Kommunales

Kiosk-Besitzer Klaus Schindler und seine Frau Ute verkaufen am Nürnberger U-Bahnhof Rathenauplatz Fahrscheine für die VAG – damit zählen sie zu den letzten ihrer Art in der Frankenmetropole. (Foto: Pelke)

20.02.2015

"Nur noch ein Service für die Kunden"

Der Fahrscheinverkauf im Kiosk rechnet sich ökonomisch nicht mehr – vor allem wegen der neuen Automaten

Die Tür zu dem kleinen bunten Laden geht ständig auf und zu. Menschen kaufen sich eine Zeitung und einen Fahrscheine für Bus, Tram oder U-Bahn. „Mit dem Fahrkarten-Verkauf kann ich nicht mal mehr den Strom bezahlen“, sagt Kiosk-Besitzer Klaus Schindler vom U-Bahnhof Rathenauplatz in Nürnberg. Pro Ticket bekomme er nur eine kleine Provision von den städtischen Verkehrsbetrieben, genau 1,8 Prozent des Ticket-Preises erhalte er pro Fahrschein. „Die Fahrscheine habe ich nur noch als Service für meine Kunden im Angebot“, sagt der Mann hinter dem Tresen des kleinen Ladens und verkauft einer Frau eine Zeitung und einen Lotto-Schein. Freilich habe er die Hoffnung, mit dem Fahrkarten-Angebot mehr Kunden in seinen Kiosk zu locken. Ein Stammkunde nickt und sagt, hier könne man immer ein kleines Schwätzchen halten.

Niedergang begann schon vor 20 Jahren


Mit dem größten Konkurrenten für die privaten Verkaufsstellen kann man sich zwar nicht über Fußball und das Wetter unterhalten. Dafür steht er praktisch gleich vor der Tür des kleinen Ladens. Und das rund um die Uhr. So wie Klaus Schindler vom Rathenauplatz geht es vielen Kiosk-Besitzern in der Stadt. Den Niedergang der privaten Verkaufsstellen erlebt Stefanie Warnken seit 20 Jahren hautnah mit. „Das ist natürlich ein emotionales Thema“, gibt Warnken zu, die für die städtische Verkehrs-Aktien-Gesellschaft (VAG) die operative Verkaufsplanung leitet. Schließlich seien die kleinen Geschäfte „ein Stück Heimat“. Vor zehn Jahren gab es noch 100 private Verkaufsstellen im Nürnberger Stadtgebiet. Heute sind nur noch 60 davon übrig geblieben. Mittlerweile scheinen sich die Menschen aber an das Kiosk-Sterben gewöhnt zu haben. „Die Gemüter beruhigen sich heute relativ schnell, wenn man Alternativen anbieten kann“, sagt Warnken.
An die Stelle des alten Kiosks tritt heute der Automat. Die meisten Läden mit Ticket-Verkauf gibt es noch in der Innenstadt und in den eher ländlichen Randgebieten des Verkehrsnetzes. Auch wenn die Menschen den Untergang der Kioske bedauern: Umfragen der VAG hätten ergeben, dass die Mehrheit der Kunden den Ticket-Automaten gerne nutzen, erläutert Warnken. „Wir beobachten unsere Fahrgäste genau. Der Kunde will heute sein Ticket schnell kaufen – und das unabhängig von den Ladenöffnungszeiten“, so die Verkaufsplanerin. Im Jahr 2006 seien in Nürnberg erstmals mehr Fahrkarten an Automaten verkauft worden als von Hand. Aktuell sei der Fahrkartenumsatz in Ticket-Shops schon auf unter zehn Prozent geschrumpft.
Paradox: Aber auch die Zahl der Automaten ist in diesem Zeitraum von 233 auf 174 zurückgegangen. Allerdings seien die Automaten heute viel einfacher zu bedienen und damit leistungsfähiger, gibt Warnken zu Bedenken. Der Kunde könne seinen Fahrschein heute beispielsweise bargeldlos mit EC- oder Kreditkarte lösen. Auch das passende Kleingeld müsse er nicht mehr im Portemonnaie haben. „Die Automaten nehmen alle Scheine an.“

Inzwischen boomt Online


Die Entwicklung bleibt freilich nicht beim Automaten stehen. „Wir setzen immer mehr auf den Online-Verkauf und das Handy-Ticket“, sagt Stefanie Warnken. Die Zukunft bringe weitere Innovationen, ist sich die Expertin sicher. Die Internet-Verkäufe steigen seit der Einführung im Jahr 2003 kontinuierlich und werden wohl bald die Fünf-Prozent-Marke am Umsatzanteil knacken. Die meisten Kunden müssen sich freilich nicht für jede Fahrt ein neues Ticket besorgen. 45 Prozent entscheiden sich für Wochen-, Monats- oder Jahreskarten. Obwohl sich die Verkaufskanäle stetig ändern: Die Schwarzfahrerquote liege seit Jahren konstant bei einem Prozent.
In anderen bayerischen Städten haben die Automaten den Kiosk noch nicht überholt. Im Gebiet des Regensburger Verkehrsverbunds (RVV) etwa stehen 140 Vorverkaufsstellen 20 Automaten gegenüber. „In naher Zukunft werden wir als weiteren Vertriebskanal den Online-Kauf von Tickets einführen, da sich dieses Verfahren zunehmend durchsetzt“, kündigt RVV-Geschäftsführer Frank Steinwede an. (Nikolas Pelke)

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