Kommunales

Hundedame „Biene“ ist ordnungsgemäß registriert. (Foto: Bäumel)

25.03.2011

Fiskus verbeißt sich in Hundesteuer

Mit Tricks und Kniffen wollen die Kommunen unangemeldete Vierbeiner aufspüren

„Bello, Aus!“ – Dieses Kommando mag so mancher Hundehalter derzeit besonders intensiv seinem Vierbeiner antrainieren. Der Grund: In einigen Kommunen in Deutschland sind Kontrolltrupps unterwegs, ausgesandt von der Stadtverwaltung. Ihre Mission: Hunde aufzuspüren, die nicht ordnungsgemäß gemeldet sind und deren Herrchen oder Frauchen somit auch keine Hundesteuer bezahlen.
Die Kommunen werden kreativ: In Köln wird dafür von den Kontrolleuren sogar schon mal eine kräftige Hundestimme im Treppenhaus imitiert: In der Hoffnung, dass der Vierbeiner hinter der Wohnungstür lautstark antwortet und so sein nicht steuerwilliges Herrchen entlarvt. In Stuttgart wurde eine private „Hundebestandsaufnahme“ engagiert – mit Erfolg, die Anzahl der neu gemeldeten Hunde pro Jahr steigt stark an. Auch in Weimar ist bis Ende März ein Kontrolltrupp unterwegs.
In Bayern hat man das Problem erkannt, sieht es aber nicht so, nun ja, verbissen wie die Preußen. „Ja, wir haben ein offenes Auge auf mögliche Hundehalter, die sich vor der Steuer drücken“, informiert Christian Ketterle, Sprecher der Stadtkämmerei München. Allerdings könne man nicht beziffern, wann und wie´viele Kontrolleure unterwegs seien: „Unsere Angestellten, die ohnehin gerade im Außendienst unterwegs sind, erledigen dies mit.“ Auf Methoden wie in Köln werde dabei aber nicht zurückgegriffen. Vielmehr steuern die Steuerfahnder die Parks an, in denen Münchens Hunde Gassi gehen. „Sie fragen dann dort nach der Hundemarke.“ Führt der Zweibeiner diese an Bellos Halsband mit, ist alles okay. Falls nicht, wird überprüft, ob er diese nur vergessen hat und seine Steuer brav zahlt. Ist er ein „Hundesteuerverweigerer“, wird ein Bußgeld fällig. „Wir erachten diese Kontrollen als sehr wichtig“, so Ketterle.
Zwar rentiere es sich aus finanziellen Gesichtspunkten nicht unbedingt. Denn nur rund drei Prozent der überprüften Hunde sind „illegal“, insgesamt wurden 2010 etwa 160 „Schwarzhunde“ erwischt. Aber es fördere die Ehrlichkeit der Hundehalter, ist man in der Kämmerei der Landeshauptstadt überzeugt. „Wenn diese Leute wissen, dass Kontrollen erfolgen, dann melden sie ihre Tiere eher an“, hofft der Behördensprecher.


Gebührenerhöhungen


In München ist die Hundesteuer zum 1. Januar erhöht worden. Über 20 Jahre lang betrug sie 76,80 Euro pro Hund. Nun sind es 100 Euro. Auch in Straubing muss der Hundehalter seit Januar tiefer in die Tasche greifen: 50 Euro statt bislang 42 werden fällig. Allerdings gibt es in der Gäubodenstadt weder bellende Stadtbedienstete noch Park-Kontrolleure: „Wir setzen auf die Ehrlichkeit der Bürger“, sagt Roman Preis. Jährlich fließen durch die Hundesteuer rund 72 000 Euro in die Kassen der Stadt, bilanziert Straubings Kämmerer. Ab heuer sollen es, bedingt durch die Erhöhung, rund 86 000 Euro sein – bei gleichbleibender Anzahl der Hunde, nämlich rund 1700.
In Nürnberg wird derzeit zwar ebenfalls nicht kontrolliert, allerdings beauftragte die Stadt bereits 2005 schon einmal eine externe Firma, die mögliche Hundehalter zu Hause überprüften. „Rund zehn Prozent der Hunde waren nicht gemeldet, hat sich dabei ergeben“, bilanziert Michael Nußbeck vom Kassen- und Steueramt.
Als die Stadt Augsburg im Jahre 2005 begonnen hat, Hundehalter zu checken und nach der Steuermarke zu befragen, sei anfangs die Zahl der neu angemeldeten Vierbeiner sprunghaft angestiegen, erinnert sich Gerhard Paar, stellvertretender Leiter des Verkehrsüberwachungs- und Ordnungsdienstes. In Augsburg werde die Kontrolle vom Ordnungsdienst übernommen, der sich einerseits die Marke zeigen lasse, auf der anderen Seite aber auch Personalien von Hundehaltern aufnehme und überprüfe, ob ihre vierbeinigen Begleiter auch angemeldet sind. „Ich denke, das ist ein psychologischer Effekt“, glaubt der Stadtbedienstete. „Wenn die Hundehalter wissen, dass sie kontrolliert werden, dann zahlen sie vorsichtshalber.“


Tipps vom lieben Nachbarn


In den kleineren Städten sind Überprüfungen eher selten. Hier setzt man darauf, die Hundehalter zu kennen und im Blick zu haben. In Günzburg sei zum Beispiel noch nie kontrolliert worden. Dies sei in einer Stadt dieser Größenordnung nicht zwingend notwendig, glaubt Reiner Hartmann, Leiter der Steuerverwaltung. „Hin und wieder erhalten wir einen Tipp von Nachbarn, dass ein Hund nicht angemeldet worden ist. Dem gehen wir natürlich nach. Bei uns hat man noch einen ganz guten Überblick, wer einen Hund hat und wer nicht.“
(Melanie Bäumel)

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