Beruf & Karriere

An jedem deutschen Standort (auf dem Foto Neubiberg) bietet Infineon das einwöchige Programm „Fit 4 Health“ an. (Foto: dpa)

12.05.2017

"Man muss den Mitarbeitern zuhören"

Thomas Marquardt, Personalchef von Infineon, über die Auszeichnung „Deutschlands bester Arbeitgeber“, kompetentes Führungsverhalten und Arbeitsplatzkultur

Der Halbleiterproduzent Infineon Technologies darf sich „Deutschlands bester Arbeitgeber 2017“ nennen. In keinem anderen Großunternehmen waren die Mitarbeiter zufriedener. Im BSZ-Interview erklärt Thomas Marquardt, Leiter Human Resources, was den Arbeitgeber aus München so attraktiv macht.

BSZ: Herr Dr. Marquardt, Infineon belegt laut des Great Place to Work-Institut heuer den Spitzenplatz der Arbeitgeber-Bundesliga für Großunternehmen. Wie feiert Deutschlands Bester Arbeitgeber 2017 eine solche Auszeichnung?
Thomas Marquardt: Würde diese Neuigkeit in unserer Außenwahrnehmung den großen Umschwung bringen, hätten wir in der Kommunikation bislang einiges falsch gemacht. (lacht)

BSZ: Stapeln sich seitdem bei Ihnen bereits die Bewerbungen?
Marquardt: Natürlich helfen Auszeichnungen dabei, hoch qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen. Viel wichtiger ist jedoch, als Unternehmen erfolgreich zu sein und an den wichtigen Zukunftsthemen zu arbeiten – wie Mobilität, Energieeffizienz und Sicherheit.

BSZ: Um an dem Wettbewerb teilnehmen zu können, musste sich Infineon freiwillig dem repräsentativen Urteil ihrer eigenen Mitarbeiter stellen. Haben Sie die ausgezeichneten Bewertungen der Mitarbeiter überrascht?
Marquardt: Wir haben uns zum ersten Mal im Jahr 2010 für die Teilnahme entschieden. Damals hatte das Unternehmen gerade eine schwere Krise durchgestanden, was sich auch in den Ergebnissen widerspiegelte. Seither haben wir kontinuierlich an unserer Arbeitsplatzkultur gearbeitet, was beispielsweise auch die Führungs-und Feedbackkultur betrifft. Heute ist Infineon so erfolgreich wie nie – das wirkt sich zudem positiv auf die Zufriedenheit aus. Darüber freuen wir uns; gleichzeitig erfordert das Thema weiterhin kontinuierliche Anstrengungen für alle im Unternehmen.

BSZ: Besonders gelobt wurden die Arbeitsplatzkultur, das gute Betriebsklima und die Anerkennung guter Arbeit. Was unterscheidet Infineon dabei von anderen Arbeitgebern?

Marquardt: Ein großes Plus ist auf jeden Fall das überaus gute Miteinander in einem internationalen Team. Hinzu kommen sehr gute Angebote an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die wir kontinuierlich weiterentwickeln. Insbesondere in der Gesundheitsförderung und den flexiblen Arbeitszeiten haben wir große Fortschritte in den letzten Jahren gemacht. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ist uns sehr wichtig: Alle deutschen Infineon-Standorte wurden mit dem Zertifikat „audit berufundfamilie“ ausgezeichnet und gelten somit als besonders familienfreundlich.

BSZ: Einen starken Fokus legt Ihr Unternehmen auch auf das Thema kompetentes Führungsverhalten. Wodurch zeichnet sich Infineon hier aus?

Marquardt: Das Bewusstsein für gute Führung ist in den letzten Jahren gestiegen, und die Diskussion in den Management-Teams hierzu ist sehr wichtig, um eine gemeinsame Haltung gegenüber Führung zu entwickeln. Ein wichtiger Aspekt ist, dass sich Führungskräfte alle zwei Jahre einem strukturierten Feedback durch ihre Teams stellen. Außerdem haben wir die Incentivierung von Führungskräften am Unternehmenserfolg ausgerichtet, und nicht an kurzfristigen, persönlichen Zielen. Dadurch wurden Diskussionen zwischen Mitarbeiter und Führungskraft viel konstruktiver, statt sich nur an der finanziellen Komponente zu orientieren.

