Kommunales

Böse Überraschung: Die Stromrechnung lässt vor allem arme Menschen oft schier verzweifeln. (Foto: Bilderbox)

04.06.2010

Stadtwerke drehen den Saft ab

Immer mehr Menschen in Bayern können oder wollen ihre Stromrechnungen nicht bezahlen

Von 1000 Stromkunden in Bayern können im Durchschnitt fünf ihre Stromrechnung nicht zahlen. Die Folge: Der „Saft“ wird abgedreht. „Nicht selten sind Hartz-IV-Empfänger betroffen“, sagt Bettina Hess von den Stadtwerken München: „Wobei es falsch wäre, die Problematik auf diese Menschen einzugrenzen.“ Auch Arbeitnehmer mit mit kleinem Einkommen geraten nach ihren Worten immer leichter in Zahlungsverzug.
Bedrohlich wird die Situation immer dann, wenn die Nachzahlungsrechnung ins Haus flattert und zugleich die normale Stromrechung beglichen werden muss. „Viele Menschen sind nicht mehr in der Lage, die Abrechnung und gleichzeitige Zahlung der Monatspauschale zu finanzieren. Mit diesem Problem kommen sie zu uns“, erläutert Adelheid Maskow von der Sozialberatung der Caritas in Aschaffenburg. Maskow versucht dann, mit der Aschaffenburger Versorgungs-GmbH eine Ratenzahlung auszuhandeln. Ist der Strom bereits gesperrt, wird bei den Sozialverwaltungen ein Darlehen zur Begleichung der Stromschulden beantragt.
Die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV), die 160 000 Stromkunden bedient, drehte im vergangenen Jahr rund 800 Bürgern den Strom ab. Und die Zahl der Sperraufträge lag sogar um mehr als das Fünffache höher. Auch in kleineren Orten wie Bad Neustadt liegen die Zahlen ähnlich.
Weil immer mehr Stromkunden in finanzielle Bedrängnis geraten, vereinbarte die Münchner SWM schon 2005 mit dem Sozialreferat der Landeshauptstadt ein Kooperationsverfahren zur Vermeidung und Behebung von Stromsperren. Ende 2006 wurden auch die Wohlfahrtsverbände einbezogen. Besonders hilfebedürftige Personen erhalten laut Pressesprecherin Bettina Hess seither „einzelfallbezogen unbürokratische Unterstützung“, um zu verhindern, dass sie von der Energieversorgung abgeschnitten werden.
Unbezahlbare Stromrechungen bedrücken ebenso sozial Schwache in Augsburg. Wobei diese Leute auch in der Fuggerstadt keineswegs die einzigen sind, die mit ihren Zahlungen in Verzug geraten. In den vergangenen 20 Jahren haben sich die entsprechenden Forderungen der Stadtwerke verdoppelt. 500 Stromkunden der Augsburger Stadtwerke waren im Jahr 2009 zeitweise nicht mehr in der Lage, elektrische Geräte einzustöpseln. Angedroht wurden rund 12 000 Sperrungen, 25 000 Mal wurden Stundungen oder Ratenzahlungen vereinbart.

(Pat Christ)

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