Bayern forscht

In ihrer Bestandsdichte gelten die Bücher aus der Sammlung von Georg P. Salzmann weltweit als einzigartig. Es dauerte gut drei Jahrzehnte, um sie in ganz Europa zusammenzutragen.

23.07.2010

Rückkehr der verbrannten Bücher

In der Augsburger Unibibliothek stehen jetzt wieder Original-Exemplare jener Werke, die von den Nazis 1933 vernichtet wurden

Die aufgehetzte Nazi-Jugend wollte jede Form von Literatur in Deutschland ausrotten, die nicht in das Weltbild des neuen Systems passte – und das war keinesfalls nur symbolisch gemeint. Als am 10. Mai 1933 in ganz Deutschland die Feuer brannten und zehntausende gedruckte Werke ein Raub der Flammen wurden, da ging es den Initiatoren darum, diese Bücher tatsächlich komplett verschwinden zu lassen, ja auszumerzen.
Bei zahlreichen Veröffentlichungen von weniger populären Autoren als beispielsweise Thomas Mann, Lion Feuchtwanger und Stefanz Zweig war das gar nicht mal so kompliziert: Viele Lyrik- oder Essaybände waren in keiner hohen Auflage erschienen, einige umfassten nur wenige hundert Exemplare. Mit der Bücherverbrennung verschwanden meist viele Erinnerungen an diese Schriftsteller, das breite Publikum kennt heute kaum noch Dichter wie Mascha Kaleko oder Peter Urzidil. Experten schätzen, dass im Frühjar 1933 zirka 12 000 verschiedene Titel verbrannt wurden.
Originalmanuskripte waren damals noch nicht digital gespeichert. Verlor sich dann auch noch die Spur des einen oder anderen Autors in den nationalsozialistischen Gefängnissen oder im Dunkel des Exils, dann hatten die braunen Kulturbarbaren ihr Ziel erreicht – beinahe. Denn sie hatten nicht mit Menschen wie Georg P. Salzmann gerechnet.
Seit mehr als einem Vierteljahrhundert sammelt der inzwischen 81 Jahre alte Kaufmann im Ruhestand die Werke von Dichtern, deren Bücher verbrannt wurden, und hat inzwischen ein einzigartiges Archiv zusammengetragen – das „Dokumentations- und Forschungsarchiv 10. Mai 1933“. Man kann es vielleicht als ein Stück Kompensation der eigenen Familiengeschichte betrachten. Vater und Großvater von Georg P. Salzmann waren überzeugte Nazis, hatten schon lange vor 1933 die NSDAP in Thüringen mitbegründet.
Ein Besuch im ehemaligen KZ Buchenwald bewirkte bei Salzmann nach eigenem Bekunden ein komplettes Umdenken. Der gelernte Finanzkaufmann durchstöberte jahrzehntelang Bibliotheken, Archive und Flohmärkte, er reiste nach Holland, England, Dänemark, Tschechien und Frankreich, eine mühsame Arbeit, die gleichwohl Früchte trägt: Dutzende Regalmeter kommen in seinem Haus in Gräfelfing bei München zusammen, doch das private Anwesen erweist sich bald als zu klein für die opulente Sammlung von zirka 12 000 Büchern.

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