Reisen

Die Gustav-Adolf-Gedenkstätte. (Foto: Museum Lützen)

11.04.2017

Blutige Schlachten

Blutigen Schlachten auf der Spur in Saale-Unstrut

Die Bilanz nach sechs Stunden Gemetzel war verheerend: Mehr als 6000 Soldaten kamen in der Schlacht bei Lützen ums Leben, darunter der Schwedenkönig Gustav II. Adolf. Damit ging sie als eine der folgenschwersten Schlachten des Dreißigjährigen Kriegs in die Geschichte ein. Lützen, rund 20 Kilometer südwestlich von Leipzig gelegen, gehört zu Saale-Unstrut, einer vom Hochmittelalter geprägten Wein- und Kulturlandschaft. Burgen, Städte, Schlösser und Klöster machen über 1000 Jahre Geschichte greifbar. Die Region war Schauplatz zweier großer Gefechte, die in die historischen Bücher eingingen: die Schlacht bei Lützen am 16. November 1632 und die Schlacht bei Hassenhausen am 14. Oktober 1806. Wie der schwedische König im Dreißigjährigen Krieg starb, können Besucher im Museum im Schloss Lützen sehen. Ein Großdiorama mit über 3600 Zinnfiguren zeigt das Gefecht zwischen den schwedisch-protestantischen und kaiserlich-katholischen Truppen. Ab Frühjahr sollen zudem einige Funde einer der größten schlachtfeldarchäologischen Untersuchungen in Europa gezeigt werden.

Ein Team aus schwedischen, britischen und deutschen Wissenschaftlern entdeckte zwischen 2006 und 2011 mit Hilfe von Metallsonden im Boden etwa 3500 Fundstücke aus der Schlacht bei Lützen. Darunter Gewehrkugeln, Pistolen und Uniformteile. So konnten die Archäologen den Verlauf der Schlacht genau rekonstruieren. Belegt ist detailliert, dass Gustav II. Adolf an die vorderste Kampflinie geriet, von einer Kugel in den linken Arm getroffen und im Nahkampf verwundet wurde. Er stürzte vom Pferd und wurde von einem Reiter durch Kopfschuss getötet. Darüber hinaus stieß das Forscherteam vor sechs Jahren auf ein Massengrab mit 47 Toten, das großes Aufsehen erregte. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle untersuchte den spektakulären Fund. Obwohl die Soldaten ohne Kleidung, persönliche Gegenstände und Waffen bestattet wurden, konnten die Wissenschaftler Rückschlüsse auf Alter, Krankheiten oder Kriegsverletzungen der Toten ziehen.

Die Stadt Lützen möchte das Massengrab mit den 47 Skeletten künftig am historischen Ort zeigen. Dazu plant sie einen Erweiterungsbau an der Gustav-Adolf-Gedenkstätte. Die Eröffnung soll im Spätherbst 2019 sein. „Das ist aber abhängig von mehreren verschiedenen Faktoren, die wir selbst nur zum Teil steuern können“, sagt Katja Rosenbaum, Leiterin des Museums, „unter anderem muss an der Stelle, wo das Gebäude errichtet werden soll, nochmals gegraben werden, und es ist natürlich zu erwarten, dass auch dort Funde der Schlacht gemacht werden.“

In Saale-Unstrut befindet sich ein weiterer bedeutender Schauplatz einer großen Militäroperation. Das kleine Dorf Hassenhausen wurde durch die Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt berühmt. 15.000 Soldaten mussten im Gefecht zwischen preußischer Hauptarmee und den Truppen Napoleons das Leben lassen. Das Museum im Pfarrhaus stellt unter anderem blutgetränkte Kirchenbücher aus, mit denen Knochenbrüche verwundeter Soldaten geschient wurden. Beeindruckend ist auch das Zinnfiguren-Diorama mit 600 Figuren. Es zeigt, wie die preußischen Reiter im französischen Feuer zusammenbrechen. Augenzeugenberichte und Schlachtfeldfunde vervollständigen das Bild einer blutigen Schlacht. Außerhalb des Museum markieren Gedenksteine das Schlachtfeld von damals. Die Gedenkstätte ist ab März wieder geöffnet. (BSZ)

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