Beruf & Karriere

Wer in der Stellenanzeige auf modern macht, sollte es auch im Bewerbungsgespräch sein. (Foto: dpa)

24.11.2017

Nachwuchskräfte nicht auf Facebook suchen

Unternehmenskultur und Firmenimage reichen nicht aus, um den Jobnachwuchs zu begeistern – auf die Glaubwürdigkeit kommt es an

Der Generation Y wird oft unterstellt, sich nur für Selbstverwirklichung und sinnstiftende Tätigkeiten zu interessieren. Wenn aber ein sicherer Job mit attraktivem Einkommen winkt, greifen sie gern zu. Das sollten sich Arbeitgeber zunutze machen.

Den Geburtsjahrgängen zwischen 1980 und 2000, der vielzitierten Generation Y also, wird oft wenig Interesse an materiellen Anreizen unterstellt, wenn es um die berufliche Tätigkeit geht. Mit dem Mythos von freizeitorientierten und sinnsuchenden jungen Leuten geht bei Personalverantwortlichen häufig die Vorstellung einher, man könnte diese mit einem hemdsärmeligen Firmenimage besonders erfolgreich locken. Eine aktuelle Studie der Jacobs-Universität in Bremen liefert Hinweise darauf, dass dies längst nicht für alle Berufsanfänger zutrifft. Bei einem Autobauer wurden Beschäftigte mehrerer Altersgruppen befragt, um herauszufinden, inwieweit häufig vorausgesetzte stereotype Erwartungen und Haltungen tatsächlich der Realität entsprechen.

Die wichtigste Erkenntnis daraus: Weniger die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Generation, als vielmehr die individuellen Charaktereigenschaften und das persönliche Umfeld prägen die Erwartungen an die berufliche Perspektive. Christian Roßnagel, Bror Giesenbauer und Andreas Mürdter zeigen als Initiatoren der Studie nicht nur, dass die Vorstellungen innerhalb der untersuchten Altersgruppen eher heterogen sind, sondern auch, dass falsche Erwartungen und Vorstellungen negative Auswirkungen auf die Mitarbeitermotivation und die Qualität der Zusammenarbeit haben können.

Das Einstiegsgehalt im Jobinserat? Warum nicht!

Eine weitere Untersuchung, an der rund 230 Bachelor- und Masterstudenten aus mehreren Universitäten in Deutschland und Großbritannien teilgenommen haben, belegt zwar, dass Selbstverwirklichung und eine sinnstiftende Tätigkeit für die meisten grundsätzlich erstrebenswert sind. Letztendlich würden allerdings nahezu alle zugreifen, wenn ein sicherer Job mit einem attraktiven Einkommen winkt – die Frage nach Firmenkultur und Leitbild stellen angesichts handfester persönlicher Vorteile weniger Einsteiger, als man denkt. „What’s in it for me?“: Wer junge Jobanwärter für sich begeistern möchte, sollte sich als Arbeitgeber mit dieser Frage beschäftigen, und zwar konsequent aus Sicht der jeweiligen Zielgruppe.

Es lohnt sich in jeder Hinsicht, den Blickwinkel zu wechseln und genauer zu betrachten, was mögliche Bewerber an- und umtreibt. Und zwar nicht aus einer generationsbezogenen Pauschalsicht heraus, sondern mit Blick auf spezifische, individuelle Präferenzen und Bedürfnisse. Schließlich geht es um die langfristige Erfüllung beiderseitiger Erwartungen und nicht um eine kurzfristige Jobbesetzung mit schnellem Ende. Interne Aufstiegschancen und zeitgemäße Weiterbildungsangebote gehören zu den Vorzügen, mit denen Firmen und Verwaltungen bei fast allen Studienabsolventen punkten können. Darüber hinaus ist es natürlich förderlich, wenn das Image zu den persönlichen Präferenzen passt und konsistente Werte überall in der Organisation spürbar sind.

Dass die meisten jungen Leute zwar über Facebook und Instagram erreichbar sind, bedeutet noch nicht, dass soziale Medien auch für seriöse Jobangebote das beste Umfeld darstellen müssen. Folgt man den Erkenntnissen der zitierten Untersuchungen, sind private Kommunikation und berufliche Perspektive zwei Paar Schuhe. Wer in klassischen Medien und in den etablierten Jobportalen seine Angebote schaltet, kann meist von einer angemessenen Reichweite ausgehen. Entscheidend ist es eher, die Qualitäten des Arbeitgebers und die Stärken der angebotenen Position anschaulich und nachvollziehbar darzustellen. Verklausulierte Standard-Profile haben dabei ebenso wenig verloren wie angestaubte Imagetexte oder eine betont auf jugendlich gemachte Ansprache.

Wer hervorragende Bewerber erwartet, sollte auch seinen Auftritt hervorheben – mit treffenden Formulierungen, einer realistischen Erwartungshaltung und einer professionellen Gestaltung in einem der Position angemessenen Rahmen. In aktuellen Stellenanzeigen der Bundeswehr wird zum Teil das zu erwartende Einstiegsgehalt explizit in Euro genannt. Warum nicht, wenn es für die angesprochene Zielgruppe attraktiv ist und zur Klarheit beiträgt.

Ebenso wichtig ist die durchgängige, glaubwürdige Ansprache über den gesamten Bewerbungs- und Einstellungsprozess. Was in der Stellenanzeige steht, sollte sich im Bewerbungsgespräch spiegeln – und das ist durchaus nicht selbstverständlich. Verantwortlichkeiten sollten schnell klarwerden, die Rahmenbedingungen ebenso. Am meisten zählt nach wie vor das Miteinander, das belegen einige Studien ebenso wie der gesunde Menschenverstand. Über die professionellen Methoden hinaus, die mittlerweile für eine effiziente Personalauswahl genutzt werden können, sollte eine offene und interessierte Kommunikation mit den Bewerbern im Mittelpunkt stehen. Eigentlich ganz klar, aber leider nicht immer die Regel. (Frank Beck)

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