Kultur

Ausschließlich der Landschaft galt das Interesse des Malers Anton von Stadler. Er zeigte sie immer in ruhigen Stimmungen – hier das Erdinger Moos (vor 1900). (Foto: MMK)

13.10.2017

Auf der Suche nach Intimität

Das Museum Moderner Kunst in Passau zeigt erstmals in einer gemeinsamen Ausstellung Arbeiten Anton von Stadlers und seines Sohnes Toni

Zum 100. Todestag Anton von Stadlers (1850 bis 1917) und zum 35. Todestag seines Sohnes Toni Stadler (1888 bis 1982) zeigt das Museum Moderner Kunst Passau erstmals Vater und Sohn in einer gemeinsamen Ausstellung. Dabei richtet sich der Fokus auf die Gemeinsamkeiten der beiden Künstler in der Auseinandersetzung mit dem Raum und die Konzentration auf das Wesentliche des Motivs: die Landschaft bei Anton von Stadler und die vielseitigen Bezüge der Figur im Raum beim Bildhauersohn Toni.

Anton von Stadler war Mitbegründer der Münchner Sezession, Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste und Leiter der Münchner Kunstsammlungen. Obwohl in vielen öffentlichen Sammlungen in Deutschland mit Malerei und Grafik vertreten, scheint kaum mehr Interesse an Anton von Stadlers intimen, feinen Landschaftsbildern vorhanden zu sein. Das ruhige Schauen, das die Grundlage seiner künstlerischen Auffassung war, ist nicht mehr die Sache heutiger Betrachter, die gewohnt sind, schnelle, „laute“ Bilder kurz zu überfliegen. Ausschließlich die Landschaft war ihm wichtig, die er mit der Anmut niederländischer Malerei als intimen Naturraum inszenierte, der selbst bei aufregenden Gewitterstimmungen ruhig bleibt.

Zerstörerische Selbstzweifel

Die Ausstellung lenkt den Blick auch auf seinen Sohn Toni als Erneuerer der Bildhauerei der Nachkriegszeit. Parallel zur Ausstellung entstand eine Publikation zur Kunst von Toni Stadler mit einer längst fälligen Würdigung der Malerei Anton von Stadlers.

Im kunstdominierten Münchner Elternhaus fühlte sich Sohn Toni überfordert und im eigenen kreativen Tun gebremst. Lange litt er unter Selbstzweifeln, die sich darin ausdrückten, dass er „misslungene“ Werke noch vor der Vollendung wieder zerstörte.

Als zutreffende Charakterisierung seines Werks ist sein Ausspruch „Ich finde nicht, ich suche“ als Kontrapunkt zu Picassos „Ich suche nicht, ich finde“ überliefert. Die Suche durchzieht seinen bildhauerischen Ansatz, seine herantastende Arbeitsweise, die darauf gerichtet war, alternative Fassungen einer Figur zu erarbeiten, um mehrere Interpretationsmöglichkeiten der Gestik ein- und derselben Figur auszudrücken.

Vorliebe für den Torso

In dieses Vorgehen fügen sich seine Vorliebe für den Torso als nicht abgeschlossene Form, die Wege offenlässt, sowie das Arbeiten an mehreren alternativen Fassungen mit unterschiedlichen plastischen Akzenten. Er war begeistert von der Kunst der Etrusker und der griechischen Antike, die er während seiner Zeit in der Villa Massimo in Rom studieren konnte.

Toni Stadlers Zeichnungen stellen einen unabhängigen Werkkomplex dar. Es sind prägnante Tuschpinselzeichnungen weiblicher Akte mit dominanten Umrisslinien. Am faszinierendsten sind die Blätter, in denen aus Linie, Lavierung und farbiger Tönung der plastische Körper wie aus dem Nichts entsteht. Es war „Die Erotik, von der ich mich hab‘ leiten lassen, im Gegensatz zur Schönheit“, so Toni Stadler. Dabei sind Blätter entstanden, die auf Augenhöhe mit seinem plastischen Werk den Körper erotisch aufgeladen in sinnlichen Momentaufnahmen konzentrieren. (Ines Kohl)

Information: Bis 12. November. Museum Moderner Kunst, Bräugasse 17, 94032 Passau. Di. bis So. 11-18 Uhr.

Abbildung:
Toni Stadler verschrieb sich der Bildhauerei: Hier sein „Jünglingstorso“ von 1969.  (Foto: MMK)

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