Kommunales

München-Ticket vertreibt Eintrittskarten und managt den Vorverkauf. (Foto: BSZ)

03.12.2014

Schwere Vorwürfe gegen München-Ticket

Das hundertprozentige Tochterunternehmen der Stadt soll Kundendaten missbraucht und treuhänderische Pflichten verletzt haben, schimpft die Rathaus-CSU.

Die München-Ticket GmbH, ein hundertprozentiges Tochter-Unternehmen der Stadt, hat möglicherweise Daten von hunderten Kunden missbraucht. „Verletzung treuhänderischer Pflichten“, so lautet der Vorwurf von Richard Quaas, kulturpolitischer Sprecher der CSU- Fraktion im Münchner Stadtrat. Von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) fordert der empörte Quaas nun schnelle Aufklärung.
München-Ticket, offizielle „Serviceeinrichtung“ der Stadt, vertreibt Eintrittskarten und managt den Vorverkauf – unter anderem für Veranstaltungen der größten Konzert- und Eventagentur München-Musik. Vor allem das Weihnachtsgeschäft ist unter den Event-Anbietern hart umkämpft, der größte Teil des Jahresumsatzes wird im Dezember erwirtschaftet. Und nun habe Stephan Rusch, Geschäftsführer bei München-Ticket, die kleineren Konkurrenten von München-Musik – wie Bell’Arte oder EuropaClassic – mit einem „vergifteten Weihnachtsgruß einfach ausgebootet“, lautet der Vorwurf.
Der Grund: eine 35 Seiten starken Werbe-Broschüre, exklusiv versandt an über 100 000 Kunden. Im Anschreiben preisen Rusch und der Geschäftsführer von München-Musik, Andreas Schessl, das Weihnachtsprogramm an: Unter anderem empfehlen die beiden Alice im Wunderland, den Größten Schwanensee aller Zeiten, und Magic!Zauber der Illusion.
Aber: Signiert haben Rusch und Schessl. Und auch das Stadt-Wappen für die PR von München-Musik verwendet.
Schessl betont: Man habe lediglich von einem postalischen Mailing Gebrauch gemacht. Dabei wird Besuchern, die über München-Ticket Karten für eine Veranstaltung von München-Musik gebucht hatten, im Folgejahr Werbematerial zugesandt. Jedem Veranstalter stehe die Buchung dieses speziellen PR-Angebotes von München-Ticket offen.

Konkurrenten klagen auf Schadensersatz


„Diese Möglichkeit gab es für uns andere nie. Da hieß es immer nur nein, nein, nein“, bezweifelt Nicolas Schreyer von Bell’Arte. Und nun seien auch noch klammheimlich die Media-Daten von München-Ticket verändert worden, um ein lange bestehendes Angebot vorzutäuschen.
Noch schwerer wiege wohl eine Verletzung des Datenschutzes. Die umstrittene Sendung hätten nämlich auch jede Menge Kunden erhalten, die noch nie bei München-Musik, wohl aber bei anderen Agenturen und via München-Ticket gebucht hätten. „Wieso bekommen die Post? Und dann auch noch so aufgemacht, wie ein offizielles Konzertprogramm der Stadt“, will Schreyer wissen. In Kundendaten habe man nie Einblick erhalten, weist Schessl zurück. Der Vertreter der Theatergemeinde München, Michael Grill sieht die „kulturelle Vielfalt“ zugunsten eines Monopolisten in Gefahr.
„Das hat auf alle Fälle ein Gschmäckle“, verschärft CSU-Fraktionsreferent Andreas Bauerdie Vorwürfe – und wittert Übervorteilung, sogar mit „offiziellem Anstrich“ durch die Stadt. Der Schaden gehe – bedingt durch Neuversand und Unterlassungsklagen – in die Hunderttausende. Die Anwaltskanzlei Nachmann vertritt die betroffenen Veranstalter sowohl zivil- als auch strafrechtlich.
München-Ticket schweigt zu den Anschuldigungen bis dato beharrlich. Auch die Stadt möchte sich, so Pressesprecher Wolfgang Nickl vom Referat für Arbeit und Wirtschaft, nicht zum laufenden Verfahren äußern. „Wir gehen der Sache nach und lassen uns berichten.“ (Matthias Endlicher)

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Kommentare (3)

  1. Zwerg am 05.12.2014
    "Die CSU soll Ihre Kräfte und unsere Gelder für sinnvolle Aktionen nutzen.
    München Ticket ist gut und seriös.
    Herr Stephan Rusch, ein hervorragender Geschäftsmann und einer der besten Chefs Münchens, hat einen Missbrauch von Kundendaten nicht nötig. Diese Vorwürfe gegen ihn bzw. München Ticket sind schlichtweg lächerlich.
  2. Ork am 09.12.2014
    Na wenn Herr Zwerg das so sagt, muss das wohl auch so sein. *Ironie off
    Vielleicht sollte manch einer seine persönlichen Kräfte auch für sinnvollere Aktionen nutzen, als hier fadenscheinige und äußerst verdächtige Statements zu verbreiten. Aufgrund solcher Kommentare wirkt das Ganze nur noch skandalöser.

