Bauen

Über ein Touchpad kann eine integrierte LED-Beleuchtung gesteuert werden. (Foto: Horst Babinsky)

05.11.2010

Turnen im Kubus

Neubau einer Dreifachsporthalle am Gymnasium in Hilpoltstein

Am Schulstandort Hilpoltstein wurde durch den Landkreis Roth in Zusammenarbeit mit der Stadt Hilpoltstein eine neue Dreifachsporthalle für das Gymnasium und die Realschule sowie zur Nutzung durch regionale Vereine fertiggestellt. Im Vorfeld wurden durch das Landratsamt Roth verschiedene Standorte und Entwurfsvarianten erarbeitet. Im Zuge eines VOF-Verfahrens wurde schließlich die Architektengemeinschaft BAURCONSULT Architekten+Ingenieure (Haßfurt) und das Architekturbüro Jürgen Meyer (Haßfurt/Wendelstein) mit der weiteren Planung und Objektüberwachung beauftragt.
Die Planungs- und Bauzeit ab der Genehmigungsplanung dauerte von Mai 2009 bis September 2010. Die Tragwerksplanung erfolgte durch das Ingenieurbüro Herrmann (Wendelstein), die Planung der technischen Gebäudeausrüstung wurde durch das Ingenieurbüro Breyer (Roth) wahrgenommen. Die Gesamtkosten des Gebäudes belaufen sich auf rund 4,8 Millionen Euro.
Die Halle wurde in Nachbarschaft zu den bestehenden Gebäuden des Gymnasiums platziert und bildet den Abschluss des Schulareals hin zur freien Landschaft und einem Waldstück. Ziel war, das große Volumen der Dreifachsporthalle harmonisch in den Hang zu integrieren und gleichzeitig eine selbstbewusste Adresse und einen städtebaulichen Bezug zu den Schulgebäuden und den daraus vorhandenen Wegebeziehungen zu schaffen, betont Baurconsult.

