Bauen

Nachgedunkelte Naturholzfassaden. (Foto: Wiegand)

23.09.2011

Seit 1980 UNESCO-Welterbe

Die Holzhäuser im norwegischen Røros

Røros, im Südteil der norwegischen Provinz Trøndelag, begeistert alle. Jährlich kommen rund eine Million Besucher in das ehemalige Bergwerksstädtchen nahe der schwedischen Grenze und bestaunen die schönen alten Holzhäuser. So viele auf solch relativ engem Raum – das ist weltweit einzigartig. Von den etwa 400 Holzhäusern im Zentrum stehen rund hundert unter Denkmalschutz.
Ganze Straßenzüge präsentieren sich im hölzernen Kunterbunt. Rot und gelb fallen besonders ins Auge, ein giftgrünes gibt es ebenfalls. Doch wer es sich leisten konnte, strich sein Haus weiß an, denn Weiß war teurer als andere Farben. Ärmere Leute verzichteten ganz auf den Anstrich. Diese Häuser mit den nachgedunkelten Naturholzfassaden und den begrünten Dächern wirken besonders gemütlich. Geräumige Bauten sind darunter, aber auch windschiefe Winzlinge.

Billiger und
besser isoliert


Holz war schon immer der Werkstoff, der vor der Tür wuchs und ist es nach wie vor. Auch heutzutage bevorzugen die meisten Norweger ein Holzhaus. Das kommt billiger als der Bau eines soliden Steinhauses und sie wissen seit alters her, dass Holz besser isoliert und Heizkosten spart. Die rund 300 000 Gäste, die im Winter in das auf 650 Meter Höhe gelegene Städtchen anrücken und rund um Røros dem Langlauf frönen, fühlen sich in diesen Holzhäusern pudelwohl.
So idyllisch das 3500-Einwohner-Städtchen wirkt – Røros ist kein Freilichtmuseum. Fast alle Häuser werden bewohnt oder als Pensionen, Restaurants, Künstlerwerkstätten und Galerien genutzt. Viel hat man dafür getan, sie zu bewahren und zu pflegen. Durch ein ausgeklügeltes Alarmsystem schützt man diesen Schatz vor dem Niederbrennen. „Hier passt jeder auf“, betont der Stadtführer. Wer irgendwo Qualm bemerkt, benachrichtigt sofort die Polizei. Die hat ihren Sitz im ehemaligen Bergwerksschreiberhaus. Über der Tür prangen Meißel und Schlägel, das traditionelle Bergmannszeichen. Denn es war der Kupferbergbau, dem Røros sein Entstehen verdankt. Der Sage nach entdeckte der Bauer Hans Aasen den ersten Kupferbrocken bei der Rentierjagd. Sein Hof, der Aasen Gård, besteht noch.
Da die Norweger keine Bergbauerfahrung besaßen, brachten vor allem deutsche Fachkräfte den Betrieb in Gang. 1644 eröffnete der Sachse Lorentz Lossius die erste Grube, der weitere folgten. Die große Schmelzhütte am Hyttelva-Fluss wurde 1646 errichtet. Der teilte gleichzeitig die Stadt in arm und reich. Die Grubenarbeiter bauten auf der Ostseite, die Wohlhabenden auf der Westseite. Auch zahlreiche Bauernfamilien lebten in Røros. 1977, nach 333 Jahren, war Schluss mit dem Kupferbergbau. Doch die Industriebauten wurden genau so gehütet wie die Holzhäuser. Dieses spezielle Ensemble hat die UNESCO veranlasst, Røros 1980 in die Liste der Welterbestätten aufzunehmen. (Ursula Wiegand)

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