Kommunales

12.07.2013

Single-Mamas willkommen

Die Münchner Genossenschaft FrauenWohnen ist das bundesweit einzige Projekt dieser Art

Alleinerziehende Mutter, drei Kinder, sucht Wohnung in der Münchner Innenstadt. Da gibt es keine Angebote. Auf dem freien Wohnungsmarkt bedeuten Kinder oft das Aus – doch bei FrauenWohnen e.G. – der bundesweit einzigen Wohn- und Baugenossenschaft nur für Frauen – werden solche Mütter mit offenen Armen empfangen.

Das Unternehmen in der Landeshauptstadt schließt damit eine Lücke auf dem Wohnungsmarkt, richtet sich in erster Linie an Alleinstehende, Frührentnerinnen mit geringem Einkommen und eben an Alleinerziehende.
Sabina Prommersberger, die Vorsitzende der Genossenschaft, hat in ihrem Büro in Riem schon viele Schicksale erlebt: Frauen, die häusliche Gewalt erlebt haben, Frauen, die nach einer Trennung mit den Kindern auf der Straße landeten oder Rentnerinnen, die plötzlich ihre Miete nicht mehr zahlen konnten. Und alle kamen in der gleichen Hoffnung: endlich einen bezahlbaren Wohnraum zu finden. Das Konzept des genossenschaftlichen Wohnens macht es möglich.
„Anders als auf dem freien Wohnungsmarkt stagnieren im schlimmsten Fall bei diesem Konzept die Mieten. Je mehr Wohnungen entstehen, desto besser verteilen sich die Kosten, und desto geringer werden die Ausgaben für den Einzelnen. Es finden also keine Mieterhöhungen statt.“ Was vor allem Frauen im Rentenalter anspricht, denn ihre Renten wachsen nicht mit den Mieten mit.  Carola Preßler kennt dieses Problem. Sie ist Frührentnerin und wird im Herbst aus ihrer Mietwohnung in Haidhausen in den Neubau der FrauenWohnen e.G. im Westend umziehen. Auf der Baustelle ist sie oft zu Gast, schaut sich die Fortschritte an, bringt sich mit eigenen Ideen ein in die Gestaltung ihrer neuen Wohnung und knüpft schon mal Kontakt zu den anderen Mit-Frauen, die die Wohnanlage im Herbst beziehen werden. „Ich wohne schon seit 1986 in Haidhausen, sechster Stock Altbau, gefühlter achter Stock. Ich kann die Miete nicht mehr zahlen, ich bin Frührentnerin, alleinstehend, da ist niemand, der auffangen könnte“, erklärt sie.


Neue Anlage wird im Herbst 2015 fertig


Finanzieller Druck als Entscheidung also? Mitunter, denn Carola Preßler verbindet viel mehr mit dem Umzug: die Hoffnung, auch im Alter unter idealen Umständen zu wohnen: „Eine Nachbarin wurde mit 87 richtig krank und kam gar nicht mehr raus. Da hab ich mir gedacht, du musst irgendwie sehen, dass du noch früh genug aus dieser Wohnung kommst“, erinnert sie sich. Als sie 2008 von FrauenWohnen hörte, war sie sich sicher, jetzt oder nie: „Barrierefrei, bezahlbarer Wohnraum, Förderung, kann bleiben, zahlt Kredit ab, ohne sich zu verschulden... Balkon! Das ist es,“ lacht sie. Und wird dann wieder ernst: „Mit 51 ist ein Umzug und sich ein neues Umfeld aufzubauen noch möglich, mit 70 wird das schwieriger.“
Seit ihrer offiziellen Gründung 1998 wächst die Genossenschaft stetig. Im Herbst dieses Jahres wird die neue Wohnanlage im Westend fertiggestellt, 2015 sind die Wohnungen in Schwabing bezugsfertig. Neue Projekte stehen auch schon an: Die Frauen liebäugeln mit einer zweiten Anlage in Riem und auf dem Paulanergelände. „Die Mietpreise sind mit ein Grund, warum wir hier in München so eine junge, gut funktionierende Genossenschaftslandschaft haben. Zwar sind die Grundstücke teuer, aber die Nachfrage ist auch da“, erklärt Sabina Prommersberger.
Die Zukunft sieht also vielversprechend aus, doch wird auch die Nachfrage nach reinen Wohnräumen für Frauen bleiben? Ja, meint Sabina Prommersberger. Was bei der Gründung galt, gilt auch noch heute, sagt sie: „Was uns so attraktiv macht, ist, dass ausschließlich Frauen Vertragspartner sind. Dadurch haben sie einen sicheren Wohnraum, falls es zur Trennung kommt. Aber auch eine Wohnanlage, die ganz auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist und bei der sie mitbestimmen können. Und ein Umfeld natürlich, in dem sie sich wohlfühlen.“ (Maria Romanska)

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