Dach mit
leichter Überhöhung


Die Halle ist in zwei Hauptteile gegliedert. Der Umkleide- und Servicebereich wurde aufgrund der geringeren Raumhöhen parallel zu den Busparkplätzen zur Schule hin orientiert, die eigentliche Dreifachhalle zum Hang und damit zur Landschaft. Beide Gebäudeteile erhielten eine homogen wirkende großformatige Verkleidung. Diese ist nur durch Fensteröffnungen, die sich in das Spiel der Plattenteilungen einfügen, und die Treppenhausfassaden gegliedert.
Das Hallendach wurde mit einer leichten Überhöhung ausgeführt, so dass trotz einer kontrollierten Entwässerungssituation der kubische Charakter des Gebäudes in den Vordergrund tritt. Das Gebäude wird über eine markante Treppenanlage mit einem weit auskragenden Vordach erschlossen. Eine entlang der Stützmauer angesiedelte Rampe überwindet den aus der Hanglage notwendigen Höhensprung barrierefrei.
Über ein großzügiges Foyer, an dem auch der Aufzug die Barrierefreiheit in das Untergeschoss bietet, gelangt man in den Tribünenbereich, der gleichzeitig der Schmutzgang in die Umkleiden ist. Die Umkleiden mit Wasch- und Duschbereichen sind natürlich belichtet sowie belüftbar und vermitteln einen hellen, freundlichen Eindruck. Über die Treppenhäuser gelangt man auf die Hallenebene. Hier sind im Servicetrakt neben den Lehrerumkleiden auch der Kraftraum sowie die Regieräume mit Sichtverbindung in die Halle angeordnet. Zur Halle orientiert befinden sich die Geräteräume.
Für die Halle war es besonders wichtig, einen hohen Tageslichtanteil bei gleichzeitiger Vermeidung von Überhitzungen herzustellen. Aus diesen Überlegungen heraus wurde die Halle auf der Südwestfront mit einer drei Meter hohen Metall-Glas-Fassade versehen, die an den Stirnseiten in das Gebäudevolumen einschneiden. Durch diese Fassade oberhalb des Prallwandbereichs wird der gerahmte Blick auf die Landschaft freigegeben. Auf Oberlichter wurde bewusst verzichtet. Ein außenliegender Sonnenschutz stellt den sommerlichen Wärmeschutz sicher.
Die Halle ist in der Außengestaltung durch die anthrazitfarbene Verkleidung und die silberfarbigen Fassadenprofile dominiert, schreibt das Architekturbüro. Im Innenraum wurden hauptsächlich Weiß- und Grautöne verwendet, um einerseits einen hellen Raumeindruck und eine gute Tageslichtnutzung zu erreichen, andererseits um den Bauunterhalt auf einem niedrigen Niveau zu halten.
Eine Besonderheit ist die Materialwahl im Spielfeldbereich: hier wurde das Zentrum des Gebäudes mit warmen Orangetönen im Boden und der Ahornverkleidung der Prallwand betont. Der eigentliche Hallenraum ist mit einer hellen, akustisch wirksamen und ballwurfsicheren Decke versehen, um insgesamt einen ruhigen Raumeindruck zu gewinnen. „Die Halle soll weniger selbst allzu augenfällig in Erscheinung treten als vielmehr einen angenehmen Rahmen für die sportlichen Aktivitäten bieten“, schreibt das Haßfurter Planungsbüro.
Das Gebäude wurde aufgrund der verhältnismäßig kurzen Bauzeit zu großen Teilen aus Stahlbeton-Fertigteilen hergestellt. Dadurch wurde gleichzeitig ein Verzicht auf Innenputzflächen möglich. Die Gründung war wegen der schwierigen Baugrundverhältnisse dagegen mit einem erhöhten Aufwand verbunden. So bindet die Halle teilweise in einen steil abfallenden Sandsteinhorizont ein, während der andere Teil auf bis zu 18 Meter lange Bohrpfähle mit Betonrost gegründet werden musste, um eine mächtige Sand- und Schluffschicht zu überwinden, erklärt Baurconsult.
Die Tragkonstruktion der Halle besteht aus rund 30 Meter langen und etwa zwei Meter hohen Leimholzbindern, die kraftschlüssig und damit passgenau auf in die Betonstützen eingelegte Kontaktplatten gelegt werden mussten. In den Hauptachsen der Halle wurden, so das Haßfurter Architekturbüro, die Träger aufgedoppelt, um die Vorhangkonstruktion aufzunehmen und eine schalltechnisch korrekte Konstruktion herzustellen.
Die neue Dreifachsporthalle wurde nach den aktuell gültigen Vorschriften und Normierungen hinsichtlich der Sicherheit und der energetischen Qualität errichtet. Perspektivisch wurde der Standard gegenüber der ENEV 2009 um etwa 27 Prozent unterschritten. Dieses Ergebnis wird laut Baurconsult durch die Kombination von Bauteilen und Konstruktionen erreicht, die dem derzeitigen Stand der Technik entsprechen. „Positiv wirken sich die große Kompaktheit des Baukörpers und die annähernd wärmebrückenfreie Konstruktion aus.“

Mechanische
Be- und Entlüftungsanlage


Die Hülle ist mit einer 160 Millimeter starken mineralischen Dämmung versehen. Die Fenster- und Fassadenflächen sind bewusst „nur“ mit einer Zweifach-Verglasung ausgeführt, da Dreifach-Verglasungen sich wegen der geringeren solaren Gewinne rechnerisch eher negativ auf die Gesamtbilanz ausgewirkt hätten, so die Planer.
Die Halle ist durchgängig mit einer mechanischen Be- und Entlüftungsanlage mit hoher Wärmerückgewinnung ausgestattet, um den hohen Anforderungen an die Luftwechselraten bei gleichzeitiger Eindämmung der Lüftungswärmeverluste gerecht zu werden.
Als Energieträger kommt eine kleine Gasbrennwerttherme zum Einsatz. In einem nächsten Schritt wird laut Baurconsult der Anschluss an ein Nahwärmeverbundnetz mit Hackschnitzelanlage beraten. Die Wärmeverteilung wird über flächendeckende Fußbodenheizungen hergestellt, wodurch sämtliche Anforderungen an die Behaglichkeit im Portbereich und den Umkleiden erfüllt werden.
Die Beleuchtungsanlagen sind mit Tageslichtsensorik und Präsenzmeldung ausgeführt worden, gleichzeitig ist die gesamte Starkstromversorgung als BUS-Anlage mit der Gebäudeleittechnik verbunden, die gleichzeitig die Gebäudeautomation die die Heizungs- und Lüftungsanlage überwacht. Der Anschluss einer Photovoltaikanlage auf dem Dach der Halle wurde in Erwägung gezogen, konnte jedoch wegen der Verschattung durch den angrenzenden Wald wirtschaftlich nicht dargestellt werden, betont das Architekturbüro. (FHH)

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