Kultur

Mit göttlichem Witz schneidet Tristan Vogt Gesichter, wenn er seine Figuren zu Leben erweckt. (Foto: ThaKo)

26.04.2013

"Allmächd, doud des goud"

Thalias Kompagnons begeistern mit Fitz Gerald Kuzs’ "Götter-Soap"

Götter, Feen, Königinnen der Nacht – das ist der Stoff, aus dem die Träume der Puppenspieler sind. Oder ein Klumpen Lehm, aus dem sie derbe, grobschlächtige Menschen schaffen. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich das neueste Figurentheaterstück, das Tristan Vogt in der Nürnberger Tafelhalle uraufgeführt hat, zu dem „Thalias Kompagnons“-Kollege Joachim Torbahn die Figuren und die Bühne geschaffen und Fitzgerald Kusz den Text geschrieben hat: Götter-Soap, die letzte Staffel, heißt das ein wenig kryptisch – kein Wunder, es ist ein Stück über alte griechische Mythen. Es vermischt die Geschichte des Flussgottes Inachos und seiner unglücklichen, von Zeus verführten Tochter Io mit der Geschichte von Philemon und Baucis. Man braucht aber keine altphilologische Vorbildung.
Einen vergnügt-besinnlichen Theaterabend (nächstens auch beim Figurentheaterfestival und bei Wiederholungen in der Tafelhalle) hat man schon deshalb, weil – klar bei Kusz – Götter und Menschen aus Hellas fränkisch sprechen. Und sich obendrein auch nonverbal typisch fränkisch verhalten.

Fränkischer Benimm

Zusammengeführt werden die beiden Mythen durch einen simplen Bilderrahmen: durch einen Fernseh-Bildschirm. Da schauen Philemon und Baucis jeden Abend ihre daily „Götter-Soap“, auch als Zeus und sein Sohn Hermes („iich hau jedn ibäs ohr“) sie auf der Suche nach einer Herberge aufsuchen.
Dieses Spiel zwischen Olymp und Irgendwo, zwischen Götter- und Menschenwelt braucht gerade mal einen schräg gestellten Spieltisch; die Menschlein sind roh aus Lehm geformt (und benehmen sich auch so – „fränkisch“ halt). Die Götter haben unverkennbare Attribute: Hermes ein paar Federn zum Fliegen, Hera die den Herd beschützende Mutterbrust und Poseidon eine herrlich wässrig blubbernde Götterstimme.
Hinter alldem aber steckt Tristan Vogt, der die steifen Figuren übers Spielbrett führt, in jede der vielen Rollen schlüpft, mit göttlichem Witz Gesichter schneidet. Ein bisschen ins Schwitzen kommt er bei dieser Multi-Funktionalität schon, aber es macht ihm offensichtlich selber Spaß, Zeus zu sein oder die Bremse, die die arme Io wahnsinnig macht und über den Erdkreis hinaus pisackt. Das können die Zuschauer (und Zeus selbst) in Folge 756 von „Olymp“ sehen, den Meeresgott als „Wasserbatscher“, Hermes mit „di flüchl“, „Afrodide“ wird aus Gründen des Jugendschutzes nur erwähnt.
In Nürnbergs Nordstadt hat Vogt genügend Fränkisch gelernt, um mit den Vorgaben von Kusz (Schweig Bub!) zurechtzukommen. Der wird vielleicht, wie bei seinem weltweit adaptierten Konfirmandenstück, auf die Übersetzung auch in andere Dialekte hoffen. Das aber braucht die Götter-Soap auf jeden Fall: Den selbst noch über Zeus und die ganze Götterwelt regierenden, allumfassenden Animator und Weltgeist, der dem Mythenspiel göttlichen, besonders aber menschlichen Geist einhaucht.
Am Ende stellt sich sogar ein bisschen fränkisch trockene Rührung ein, wenn Philemon und Baucis sich in zwei Bäume verwandeln. Zuvor haben sie aber noch einige Fläschla fränkischen Kellerbiers geleert: „Allmächd, doud des goud.“ (Uwe Mitsching)

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