Bauen

Das Rückgrat des Parks, die rote Mauer. (Foto: Jühling/Bertram)

29.10.2010

Verbindung zweier Stadtteile

OBB-Vortragsreihe "Qualität zählt" zum Münchner Petuelpark

Der Münchner Petuelpark stand im Mittelpunkt der Vortragsreihe „Qualität zählt“ der Obersten Baubehörde (OBB). Die beiden Münchner Landschaftsarchitekten Stefanie Jühling und Otto A. Bertram referierten über den „Petuelpark München – Stadtpark als Stadtteilreparatur“. In einem Bürgerentscheid fiel 1996 mit knapper Mehrheit die Entscheidung, den Mittleren Ring in drei Teilstücken durch Untertunnelung kreuzungsfrei auszubauen. Einzig im Bereich Petuelring konnte auf Grund der wenigen Straßenanbindungen ein Park auf dem Tunnel entstehen, der die bislang durch die sechsspurige Straße getrennten Stadtteile Schwabing-Nord und Milbertshofen wieder miteinander verbindet – ein Stück Stadtreparatur mit landschaftsarchitektonischen Mitteln, so Jühling und Bertram.
Bis zu 120 000 Fahrzeuge nimmt der Tunnel täglich auf, darüber erstrecken sich Gärten, Wiesen, Hecken, Bäume – Idylle und Inferno nach den Worten der beiden Landschaftsarchitekten. Aus Kostengründen unterschneidet der Petueltunnel nur in den Kreuzungsbereichen Belgrad- und Leopoldstraße das Straßenniveau, im Anschluss steigt das Ingenieurbauwerk knapp drei Meter über Gelände an. So seien die Parameter für die Planung durch einschneidende technische Vorgaben gesetzt gewesen: ein Park sollte entstehen, auf einer ehemaligen Verkehrsschneise, 900 Meter lang, aber im Mittel nur 90 Meter breit und im überwiegenden Teil seiner Länge ein komplettes Geschoss über gewachsenem Gelände. Daraus entwickelten sich laut Jühling und Bertram die wesentlichen Planungsgedanken.
Die Besonderheit des Parks liege in seiner Topographie. Durch den Höhensprung an der Tunnelwand werde er der Länge nach in zwei Ebenen geteilt. Flach geneigte Rampen, Treppen und breite Rasenstufen verbinden die Ebenen miteinander. Gleichzeitig ergebe sich dadurch eine Zonierung von Süden nach Norden: Die südlich zwischen Tunnelwand und Nymphenburg-Biedersteiner Kanal gelegene tiefere Ebene bildet eine ruhige Zone mit intensiv gestalteten Gärten als Rückzugsorten. Das Plateau auf dem Tunnel mit seinen lang gestreckten Spiel- und Liegewiesen, Promenaden und Plätzen bildet die aktive, vernetzende Zone, so die Landschaftsarchitekten. Im Norden schließt sich das Spielband an, das sich im Anschluss an den Grünzug der Spielmeile entwickelt und Spielangebote für alle Altersgruppen miteinander verbindet.

Rote Betonmauer


Die konsequent lineare Gestaltung reagiere auf die lang gezogene Form des ehemaligen Straßenraums und nehme Bezug auf den Verkehrsfluss im Tunnel und das schnelle Fließen des wieder offen gelegten Nymphenburg-Biedersteiner Kanals. Die südlich vor die Tunnelwand gesetzte rote Betonmauer bilde das Rückgrat des Parks. Sie verweise als Raumkante offen auf das Verkehrsbauwerk und lege eine „archäologische Spur“ für spätere Generationen, so Jühling und Bertram.
Der Park stellt einen wichtigen Baustein in der Grünzugvernetzung von Olympiagelände und Englischem Garten in Ost-Westrichtung, sowie der Nord-Südverbindung von Spielmeile und Luitpoldpark dar. Die ökologische Auswirkung eines Parks anstelle einer versiegelten Fläche über dem Tunnelbauwerk ist nach den Worten der beiden Landschaftsplaner vor allem stadtklimatisch unter dem Aspekt Frischluftschneise und Grünpotential bedeutsam. Zugleich biete er ein breites Spektrum für die wohnungsnahe Erholung. Auch das Angebot an naturnahen Lebensräumen werde durch Blumenwiesen, Obsthaine und den renaturierten Nymphenburg-Biedersteiner-Kanal bereichert.
Zeitgleich mit dem Parkkonzept entwickelte Stephan Huber als Kurator das Kunstprojekt für den Park im Rahmen von QUIVID, dem Kunst-am-Bau-Programm der Stadt München. Insgesamt 13 Werke internationaler Künstler sind zum integralen Bestandteil der Landschaftsarchitektur geworden. Entstanden ist ein selbstverständlich erscheinendes Gesamtkonzept, in dem weder der Park noch die Kunst das jeweils andere Werk dominieren. (FHH)

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