„Zufriedenheit führt zu Innovation“

BSZ: 85 Prozent Ihrer Angestellten würden Infineon als Arbeitgeber weiterempfehlen – entsprechend wenig verlassen die Firma. Wie unterstützen Sie die berufliche Entwicklung Ihrer Mitarbeiter?
Marquardt: Die Menschen erwarten, dass sie ihre Fähigkeiten und Kompetenzen in einem passenden Umfeld weiterentwickeln können. Zu den zentralen Aufgaben der Führungskräfte gehört daher, durch klare Ziele und Prioritäten die Rahmenbedingungen für den persönlichen Erfolg zu schaffen. Sie sollen sowohl Freiräume als auch Unterstützung geben und Vorbilder für die Unternehmenswerte sein. Wir unterstützen unsere Führungskräfte bei diesen Aufgaben mit zahlreichen Lern- und Entwicklungsangeboten auf den verschiedenen Führungsebenen. Das umfasst beispielsweise das firmeninterne „New-Leader-Orientation“-Programm oder ein Training zu „gesundem Führen“, um nur einen kleinen Teil zu nennen.

BSZ: Ihre Angestellten haben deutlich weniger Krankentage als die in durchschnittlichen Großbetrieben. Wie sieht die betriebliche Gesundheitsförderung bei Ihnen aus?
Marquardt: Wir haben ein betriebliches Gesundheitsmanagement etabliert, das auf nachhaltige Maßnahmen setzt. An jedem deutschen Standort gib es ein Medical Service Center, aber auch gezielte Aktionen. Das einwöchige Programm „Fit 4 Health“ etwa bietet Tipps und Informationen, die sich auf jeden Lebensbereich auswirken. Die Teilnehmer empfinden dies als echtes Highlight! Bei der Gesundheitsförderung war auch die Zusammenarbeit mit Gremien wie dem Betriebsrat wichtig: Dadurch können wir die Bedürfnisse der Mitarbeiter sehr gut abbilden.
   
BSZ: Inwieweit profitiert Infineon von zufriedenen Mitarbeitern?
Marquardt: In allen Märkten, in denen Infineon aktiv ist, belegen wir führende Positionen: von Halbleitern für die Automobilindustrie, über Leistungselektronik für die Industrie, bis hin zu Sicherheitsanwendungen. Hierbei spielen Erfahrungswissen und die Durchdringung der komplexen Technologien eine große Rolle. Eine starke Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an das Unternehmen ist dafür essenziell. Sagen wir es einmal so: Zufriedenheit bringt Motivation, und das führt zu Innovation.

BSZ: Mussten auf dem Weg zu der hohen Mitarbeiterzufriedenheit auch gegen Widerstände angekämpft oder große Überzeugungsarbeit geleistet werden?
Marquardt: Im Vordergrund standen bei uns keine Urkunden, sondern das Besser-werden – von daher: nein.
   
BSZ: Welche Innovationen, Technologien oder Maßnahmen planen Sie in Zukunft, um Ihren Spitzenplatz bei der Mitarbeiterbewertung im nächsten Jahr zu verteidigen?
Marquardt: Wie gesagt, der Spitzenplatz im Ranking per se steht bei uns nicht im Fokus. Die wichtigste Maßnahme ist daher, einen dauerhaft guten Draht zu den Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen zu halten. Das heißt: Wir machen weiter auf diesem Weg. Dies ist erforderlich in einem so wettbewerbsintensiven Umfeld wie der weltweiten Halbleiterbranche. Damit drücken wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch unsere Wertschätzung aus.

BSZ: Wie bewerten Sie Ihre Chancen beim Wettbewerb Europas Beste Arbeitgeber 2017 im Juni für den Sie jetzt automatisch qualifiziert sind?
Marquardt: Schon im letzten Dezember durften wir eine Auszeichnung von „Great Place to Work“ in China entgegennehmen. Auch dies hat uns ermuntert, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Wie gut wir aber wirklich sind, werden wir nie durch den Vergleich mit anderen Unternehmen lernen, sondern nur, wenn wir unseren Mitarbeitern zuhören und ihre Anliegen ernst nehmen. (Interview: David Lohmann)

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