Kommunales

Hannes Neubauers Riesenskulptur "Indikator", zu sehen auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth. (Foto: Fuchs)

05.04.2013

Ökologisch, ästhetisch, gigantisch

Das Projekt "energy-in-art" soll in der Bioenergieregion Bayreuth moderne Kunst und alternative Stromerzeugung zusammenbringen

Uns war schon klar, dass wir etwas ganz Besonderes bieten müssen“, sagt Bernd Rothammel, Regionalmanager der Bioenergieregion Bayreuth. Mit dem Projekt „energy-in-art“ sei es gelungen, zwei Welten, die auf den ersten Blick so rein gar nichts miteinander zu haben, zusammenzubringen: alternative Energieerzeugung und Kunst.
Knapp vier Jahre nach ihrem Start ist die Bioenergieregion Bayreuth auf dem besten Weg. Mit dem Indikator steht die erste Großskulptur, zwei weitere Kunstwerke sollen in den kommenden Monaten enthüllt werden und viele andere Projekte sind bereits auf den Weg gebracht. Sinn und Zweck des Projekts ist es, die Energiewende und das Thema Bioenergie nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch neu zu interpretieren. Damit soll die öffentliche Diskussion angeregt und der Fokus auf konkrete Forschungs- und Modellvorhaben der Bioenergieregion Bayreuth gelenkt werden.
Die Bioenergieregion wird seit 2009 als eine von 21 Modellregionen in Deutschland mit Mitteln des Bundeslandwirtschaftsministeriums gefördert. Zu ihr gehören die Stadt und der Landkreis Bayreuth sowie Teile des Landkreises Forchheim. „Wir wollen vor allem die Bürger in unsere Projekte einbinden“, sagt Rothammel – wohl wissend, dass nicht jeder mit einer Kunstperformance auch wirklich etwas anfangen kann. Der Regionalmanager gesteht aber auch offen, dass er zunächst viel mehr kritische Stimmen erwartet hätte. Liegt es vielleicht daran, dass gar keine echte Provokation dabei war? Wenn die geschaffenen Kunstwerke kaum Kontroversen hervorrufen, dann könnte es aber auch daran liegen, dass in die entsprechende Jury auch immer die Grundstückseigentümer mit eingebunden waren.

Bürgermeister sind begeistert


Dazu gehört beispielsweise der Bezirk Oberfranken, Träger der Landwirtschaftlichen Lehranstalten. Dort, auf einer Rinderweide am südlichen Bayreuther Stadtrand und in Sichtweite von zahlreichen Hochhäusern, wurde der Indikator des Künstlers Hannes Neubauer errichtet. Mit einer durchschnittlichen Höhe von acht Metern stelle er nicht nur eine Landmarke dar, sondern „nimmt auch eine Vermittlerrolle ein, indem es den Standort als Schnittstelle zwischen städtischen und ländlichen Raum begreifbar macht“, so der Künstler. Durch eine rotierende Bewegung folgt die Installation der Sonne und vollzieht zugleich eine Wende, die symbolisch für die Energiewende steht. Der notwendige solarbetriebene Mechanismus ist nach dem gleichen Prinzip ausgeführt, wie bei automatisch nachgeführten Solaranlagen. Der aus Pegnitz im Landkreis Bayreuth stammende Künstler ist unter anderem Träger der Auszeichnung „Kultur-und-Kreativ-Pilot Deutschland“ und des Bundespreises 2012 für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk. Ein Werk von ihm steht sogar in Kolumbien (Coffee-Bean).
Überhaupt sind es die internationalen Einladungen und Kontakte, die den Machern der Bioenergieregion zeigen, dass sie auf dem richtigen Weg sind. In Brüssel habe man sich schon präsentiert, aus Korea kommt in diesen Tagen eine 40-köpfige Delegation, denen Bernd Rothammel das Projekt einen ganzen Nachmittag näher bringen will. Bereits im Mai soll in Mehlmeisel (Landkreis Bayreuth) der Holzmantel des Berliner Künstlers Maik Scheermann als weiteres wegweisendes Werk enthüllt werden. Vor dem dortigen Umweltbildungszentrum, dem Waldhaus, wird eine riesige Kugel aus stilisierten Ästen auf forstwirtschaftliche Bedeutung des Fichtelgebirges hinweisen. Im Juli wird dann im ebenfalls im Landkreis Bayreuth gelegenen Wirbenz die Photosymbiose von David Mannstein und Maria Vill enthüllt. Dabei handelt es sich um eine neun Meter hohe Aluminiumskulptur, die ein überdimensionales Spitzwegerichblatt darstellt und auf der poetische Texte zu den Themen Sonne und Natur ablaufen sollen.
Tatsächlich loben die Mandatsträger in der Region das Projekt energy-in-art ausnahmslos. Bayreuths 2. Bürgermeister Thomas Ebersberger (CSU) nennt den Indikator ein „außergewöhnliches Werk, das Ästhetik und innovative Technik“ verbinde und künstlerisch sowohl die Stadt-Land-Partnerschaft als auch die Energiewende thematisiere. Das gesamte Projekt mache die Bioenergieregion Bayreuth einmalig, so Landrat Hermann Hübner (CSU). Die Sicht der Künstler sollte für den Betrachter Anlass sein, unvoreingenommen und inspiriert nach neuen Lösungen für aktuelle Problemstellungen zu suchen. Stolz, dass ihre Gemeinden als Standorte für weitere Kunstwerke ausgewählt wurden, sind auch die Bürgermeister Günter Pöllmann (CSU) aus Mehlmeisel und Manfred Porsch (Freie Wähler) aus Speichersdorf. Während die Holznutzung in Mehlmeisel eine jahrhundertelange Tradition habe, nehme Speichersdorf mit Windrädern der allerersten Generation in Sachen regenerativer Energien eine gewisse Vorreiterrolle ein.
Neben den Skulpturen bietet die Bioenergieregion verschiedene Workshops an, in denen es um erneuerbare Energien und deren umweltverträglichen Ausbau geht. Angesprochen sollen sich dabei alle fühlen, die sich für die Zukunft unseres Planeten interessieren. Daneben gibt es ein Lyrik-Projekt, einen Fotowettbewerb und verschiedene Aktionen für Kinder und Jugendliche.
Die Bioenergieregion Bayreuth hat einen Drei-Jahres-Etat von rund 250 000 Euro. Fördermittel kommen vom bayerischen und vom Bundeslandwirtschaftsministerium, dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER), der Oberfrankenstiftung, der Bayerischen Sparkassenstiftung, der Stadt und dem Landkreis Bayreuth sowie von E.ON Bayern.
(Stephan Herbert Fuchs)
www.energy-in-art.de

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