Kommunales

Ist die Förderung erschöpft, muss man eventuell Jahrhunderte bis zur erneuten Nutzung warten. (Foto: BSZ)

22.01.2010

Gemeinden sind heiß auf Geothermie

Erdwärme entwickelt sich in Südbayern zur Energiequelle der Zukunft – hat aber nicht nur Vorteile

Wer hat sie nicht beim Lesen auf ihrem abenteuerlichen Weg ins Erdinnere begleitet: Den ungeduldigen Professor Lidenbrock, seinen ängstlichen Gehilfen Axel und ihren eifrigen Tourguide. Die Reise begann im Krater eines isländischen Vulkans und führte sie zu riesenhaften Pilzen, längst ausgestorbenen Dinosauriern und einem unterirdischen Ozean. In München hat sich jetzt ein Informationsforum mit Jules Vernes phantastischem Roman Die Reise zum Mittelpunkt der Erde beschäftigt – im erweiterten Sinn zumindest. Das Thema der vom TÜV-Süd organisierten Veranstaltung lautete Tiefengeothermie, also Wärmegewinnung aus der Erde.
Weit über 70 Interessierte lauschten den Referenten, die über Chancen und Risiken, Planung und Umsetzung und den Betrieb von Geothermie-Projekten sprachen. Eine beträchtliche Anzahl, wenn man bedenkt, dass die Nutzung von tiefer Erdwärme in Deutschland noch in den Anfängen steckt, was eine kleine Rechnung verdeutlicht: Herkömmliche Energien wie Öl oder Kohle deckten 2008 fast 93 Prozent des Wärmebedarfs ab. Die restlichen sieben Prozent übernahmen erneuerbare Energien, die Erdwärme trug jedoch nur einen Bruchteil dazu bei. Doch obwohl die Technik zur Erdwärmegewinnung noch nicht ausgereift ist und die Investitionen sehr hoch sind, entwickelt sich die Tiefen-Geothermie zu einer wichtigen Energie der Zukunft – vor allem in Bayern. Denn das Molassebecken des bayerischen Voralpenlandes zwischen Ulm, Passau, Rosenheim und Kempten gilt als besonders günstige Region für Erdwärme-Projekte. Unter ihm befinden sich die vermutlich größten Warmwasser-Vorkommen Mitteleuropas. In Südbayern sind 40 Erdwärme-Kraftwerke in Planung, das Investitionsvolumen beläuft sich auf sechs bis neun Milliarden Euro. Im Großraum München sollen die bestehenden drei Anlagen bis 2030 auf 20 Kraftwerke ausgebaut werden. Sie sollen bis zum Jahr 2030 ein Drittel des Wärme-Energiebedarfs von München decken.
Auch Bürgermeister Jürgen Seifert (parteilos) möchte seine Gemeinde Prien am Chiemsee gern mit Erdwärme versorgen. Sie gilt als CO2-neutral und eignet sich sowohl zur Wärme- als auch zur Stromerzeugung. Die Vorkommen sollen fast unerschöpflich sein. Zudem bekommen Investoren vom Bund über das Erneuerbare-Energien-Gesetz bis zu 23 Cent für jede eingespeiste Kilowattstunde, neben Anreizen durch die Bundesländer und die EU. „Wir suchen einen Investor, der mit uns dieses Projekt stemmt“, sagt Seifert, für den das Netzwerken in den Pausen des Münchner Informationsforums sehr wichtig ist. „Wenn wir in Prien einen Bohrplatz haben und ausreichend Erdwärme finden, könnten wir sie für unsere Gemeinde bald verstromen.“ (Sebastian Winter)

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