Kommunales

Viele Schulen melden ein nachlassendes Interesse der Kinder an den alljährlichen Ski-Lagern. Dabei, so Wissenschaftler, hülfe die Teilnahme auch später beim Lernen. (Foto: dpa)

29.01.2016

Warum Skifahren auch für die Schule gut ist

Wintersport soll in Bayern wieder populärer werden – die Branche hat vor allem die Kinder im Visier

Der Wintersport im Freistaat steckt gleich doppelt in der Krise: Zum einen bringt der Klimawandel weniger Schnee, zum anderen zeigen vor allem Kinder weniger Interesse. Touristiker planen jetzt eine groß angelegte Gegen-Offensive.

Es muss etwas getan werden für den Wintersport in Bayern. Das war die Ursprungsidee, die im Rahmen der Diskussionen um die Modernisierung des Skigebiets am Sudelfeld bei Bayrischzell geboren wurde, erinnert sich Harald Gmeiner, Geschäftsführer der Alpenregion Tegernsee Schliersee. Das war 2014. Aus der Idee wurde die Initiative „Dein Winter Dein Sport“, deren vorläufiger Höhepunkt nun ein erster Wintersportkongress in Rottach-Egern war. Rund 400 Vertreter aus Sport, Tourismus, Wirtschaft und Medien trafen sich im Seeforum zu Vorträgen und Diskussionen, bei denen es eben vor allem darum ging, wie man den Wintersport beleben und neuen Zielgruppen zuführen kann.


Dass die Stimmung bei den Teilnehmern ausgesprochen optimistisch war, lag wohl nicht nur am aktuellen Wetterbericht, der umfangreiche Schneefälle prognostizierte. Die Initiative gewann innerhalb des ersten Jahres nicht nur 35 Spitzensportler von Magdalena Neuner bis Felix Neureuther als Paten sondern auch die drei maßgeblichen Verbände Deutscher Skiverband e.V., Deutscher Skilehrerverband e.V. und Snowboard Verband Deutschland e.V. als Initiatoren.

Platz 2 bei den Umsätzen - nach dem Fußball


Professor Ralf-Dieter Roth, Leiter des Instituts für Natursport und Ökologie an der Deutschen Sporthochschule in Köln, skizzierte die ökonomische Bedeutung des Wintersports, der mit 22,4 Milliarden Euro knapp 20 Prozent des Sportkonsums in Deutschland ausmacht. Nach Angaben des Bundesinstituts für Sportwissenschaft liegt das Skifahren an sechster Stelle, was die Zahl der Aktiven angeht, aber an zweiter Stelle hinter dem Fußball bezogen auf die Umsätze.


Der ökonomischen Bedeutung des Wintersports und da speziell des Skifahrens stehen aber die hohen Kosten gegenüber, die speziell für Familien den Einstieg erschweren. Pisten-Tageskarten kosten schon mal rund 50 Euro pro Person. Skifahren, da waren sich die Experten weitgehend einig, muss besonders für den Nachwuchs wieder erleichtert werden. Denn viele Schulen im Freistaat melden sinkendes Interesse bei den Anmeldungen für die Ski-Lager.


Dass gerade der Nachwuchs vom Wintersport profitieren kann, dokumentierte der Sportwissenschaftlicher Frieder Beck. Leistungsfähigkeit und Gedächtnistraining würden gestärkt. Die Aktivität sorge dafür, dass das wachstumsfördernde Protein BDNF und der Neurotransmitter Dopamin – bekannt auch als Glückshormon – angeregt werden. Davon würden Funktionen wie das Arbeitsgedächtnis profitieren. „Gerade das ist wichtig, weil es in der Schule effizienter ist als der IQ“, so Beck.

Neidvolle Blicke nach Österreich und Skandinavien


Wenn es um die Förderung des Nachwuchs geht, schauen deutsche Wintersportrepräsentanten oft neidvoll zu den Nachbarn nach Österreich. In Tirol läuft derzeit eine Initiative, dass Skifahren wieder Teil des Schulunterrichts wird. Wie der Wintersport erschwinglicher gemacht werden kann, dafür präsentierte Jochen Schnell, Vorstand bei Intersport, eine Anregung. Shared Economy könnte ein Lösungsansatz sein. Das Beispiel des Skiverleihs, wie er gerade in Österreich erfolgreich läuft, sei da richtungsweisend. Alexander Selch, Geschäftsführer von Uvex Sports, sah für den Shared Economy Ansatz allerdings Grenzen. „Gerade die Dinge, die der Wintersportler am Körper trägt, will er auch besitzen.“


Für Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung, ist eine grenzüberschreitende Kooperation existentiell wichtig. „Für eine erfolgreiche Imagewerbung brauchen wir eine gemeinsame Kommunikation.“
Wolfgang Pohl, Präsident des Deutschen Skilehrerverbands (DSL), bezeichnet das klassische Bild des Skilehrers als passé. Der müsse in Zukunft zusätzlich Fitnesstrainer und Animateur sein.


Wie man Schüler für den Wintersport gewinnen kann, präsentierte die Schweizer Snowboard Olympiasiegerin Tanja Frieden. Die Schneesportinitiative GoSnow ist seit August 2015 aktiv und richtet sich speziell an Lehrer, die über diese Plattform Schneesporttage und -wochen buchen können.


Sarah Lewis, Generalsekretärin des Weltskiverbands FIS, berichtete von den internationalen Initiativen des Verbands, zu denen „Bring the children to the snow“ und die 2012 lancierten „World Snow Days“ gehören. Die letzte Ausgabe im Januar 2015 brachte 645 Events mit 600 000 teilnehmenden Kindern.


Peter Marko ist Vorstand der Silvretta Montafon GmbH. Das Skigebiet ganz im Westen Österreichs positioniert sich betont sportlich, setzt dazu auch konsequent auf Bergerlebnisse unterschiedlichster Art, zu denen unter anderem vier eher romantische Sonnenaufgangsskifahrten zählen. Wintersport müsse vielseitiger werden und unterschiedlichste Zielgruppen ansprechen: Schüler und Jugendliche, Sportler und Genussmenschen.
(Georg Weindl)

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Kommentare (1)

  1. Christoph am 29.01.2016
    Als Vater zweier inzwischen jugendlicher Kinder (18 & 16) habe ich selber miterlebt, wie das Interesse der Jugend am Ski- oder Snowboardfahren über die letzten Jahre auf Null gesunken ist. Und wir Eltern werden nichts dafür tun, dass sich daran etwas ändert. Aus folgenden Gründen: Skifahren für Familien ist (gemessen am "Lustgewinn") inzwischen unattraktiv teuer, um nicht zu sagen unerschwinglich (auch für Besserverdiener). Warum? Weil Millionen-Investitionen in teure Beschneiungs- und Liftanlagen auf Teufel-komm-raus den Winter dort konservieren wollen, wo er sich seit Jahren zurückzieht (s. z.B. Sudelfeld). Ergebnis: An immer weniger Tagen pro Jahr knubbeln sich dann für teures Geld immer mehr Leute auf dem Kunstschnee. Nein, das macht keinen Spaß, das ist schlicht das Geld nicht wert. Daran wird keine Initiative konzeptloser Lokalpolitiker und panischer Liftbetreiber etwas ändern. Skifahren – vor allem in Bayern – ist dabei, zum Sport von Gestern zu werden.

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