Bauen

Wohnbauten am Seerhein. (Foto: Wiegand)

25.07.2014

Viele neue Wohnungen mit Blick aufs Wasser

Konstanz baut an seiner Zukunft

Konstanz besitzt nicht nur einen Oberbürgermeister, sondern auch einen Baubürgermeister, denn Bauen hat dort eine besondere Bedeutung. Da aber keine Kriegsschäden zu beseitigen waren, geht es um Neu- und Umbauten. Letzteres hat Tradition. Aus dem 1234 gegründeten Dominikanerkloster wurde schon 1875 das feine Inselhotel. Heute sprechen die Verantwortlichen von Wohnungsnot und Verkehrsproblemen, doch beim höchst aktuellen Rückblick aufs Konstanzer Konzil (1414 bis 1418) wirkt beides fast verwunderlich. Vor 600 Jahren lebten nach Aussagen von Historikern durchschnittlich 20 000 Menschen in der Stadt und im angrenzenden Thurgau. Die Versorgung klappte ebenfalls. Einige campierten zwar in ausgedienten Weinfässern, doch wie erhaltene Lobesbriefe bekunden, hat alles funktioniert.
Sind also die heutigen Wohnungsnöte ein Luxusproblem? Nicht ganz. Jährlich sollen –  so das Projekt Konstanz 2020 –  mindestens 400 bis 500 Wohnungen gebaut werden, damit die Familien nicht in die benachbarte steuergünstige Schweiz ziehen.

Aufstockung und Nachverdichtung


Wohnungsbau ist die wichtigste Aufgabe des neuen Baubürgermeisters. Der wurde vom Stadtrat jedoch nicht im stillen Kämmerlein gewählt. Drei Kandidaten standen im einstigen Konzilsgebäude, 1388 erbaut, dem Publikum Rede und Antwort. Karl Langensteiner-Schönborn machte das Rennen. So ist vorerst vorrangiges Ziel, mehr Studentenwohnheime zu bauen, um die als WG’s genutzten Stadtwohnungen für Familien freizubekommen. Dem Stau in der Innenstadt will er mit einem verbesserten Park- and Ride-System sowie einer neuen Fußgängerbrücke begegnen.
Abseits vom Zentrum hat sich so manches getan, insbesondere am Seerhein, wo der Rhein durch den Bodensee fließt. Mit Blick aufs Südufer verweist Architekt Christian Müller (Braun+Müller Architekten) auf Beispiele für Aufstockung und Nachverdichtung. 2011 wurde das Humboldt Gymnasium nach Plänen des Architekten Josef Prinz aufgestockt. Für Nachverdichtung sorgte die Hochschule für Wirtschaft, Technik und Gestaltung und beauftragte hotz+architekten, Freiburg, mit der Planung einer Fakultät für Kommunikationsdesign. Im Juni 2011 war der strahlend weiße Bau mit seiner interessanten Fenstergestaltung fertig. Kosten: 7,3 Millionen Euro.
Auf der gegenüberliegenden Seite, im Stadtteil Petershausen, war Architekt Klaus Theo Brenner, ein international tätiger Experte für Stadtarchitektur, ausgiebig tätig. Zwischen 2003 und 2005 hat er zahlreiche innerstädtische Wohnungsbauprojekte in Berlin, Bern, Dresden, Halle und Konstanz geplant und außerdem viele Schriften veröffentlicht. Für den Masterplan „Rummelsburger Bucht“ in Berlin gewann er den Deutschen Städtebaupreis. Was er fürs Nordufer des Seerheins, vormals Textilindustriegelände, konzipiert hat, imponiert ebenfalls. Entstanden ist eine Parade ansprechender Häuser von rot bis ocker, mittig zurückweichend, sodass möglichst viele Wohnungen aufs Wasser blicken. Insgesamt bildet diese Bebauung einen gelungenen Anschluss an die schönen Jugendstilhäuser schräg gegenüber dem Stadtzentrum.

Auf dem Dach
Wohnhäuser mit Weitblick


Auch im Hintergrund wird Petershausen deutlich aufgewertet. Vor kurzem wurde das E-Center Baur fertig. Unten ein 4000 Quadratmeter großer Supermarkt, darüber Parkplätze und auf dem Dach Wohnhäuser mit Weitblick. Ein platzsparendes Projekt der Architekten von K9 aus Freiburg. Am Bahnhof Petershausen, genau neben den Gleisen, wurden Entwürfe von Braun+Müller Architekten verwirklicht. Gerade sind die Studenten- und Mietwohnungen, die sich um vier Höfe gruppieren, fertig geworden. Die Gleisanlagen schimmern durch die Maschendrahtwand des langen Verbindungsgangs, der auf dem Quartiersplatz mündet.
Erstmals bauen in diesem Stadtteil auch steidle architekten aus München. Sie dürfen einen siebengeschossigen Großbau an der Petershauser Straße errichten. „Der wird sicherlich gut werden“, sagt Müller neidlos. Gut sieht auch das Konzilsgebäude aus, das zu den 600-Jahr-Feiern und für die Große Landesausstellung aufwendig renoviert wurde. (Ursula Wiegand)

(Wohnbebauung am Seerhein; Jugendstilhäuser am Bodensee und die Fakultät für Kommunikationsdesign - Fotos: Wiegand)

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