Beruf & Karriere

Keine Anreize im Job ist der häufigste Grund für Langeweile im Büro. (Foto: dpa)

27.10.2017

Ein Tag Langeweile pro Woche

Viele Mitarbeiter sind unterfordert, glauben deren Chefs – was dagegen hilft

Statt Hektik und Überforderung herrscht in deutschen Büros phasenweise pure Langeweile. Laut 56 Prozent der Manager sind die Angestellten bis zu acht Stunden pro Woche von ihren Aufgaben im Job gelangweilt. Das hat die aktuelle Arbeitsmarktstudie des Personalvermittlers Robert Half ergeben. Der Studie zufolge glauben lediglich 40 Prozent der Vorgesetzten, dass sich ihre Mitarbeiter nie langweilen.

 „Dass über die Hälfte der befragten Manager Langeweile in den Reihen ihrer Angestellten vermutet, hat uns überrascht“, sagt Thomas Hoffmann von Robert Half, „zumal einige der angeführten Ursachen mit vergleichsweise wenig Aufwand behoben werden könnten. Routinearbeiten etwa könnten im Team regelmäßig neu verteilt oder mit externer Unterstützung abgearbeitet werden. Neue Herausforderungen können Manager schaffen, indem sie Mitarbeitern sukzessive mehr Verantwortung übertragen und sie ermutigen, selbst Lösungen zu finden.“

Ein Aufgabenprofil, das nicht fordert und keine Anreize setzt, zählen die Führungskräfte zu den Hauptursachen für Langeweile (30 Prozent). Genau so viele sehen in schlecht organisierten oder zu häufig angesetzten Meetings einen Grund. Dicht darauf folgt mangelnde Abwechslung innerhalb der Funktion – ein Problem, dass 28 Prozent nennen.                                             

Mehr Abwechslung im Job liegt allerdings nicht nur in der Verantwortung der Chefs. Auch Arbeitnehmer können mit konkreten Maßnahmen akuter und dauerhafter Langeweile entgegentreten, rät Hoffmann:

1) Jeder sollte sich fragen: Warum bin ich gelangweilt? Warum finde ich meine Arbeit nicht interessant? Liegt es an Unterforderung oder gibt es andere Gründe? Was fehlt mir, um schnell eine spürbare Verbesserung herbeizuführen?

2) Gelangweilte Mitarbeiter sollten das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen und den Wunsch nach Veränderung äußern. Dabei lösen konkrete Vorschläge für eine gezielte Weiterbildung, eine neue Herausforderung oder eine andere Tätigkeit innerhalb des Unternehmens am schnellsten das Problem.

3) Finden sich keine Möglichkeiten, die Arbeit abwechslungsreicher zu gestalten oder sich intern neuen Herausforderungen zu stellen, sollte ein Jobwechsel in Betracht gezogen werden. Mitarbeiter sollten diesen Gedanken nicht prinzipiell mit einem Denkverbot belegen, sondern – falls erforderlich – mindestens als gleichberechtigte Lösung in Betracht ziehen.

„Dauerhafte Langeweile kann genauso schädlich sein wie dauerhafter Stress“, erklärt Hoffmann. „Mitarbeiter, die sich langweilen, empfinden Druck, den sie sich selbst auferlegen. Außerdem stellen sich Resignation und Lethargie ein, wenn Anerkennung und Wertschätzung ausbleiben. Im schlimmsten Fall sind das Bore-out-Syndrom und Depressionen die Folge.“

Eine sinnvolle Tätigkeit und das Gefühl, im Beruf etwas zu leisten, sind wiederum zwei der wichtigsten Faktoren für das Glück am Arbeitsplatz, wie eine weitere Studie von Robert Half belegt. Hoffmann: „Hier wird ganz deutlich: Eine Veränderung kann viele Vorteile haben – für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer.“ (BSZ)

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