bestehen aus 44 Wandelementen.
Die Halle weist laut Energiegutachten einen sehr geringen Primärenergiebedarf von 179 kWh/m²a auf und erzielt damit einen um 24 Prozent besseren Wert, als nach EnEV 2009 für Neubauten gefordert. Dies wird erreicht durch eine sehr gute Isolierung (durchgängig an Wand und Dach 220 Millimeter starke mineralische Faserdämmung), moderne abgasarme Erdgasheizung, energetisch optimierte Lüftung, Nutzung von Tageslicht und energiesparende Beleuchtung mit Leuchtstofflampen mit elektronischen Multiwatt-Vorschaltgeräten mit präsenzabhängiger Beleuchtungskontrolle und bedarfsangepasster Beleuchtungsstärke.

40 Tonnen CO2 gespart


Die Energieeinsparung der Infrarot-Heizanlage gegenüber einer Warmluftheizung beträgt mehr als 200 000 kWh pro Jahr. Dadurch wird der CO2-Ausstoß um 40 Tonnen im Jahr reduziert (Erdgas = 0,19 KG CO2/kWh). Dies entspricht einer Fahrleistung von 360 000 Kilometern mit einem Pkw mit 119 Gramm CO2-Ausstoß/km.
Die Automaten von Sielaff aus Herrieden findet man auf der ganzen Welt – vor 125 Jahren begann deren Erfolgsgeschichte. Der Durchbruch gelang Max Sielaff 1886 mit dem ersten zuverlässig arbeitenden Verkaufsautomaten, der erst nach Einwurf einer passenden Münze die Ware ausgab. Das Patent kam ein Jahr später, am 9. Juni 1887 wurde vom Kaiserlichen Patentamt mit der Nr. 43055 der „selbstthätige Verkaufsapparat“ registriert. Noch im selben Jahr entwickelte der Ingenieur für den Kölner Schokoladenfabrikanten Ludwig Stollwerk die ersten 15 Süßwarenautomaten.
Bereits Anfang der 1890er Jahre wurden in über 10 000 Automaten in ganz Deutschland die Schokoladentafeln verkauft. Sielaff revolutionierte das Verkaufsgeschäft und entwickelte immer neue Ideen, etwa das Automatenrestaurant, ein Automat, der neben Getränken auch kalte und warme Speisen anbietet. Dafür erhielt Max Sielaff in Belgien sogar die Goldmedaille. Ein weiteres Highlight, das die älteren Menschen noch von fast jedem Bahnhof kennen, ist die Personenwaage, die in der Zwischenkriegszeit tausendfach gebaut wurde.

Marktführer in Deutschland


Nach dem Zweiten Weltkrieg lag der Berliner Automatenbetrieb von Sielaff in Schutt und Asche. Die Suche nach Investoren führte den Neffen des Firmengründers, Edmund Sielaff, nach Herrieden. Mit Fritz Baumgärtner und Johannes Marohn gründete er 1949 Sielaff in Herrieden neu. Zunächst wurden in dem neuen Betrieb im Krieg zerstörte Automaten repariert, darunter auch viele Stollwerkautomaten. Später war Sielaff vor allem mit Zigarettenautomaten erfolgreich, die rund 450 000 Mal gebaut wurden.
Eine große Herausforderung war die Euroumstellung 2001, die eine Bereinigung des Automatenmarkts mit sich brachte. Viele Automaten wurden ersetzt und in kürzester Zeit mussten neue gebaut werden. Highlight war ein Briefmarkenautomat, der online von Mark auf Euro umstellte. Durch die Zurückdrängung des Rauchens verändert sich auch die Produktionspalette bei Sielaff. Heißgetränkeautomaten entwickelten sich zu einem neuen, soliden Standbein.
Neben dem Hauptstandort im Landkreis Ansbach gibt es noch einen Produktionsstandort in Oelsnitz (Erzgebirge) und die ISA in Ilmenau sowie Niederlassungen in Tschechien, Frankreich, Schweiz, Österreich und Großbritannien. Der Umsatz lag 2010 bei etwa 60 Millionen Euro. Allein für den Neubau mit der neuen Fertigung hat das Unternehmen 4,5 Millionen ausgegeben – insgesamt hat Sielaff in den letzten Jahren am Standort im Landkreis Ansbach mehr als zehn Millionen Euro investiert.
Sielaff ist Marktführer in Deutschland; drei weitere Automatenhersteller gibt es noch, europaweit sind es etwa 30. Die meisten Mitbewerber haben sich auf einen Automatentyp spezialisiert; die breite Produktionstiefe der Mittelfranken bieten nur ganz wenige. Die Firmenstrategie von Sielaff baut auf fünf Säulen: Der klassische Verkaufsautomat, der Pfandrücknahmeautomat, der Gastronomiebereich, die OEM-Fertigung (Fremdfertigung) sowie der Service. (BSZ)

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