Kultur

Erste gewann sie ein paar Strümpfe - dann eroberte sie Hollywood: Elke Sommer feiert heute ihren 75. Geburtstag. (Foto:dpa)

05.11.2015

Anständige Sexbombe

Elke Sommer feiert heute ihren 75. Geburtstag. Die Mittelfränkin galt zeitweise als neue Monroe

Blond, deutsch, anständig, Hollywood: Wer danach googelt, dürfte recht bald auf den Namen Elke Sommer stoßen. Entdeckt an einem Strand in Italien wurde sie zum Inbegriff einer ganzen Generation von Schauspielerinnen. Nun wird sie 75 Jahre alt.

Elke Sommer hat Schnupfen. Sie entschuldigt sich vor dem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur vorsorglich dafür - es könne schon sein, dass sie gleich mal laut niesen müsse. So kommt es dann auch. Sommer hat sich in der Beletage von Hollywood bewegt und mit Stars wie Paul Newman, Kirk Douglas und Peter Sellers vor der Kamera gestanden. Ihr Schnupfen hat akustisch aber etwas ausgesprochen Bodenständiges für eine Frau, die zeitweise als die neue Monroe galt. Ebenso wie ihre Höflichkeit, vorher darauf hinzuweisen.

Zufällige Karriere

Sommer strahlt immer noch jene Erdverbundenheit aus, die ihren Ruhm mitbegründet hat - auch noch vor ihrem 75. Geburtstag, den sie an diesem Donnerstag (5. November) feiert. Wenn man sie selbst nach dem Grund für ihre unglaubliche Karriere fragt, sagt sie allerdings: "Alles Zufall!"

Ein Rückblick: 1958 reisen Elke und Renata Schletz in den italienischen Badeort Viareggio. "Meine Mutter sagte: Du hast das Meer doch noch nicht gesehen, das ist doch so schön", erzählt Sommer heute. Ein junger Student fragt die Pfarrerstochter dort, ob sie mit ihm tanzen gehen wolle. Der Abend endet damit, dass Elke Schletz zur "Miss Viareggio" gewählt wird. Als Preis bekommt sie Strümpfe. Und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Ein italienischer Regisseur sieht ihr Bild in der Zeitung, verpflichtet sie für den Film, sie nennt sich fortan Sommer (weil die Italiener Schletz nicht aussprechen können und "Sklutz" sagen) und schafft den Sprung nach Hollywood. In ihrer großen Zeit Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre wird sie zum Inbegriff der blonden, aber nicht verruchten und irgendwie deutschen Sexbombe.

Schauspielerin und Malerin

1964 gewinnt sie einen "Golden Globe" für ihre Rolle in "Der Preis". Sommer spielt dort die Schönheit an der Seite von Paul Newman. Deutschen Karl-May-Fans dürfte sie bis heute mit ihrer Rolle in "Unter Geiern" (1964) als unerschrockene deutsche Farmerstochter Annie in Erinnerung geblieben sein. In den folgenden Jahrzehnten dreht sie zahlreiche Filme, wirkt in Fernsehserien mit, verschwindet aber von der ganz großen Bühne. Mittlerweile hat sich Sommer allerdings auch als Malerin einen Namen gemacht.

Heute lebt die gebürtige Berlinerin noch im Winter in Los Angeles und im Sommer im deutlich kleineren Marloffstein, in ihrer fränkischen Heimat. Von dem Ort nahe Erlangen schwärmt sie: "Ich bin ja ein Landmensch, ich bin ja überhaupt kein Stadtmensch." Als Zweijährige kam sie mit ihren Eltern nach Mittelfranken, machte in Erlangen ihr Abitur. 1993 heiratete sie in zweiter Ehe den New Yorker Hotelmanager Wolf Walther - ebenfalls in Mittelfranken. Ihr Haus in der Weltstadt Los Angeles habe sie eingerichtet wie das in Deutschland, sagt sie. Aber ohne viel Bohei mit Fotos von all den Großen, die sie im Laufe ihres Lebens getroffen hat. Sie hat eines mit Paul Newman. Ach ja, und eines, als sie mit dem Präsidenten tanzte.

Schwof mit dem Präsidenten

Moment: Mit dem US-Präsidenten? Ja. 1975 war Sommer im Weißen Haus zu einem Gala-Dinner eingeladen. Sie kam mit einem kleinen gelben Taxi ("Da nehmen wir uns keine Limo, das ist viel zu teuer.") und schwofte später in den Armen von US-Präsident Gerald Ford über die Tanzfläche. Der habe übrigens kein Lamm gemocht, erzählt Sommer. Sie aber schon. Heimlich hätten sie ausgemacht, dass er ihr seine Lammkoteletts unter dem Tisch zuschieben kann. "Ich habe ihm dann meine Knochen zurückgegeben." Es ist eine Geschichte, wie sie nur jemand beiläufig erzählen kann, der auch zufällig zu einem Filmstar wurde. (Jonas-Erik Schmidt, dpa)

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