Kommunales

Manche Gemeinden wollen sich nicht langfristig auf Öko- oder konventionell erzeugten Strom festlegen. (Foto: DAPD)

04.01.2013

Warum Dasing eigenen Strom will

Nicht alle bayerischen Kommunen halten die Bündelausschreibung für vorteilhaft

Das Angebot des Bayerischen Gemeindetags an seine Kommunen klingt verlockend: Sie können sich 2013 an einer EU-weiten Bündelausschreibung für die Stromlieferung beteiligen und so günstigere Strompreise erzielen. Bis Mitte Dezember haben sich nach Auskunft des Gemeindetags 300 Gemeinden dafür entschieden, und etliche sollten noch hinzukommen. Manche Gemeinderäte sind allerdings skeptisch. So hat beispielsweise der Gemeinderat von Dasing (Landkreis Aichach-Friedberg) gerade mit großer Mehrheit beschlossen, den Strombezug nicht aus der Hand zu geben. Die Argumente dürften für den Kommunalen Spitzenverband nicht uninteressant sein.
Die 19 Gemeinderäte von CSU und zwei Wählervereinigungen und ihr Bürgermeister Erich Nagl (Freie Wähler) haben sich die Sache reiflich überlegt. Es gab durchaus Stimmen zu Gunsten der zu erwartenden besseren Konditionen. Für die Räte gab es auch keinen Grund, an der Seriosität der Gemeindetags-Offerte zu zweifeln. In den Augen der meisten überwogen aber die Nachteile deutlich. Dasing hat knapp über 5000 Einwohner und im vergangenen Jahr 980 000 Kilowattstunden verbraucht, vor allem in Schule, Kläranlage und der Freizeitanlage, einer kombinierten Sport- und Veranstaltungsstätte. Drei Viertel ihrer Energie (einschließlich Biogas) stellt die Gemeinde selbst her.


Angst um Versorgungssicherheit


Schon im November, als das Thema erstmals behandelt wurde, gab es Kritik daran, dass die Gemeinde vorab festlegen muss, ob sie Normal- oder Ökostrom will. Erst dann wird ausgeschrieben. Man wünschte sich zwar schon einen günstigen Preis, hätte aber vor allem aus Imagegründen einen Mix aus Öko- und Normalstrom bevorzugt, was die Bündelausschreibung nicht zulässt. „Wir stellen selbst Ökostrom her; da müssen wir auch beim Strombezug ein Zeichen setzen“, sagte Anton Menzinger von den Freien Wählern.
Nach knapp einem Monat Bedenkzeit kam die Mehrheit der Räte zu dem Schluss, dass sie mit dem Gemeindetags-Angebot nicht unbedingt besser fahren. Ausgeschrieben wird für die Jahre 2014 bis 2016 von der Schweriner Firma Kubus, die den Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gehört. Sie ist auf solche Ausschreibungen im Bieterverfahren spezialisiert. Da der Strompreis schwankt, kann es nach Aussage von Klaus Lueg von der Dasinger Bürgersolar GbR günstiger sein, sich für eine kürzere Periode zu binden. Lueg, der sich als Sachverständiger zu Wort meldete, arbeitet unter anderem auch im Arbeitskreis Energie und Umwelt des Landkreises mit. Er bemängelt zudem, dass bei der Kubus-Ausschreibung die Qualität des Stroms keine Rolle spielt. Auch wenn die Gemeinde Ökostrom wählen würde, könnte sie konventionellen Strom erhalten, der durch den Ankauf von Energiezertifikaten „grün gewaschen“ werden kann. Bei einer eigenen Ausschreibung kann sie das dagegen ausschließen.
Zwei Gemeinderäte hatten Bedenken, ob Versorgungssicherheit besteht, falls Dasing ganz auf Ökostrom setzt. Lueg konnte da beruhigen: Der Bezug von Ökostrom bedeute lediglich, dass Ökostrom-anbieter mehr einspeisen dürfen. Das habe keine direkten Auswirkungen auf den Strom, der tatsächlich nach Dasing fließt.
Bürgermeister Nagl konnte sich auch vorstellen, dass sich die Gemeinde für konventionellen Strom entscheidet und den gegebenenfalls im Vergleich zu Ökostrom gesparten Betrag dazu verwendet, eigene Stromspar-Projekte zu finanzieren. Er plädierte jedenfalls dafür, dass die Gemeinde selbst entscheidet, mit welchem Anbieter sie welche Konditionen aushandelt. Sie ist nach seiner Ansicht nicht einmal zu einer europaweiten Ausschreibung verpflichtet (was Kubus und der Gemeindetag gewährleisten). Der Dasinger Strom könne in mehrere Lose aufgeteilt werden, sodass Dasing dann nicht unter die Bedingungen fallen würde. Eine Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen bei der Stromausschreibung wollte Nagl dagegen bei gemeinsamen Interessen nicht ausschließen.
Von 18 Gemeinderäten stimmten schließlich nur drei für das Gemeindetags-Angebot. Dasing hat derzeit einen Vertrag mit der Augsburger Lechwerke AG, einer RWE-Tochter, der am Jahresende 2013 ausläuft. (Andreas Alt)

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Kommentare (1)

  1. SuperHorsti am 08.01.2015
    Wenn man den Bayern die Fettleibigkeit austreiben will so muß man bei den Kindern in der Schule beginnen. Warum wurden eigentlich die Sportstunden von ehemals vier auf zwei in den 90er Jahren zusammengestrichen?

    Wie so vieles kann man das nur über den Geldbeutel regeln. Die U-Untersuchungen sollten verpflichtend werden oder gar kollektiv ab Einschulung von einem Schularzt durchgeführt werden.

    Wenn Kinder zu fett sind, rauchen oder trinken dann soll das Kindergeld um 25% gekürzt werden.
    Und schon werden die Eltern ihren Zöglingen den Marsch blasen!

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