Kommunales

Der Asiatische Laubholzbockkäfer zählt zu den Quarantäneschädlingen. Eingeschleppt in Verpackungshölzern, wurde er 2004 das erste Mal in Bayern beobachtet. (Foto: Schön)

23.04.2010

Riskante Einwanderer

Durch Klimawandel und globalen Handel machen sich in Bayerns Natur immer mehr neue Tier- und Pflanzenarten breit

In Bayern gibt es etwa 400 eingebürgerte Pflanzen- und ungefähr 1100 eingebürgerte Tierarten. Sie werden vor allem durch den globalisierten Handel eingeschleppt. Auch der Temperaturanstieg im Zuge der Klimaerwärmung macht es wärmeliebenden neuen Arten möglich, sich bei uns dauerhaft anzusiedeln.
Aber nicht jede dieser Arten bedroht unsere heimische Natur. So gelten derzeit etwa nur 5 Prozent der gebietsfremden Tierarten in Deutschland als invasiv. 264 Arten gelten als etabliert, davon allein schon 115 Arten aus der Gruppe der Insekten. Von diesen etablierten Arten sind nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) nur etwa 5 Prozent invasiv. Unter invasiven Arten sind solche Neobiota (Arten, die nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahr 1492 absichtlich oder unabsichtlich nach Europa kamen) zu verstehen, die unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope haben und auch oft ökonomische Probleme verursachen.
Biologische Invasionen sind zurzeit innerhalb des Naturschutzes und auch in der Öffentlichkeit ein viel beachtetes Thema. Die Vereinten Nationen haben die Bedeutung der invasiven exotischen Arten für die biologische Vielfalt bereits in der Biodiversitäts-Konvention erkannt. Viele Beispiele aus der gesamten Welt zeigen den negativen Einfluss, den eingeführte Arten auf die heimischen Tiere und Pflanzen ausüben können. Auf den Galapagosinseln beispielsweise bedrohen eingeschleppte Hunde, Katzen, Ratten und Ziegen die dortige einmalige Flora und Fauna. Auf Hawaii starb seit der Entdeckung bereits ein Drittel der einheimischen Vogelarten aus, auch unter Mitwirkung eingeschleppter Arten. In Mitteleuropa muss man die ökologische Gefährdung allerdings anders einschätzen. Hier konnte noch kein Fall nachgewiesen werden, dass eine einheimische Tier- oder Pflanzenart durch eine eingeschleppte Art ausgerottet wurde. Es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass dies bereits erfolgte oder noch geschehen wird.
In der bayerischen Forstwirtschaft sind viele Bereiche, vor allem aber der Waldschutz, durch eingeschleppte Arten betroffen. „Ulmensterben“ und Strobenrost sind schon ältere Beispiele für Pilzkrankheiten, die erst durch den Menschen zu uns gelangten und große Schäden an Waldbäumen verursachen. Aber auch Jagd und Wildökologie sind vom Thema „Neue Arten“ betroffen, denn einige unserer Wildarten wie Dam- und Muffelwild, Fasan und Kaninchen, aber auch Waschbär, Marderhund und Mink zählen zu den Neozoen.
Die fünf häufigsten neuen Pflanzenarten im Wald zählen zur Gruppe der einjährigen Arten, obwohl diese Lebensform unter den heimischen Waldpflanzen eher selten ist. Die beiden erfolgreichsten gehören zur Gattung Springkraut. Glasige, wasserreiche Sprosse, gespornte Blüten und gespannte Kapseln, die die reifen Samen mehrere Meter weit ausschleudern, zeichnen diese Gattung aus.
Seit über 150 Jahren vollständig eingebürgert ist das aus Ostsibirien stammende Kleinblütige Springkraut. Sein großes Geschwister aus dem Himalaya, das Indische Springkraut, breitete sich vor allem entlang von Fließgewässern aus und ist in den letzten Jahren bis in die Wälder vorgedrungen. Die übrigen einjährigen neuen Pflanzenarten haben aufgrund ihrer fehlenden Schattentoleranz nur geringe Chancen, sich in geschlossenen Wäldern festzusetzen. Zu dieser Gruppe gehören das Kanadische Berufkraut, das Bewimperte Weidenröschen, der Aufrechte und der Hornfrüchtige Sauerklee, das Kleinblütige Franzosenkraut, der Persische Ehrenpreis, das Einjährige Berufkraut sowie der Pyrenäen-Storchschnabel.

(Olaf Schmidt)

Der Autor leitet die bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaf

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