Bauen

Der Konzert- und Vortragssaal. (Foto: Harnestplanung)

26.10.2012

Vom Kloster zum Kulturzentrum

Generalsanierung des Aventinums in Abensberg

Das „Aventinum“, benannt nach Aventinus, dem gebürtigen Abensberger Verfasser Bayerischer Geschichtsschreibung, war ursprünglich der Haupttrakt des Karmelitenklosters in Abensberg. Das Kloster wurde 1390 gegründet. Der Bau zog sich bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts hin. Danach folgten im Laufe der Jahrhunderte mehrere Ergänzungen und Umbauten. Im frühen 17. Jahrhundert wurden die Klostergebäude nach Westen um einen zweiten Klosterhof erweitert.
Der Dachstuhl über dem Westflügel datiert auf die Jahre 1691/1692, der Nordflügel erhielt 1698 einen neuen Dachstuhl. Ab 1710 fand die Barockisierung der Kirche statt. Im 19. Jahrhundert wurde in den Geschossen des Klosters massiv umgebaut, Trennwände und möglicherweise Gewölbe abgebrochen und neue Raumeinteilungen geschaffen. Ab 1960 wurde ein neues, betoniertes Treppenhaus zur Erschließung aller Geschosse errichtet sowie eine Zentralheizung und neue Toiletten eingerichtet. Dabei fanden allerdings Eingriffe statt, die die Statik nachhaltig und gefährlich schwächten, wie jetzt festgestellt wurde. 1981 fand eine weitere Moderniersierungsmaßnahme statt.
Nach der ursprünglichen Klosternutzung gingen Teile des Gebäudes nach und nach in städtische Nutzung über. Es folgten im Wandel der Geschichte Nutzungen unter anderem als Kriegslazarett, Gefangenenverwahrung, Krankenhaus, Archiv und Heimatmuseum; einzelne größere Räume wurden für Veranstaltungen, als Tagungsräume oder für VHS Kurse genutzt. Der größte Teil des Gebäudes war allerdings zuletzt nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
Nach der neuesten Sanierung sind nun alle Räume des Aventinums bis zum 2. Obergeschoss für die Öffentlichkeit nutzbar. Im 3. Obergeschoss, dem Dachraum, ist das Museumsdepot untergebracht. Mit der Planung beauftragt war das Regensburger Architekturbüro pure architektur Mirbach/Semmelmann. Für die Innenarchitektur/Licht verantwortlich zeichnet harnestplanung innenarchitektur Christine Harnet, Abensberg.

Statische Sicherung
des Dachstuhls


Die Öffentlichen Nutzungen umfassen: Büros für Beratungsstellen; Atelier eines öffentlichen Photovereins; Büros für VHS und Museumsleitung; Konzert- und Vortragssaal mit 110 Quadratmetern; Trauungs- und Sitzungssaal mit 90 Quadratmetern; Foyer mit Cateringzone, Küche und Gardeobe; Schulungsräume für die VHS von 40 Quadratmetern Größe; Ballettsaal mit 110 Quadratmetern; unterschiedliche Übungsräume für die städtische Sing- und Musikschule mit Flächen zwischen elf und 50 Quadratmetern sowie ein Aufenthaltsbereich für Kursteilnehmer und Musikschüler.
Die Übungsräume der Musikschule entsprechen in ihren akustischen Details den höchsten Anforderungen. So kann die Raumakustik den unterschiedlichen Instrumenten spontan über Akustikvorhänge angepasst werden.
Für die Generalsanierung waren folgende Maßnahmen erforderlich beziehungsweise wurden getroffen: Sanierung und statische Sicherung des Dachstuhls (1450 Quadratmeter); Erneuerung der Dachhaut und Anschlüsse; Ertüchtigung des kompletten Brandschutzes, einschließlich Brandschutzmaßnahmen an die angrenzenden Nachbargebäude und die Kirche; Errichtung von Flucht- und Rettungswegen; Errichtung einer Brandüberwachungsanlage; Erneuerung und Erweiterung des Aufzugs; Barrierefreiheit auf allen Ebenen; statische Sicherung der Decke über dem 1. Obergeschoss; Teilerneuerung der Innenwände, akustische Optimierung; Austausch aller Fenster nach denkmalpflegerischen Anforderungen; Teilentfernung der Wandanstriche nach denkmalpflegerischen Anforderungen; Erneuerung aller Bodenbeläge, der Türen sowie der Sanitärbereiche und der Heizung, in Teilbereichen Mauer-Sockelbeheizung; Neubau eines Toilettenanbaus; Errichtung einer Zentralbelüftung für Teilbereiche; Neuinstallation Elektro- und Netzwerktechnik sowie Sanierung des Außenputzes nach denkmalpflegerischen Anforderungen.
Das Aventinum, respektive der Klosterkomplex ist das dominanteste Bauwerk in der Altstadt Abensbergs aufgrund der zusammenhängenden Fläche mit Kirchenkomplex und Kreuzgang. Die Bausubstanz hatte jedoch aufgrund der nüchternen Zwecksanierungen in den vergangenen Jahrzehnten sowohl außen als auch innen eine traurig-heterogene Erscheinung.
Die Gestaltungsidee geht auf die ursprüngliche Klosternutzung zurück. Die Kreuzganggeometrie wurde auf allen Ebenen wieder zurückgebaut, so dass der Kreuzganginnenhofgarten wieder der optische Mittelpunkt ist. Die klösterliche Stille und Einfachheit waren Vorgabe für die Wahl der Materialien, der Oberflächen und des Beleuchtungskonzepts. So wurden die Materialien reduziert auf: Naturstein (örtlicher Jura grau), Eiche und die Farben schwarz und weiß. Das Licht wird nahezu vollständig indirekt erzeugt und die Lichtquellen stecken hinter Türen, Fensterbänken, Deckenrücksprüngen und Mauernischen. Die Plastizität des Gewölbes wird dadurch uneingeschränkt sichtbar. Wenige sichtbare Leuchten sind auf ein Minimum reduziert.
Alle neuen Ergänzungen und Einbauten sind respektvoll auf Abstand zum Bestand gesetzt und bilden eine additive Ergänzung, keine Verschmelzung. Der moderne WC-Anbau und das Eingangsportal setzen auch nach außen hin ein Zeichen einer neuen Zeit, ohne die alten Mauern zu verletzen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege die Baumaßnahme von der ersten Stunde an fachlich begleitete und das Bauvorhaben durch die Städtebauförderung sowie dem Landesamt für Denkmalpflege gefördert wurde. (BSZ)

(Das Aventnium wurde zwischen 2009 und 2012 generalsaniert; der Balettsaal; Blick in einen Flur - Fotos: Harnestplanung)

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