Kommunales

Brennendes Holz in einem Biomasseheizwerk, aufgenommen durch ein Sichtfenster. (Foto: DAPD)

03.12.2010

Biomasseheizwerk erhitzt Gemüter

Ein einstiges bayerisches Vorzeigeprojekt in Viehhausen spaltet inzwischen die Gemeinde

Einst war es ein Vorzeigeobjekt: Das Biomasseheizwerk in Viehhausen, Gemeinde Sinzing, Landkreis Regensburg, war eines der ersten seiner Art in Bayern. Vor gut 15 Jahren gegründet, galt das vom Freistaat geförderte Werk damals als innovativer Schritt von Landwirten, Bürgern und Gemeinde in Richtung umweltfreundliche Energien. Dann kamen die Preiserhöhungen und somit der Streit. 50 bis 70 Prozent Mehrkosten verärgerten viele Nutzer massiv.
Erklären lassen sich die explodierenden Kosten durch ein Hintertürchen im Vertrag. Der Betreiber könne seine Preise in Koppelung an die aktuellen Ölpreise erhöhen, heißt es dort. Lange Zeit wurde das nicht getan, dann aber plötzlich auf drastische Weise. Nicht einheitliche Verträge heizten die Stimmung bei den Kunden zudem auf. Vor Gericht wurde die Preisgleitklausel nun als ungültig erklärt, von Seiten des Heizwerks versucht man einen kundenfreundlichen Neustart. Dennoch sagt Bürgermeister Patrick Grossmann (CSU): „Die Fronten sind verhärtet.“
Mehr als drei Jahre hält der Streit zwischen dem Biomasseheizwerk Viehhausen und seinen Kunden nun an. Ein Ausnahmefall, wie Fachleute aus dem Bereich Energie beteuern. „Eigentlich handelt es sich dabei um eine recht sinnvolle Heizungsform“, sagt Stefan Murza von der Energieagentur Regensburg über die mit Hackschnitzeln betriebenen Heizkraftwerke. Probleme gebe es sonst allenfalls bei extrem großen Anlagen. Auch beim Centralen Agrar-Rohstoff-Marketing- und Entwicklungsnetzwerk (C.A.R.M.E.N.) kennt man keinen vergleichbar „massiven“ Fall wie den in Viehhausen.
Mehr als 1000 derartige Anlagen werden derzeit in Bayern gefördert, in der Regel ohne Probleme. Beim einstigen Pilotprojekt Viehhausen würde man heute freilich einiges anders machen, so die Erkenntnis nach jahrelanger Erfahrung. Die teils überdurchschnittlich langen Leitungen, die zu den rund 120 Anschließern führen, gelten heute als „unglückliche Versorgungsstruktur“. Außerdem werden die Durchschnittspreise bei der Energieversorgung mittlerweile klar überschritten.
Wer die Schuld an der Misere habe, könne man nicht sagen, so das Urteil der Experten. Ein Hauptproblem in Viehhausen ist: Es menschelt gewaltig in dem 1500-Seelen-Dorf. Zwei feindliche Lager stehen sich hier gegenüber. Das eine davon ist das „Bündnis Biowerk in Viehhausen e.V“ die Interessengruppe der Kunden. Das andere sind die Betreiber, 14 örtliche Landwirte. Dass Letztere teils selbst das Holz für ihr Werk anliefern, trägt nicht gerade zur Schlichtung des Konflikts bei. Die Kunden misstrauen den Betreibern und somit auch den neuen Verträgen.


Suche nach Schuldigen


Von unabhängiger Seite wurde ein neuer Ausgangspreis ermittelt, der auf der Gewinn- und Verlust-rechnung des Unternehmens basiert. „Wir bekennen uns grundsätzlich zu dieser Form von Energiegewinnung“, hält der Bürgermeister fest. Im Gemeinderat habe man nicht das Gefühl, dass Misswirtschaft betrieben werde. „Regenerative Energie bedeutet eben nicht gleichzeitig den günstigsten Preis“, mahnt der Rathauschef. Die Gemeinde ist eng in die Sache involviert – und das nicht nur als Nutzer der Biowärme in der Grundschule und der Mehrzweckhalle: Als in den vergangenen Jahren ein Neubaugebiet ausgewiesen wurde, war der Anschluss an das Heizwerk für die Neubürger verpflichtend. Mittlerweile wurde den Kunden von Seiten der Betreiber ein vorzeitiger Ausstieg aus den Verträgen angeboten. Doch ein Umstieg auf einen anderen Heizversorger wäre für viele mit immensen Kosten verbunden. „Momentan sieht es nicht so aus, als gebe es eine Einigung“, so die Ansicht des Bürgermeisters. „Das müssen jetzt wohl die Gerichte klären.“ (Susanne Wolke)

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