    Hoffentlich wird das Thema bald aufgeklärt. Eine monopolistische und eintönige Kulturlandschaft in München dient schließlich niemanden. Ob also Herr Rusch ein hervorragender Geschäftsmann und einer der besten Chefs Münchens ist, wird sich bald noch zeigen. Von "gut und seriös" in Verbindung mit München Ticket zu sprechen, erfordert allerdings aufgrund der aktuellen Faktenlage großes Wunschdenken.
  3. Fidelio am 09.12.2014
    Als ich am 24. November die besagten "Konzertnews" an mich persönlich - mit meiner Büroadresse adressiert - zugesandt bekam, war die Überraschung groß. Überraschend deshalb, da ich aufgrund des abgedruckten Münchner Stadtwappens auf beiliegendem Anschreiben vermutete, es handle sich um ein offizielles städtisches Angebot zu klassischen Konzerten. Ich überlegte daraufhin, weshalb ich dieses Magazin jetzt auf einmal unaufgefordert zugeschickt bekomme - und vor allem wie der auf den "Konzertnews" genannte Veranstalter "MünchenMusik" an meine Adressdaten gelangt sein könnte. Ich hatte zuvor niemals über diesen Veranstalter Karten gebucht bzw. Konzerte von diesem besucht.

    Als ich ein paar Tage später die Pressemeldung zum vermuteten Kundendaten-Skandal bei München-Ticket las, wurde mir der Umstand meines Magazin-Erhalts klarer:

    Denn ich hatte ca. ein halbes Jahr zuvor Eintrittskarten beim Konzertveranstalter "Tonicale Musik & Event GmbH" bestellt. Da nun alle Konzertkarten in München - egal welcher Veranstalter ein Konzert ausrichtet - über das 100%-ige Tochterunternehmen der Stadt "München-Ticket" abgewickelt werden, gelangten meine Daten auf diesem Weg in die Kundendatenbank von München-Ticket. Dieser Vorgang wäre nun weiter nicht anstößig, würde MT wirklich nur treuhänderisch mit diesen Daten umgehen, so wie auf der Website unter "Datenschutz" u. a. so kundenfreundlich zu lesen ist:

    [...] Für die München Ticket GmbH ist der Schutz personenbezogener Daten von höchster Bedeutung. Wir möchten Sie deshalb an dieser Stelle darüber informieren, wie wir Ihre Privatsphäre schützen, wenn Sie uns Ihre personenbezogenen Daten zur Verfügung stellen. [...]
    [...] Die München Ticket GmbH vermittelt im Namen und im Auftrag der jeweiligen Veranstalter den Veranstaltungsvertrag und wird vom Kunden mit der Abwicklung des Kartenkaufes beauftragt. Da die Einwilligung der Nutzung Ihrer Daten der vorgenannten Zwecke auch die Übermittlung Ihrer Daten auf Anforderung an die jeweiligen Veranstalter-Agenturen umfassen kann, können Ihre Daten auch an diese Stellen weitergegeben werden. Im Übrigen findet keine Weitergabe an sonstige Dritte statt. [...]

    Es liegt jedoch im aktuellen Kundendaten-Skandal ein rechtswidriger Missbrauchs-Verdacht deutlich auf der Hand. Denn MT gab diese Kundendaten aller Münchner Konzertveranstalter an den "Platzhirschen" - und Hauptkonkurrenten der kleineren Veranstalter - nämlich "MünchenMusik" weiter. So auch meine, welche ich ausschließlich der "Tonicale Musik & Event GmbH" anvertraute.

    MünchenMusik verschickte jetzt sein eigenes Konzertprogramm - in "offiziell-städtischem Gewande“ - eben auch an alle Kunden der Konkurrenzveranstalter, was bei jenen folglich zu enormen Buchungs- & Umsatzeinbußen führen wird. Ob sich das Ganze letztlich als juristisch "sauber" herausstellen wird oder nicht, müssen freilich die Anwälte und Gerichte klären. Ich persönlich jedoch halte eine solche Geschäftspraxis inklusive einer Weitergabe meiner vertraulichen Kundendaten für höchst fragwürdig, skandalös und inakzeptabel! Vor allem unter Beteiligung eines städtischen Unternehmens (Vorbildfunktion?) und zudem im Bereich der so genannten "höheren Kultur". Dieser Vorfall hat so gar nichts mit Unternehmens-Kultur oder den Grundsätzen eines "ehrbaren Kaufmanns" zu tun, meine Herren Rusch und Schessl! Wer Kultur veranstaltet, sollte trotz unbestreitbar notwendiger Geschäftsinteressen – auch ein gewisses Maß an Kultur in seinem Geschäftsgebaren an den Tag legen.

    Ich hoffe jetzt auf eine schnelle, transparente und faire Aufarbeitung dieses Skandals - und auf eine zukünftige Handhabung von Kundendaten, welche einem echten "Datenschutz" gerecht werden wird.

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