Kultur

20.03.2015

Bildungsort für alle Generationen

Im Mai soll mit dem 5,6 Millionen Euro teuren Erweiterungsbau für das Jüdische Museum Franken in Fürth begonnen werden

Der geplante Erweiterungsbau wird das Entrée, und das derzeitige Museum selbst wird das „schönste Exponat, das wir haben“, sagt Daniela F. Eisenstein, die Direktorin des Jüdischen Museums Franken in Fürth. Von dem kleinen Hof- und Gartenbereich zwischen beiden Gebäuden wird man den Blick haben auf altes Fachwerk, modernen Architektur-Kubismus und auf vieles von der historischen Bausubstanz an der Fürther Königstraße. Das sei die wichtigste Idee der Architekten gewesen für die Erweiterung des Museums, sagt Daniela Eisenstein: „eine Umkehr der bisherigen Verhältnisse“.

Völlig neu konzipieren


Im Mai sollen die Bauarbeiten zu dem 5,6 Millionen teuren Projekt losgehen, die Hülle des Erweiterungsbaus soll 2016 fertig sein. Und dann soll das „Füllen“ anfangen  – eine besondere Herausforderung. Denn darüber sind sich alle einig, die zum Interviewtermin mit der Bayerischen Staatszeitung gekommen sind: neben der Museumschefin die Fürther Kulturreferentin Elisabeth Reichert (SPD) sind das Horst Ohlmann von der Deutschen Stiftungstreuhand und Projektkoordinator Dieter Christoph: Es geht nicht einfach um eine Mehrung der Quadratmeter, damit etwa die Bestände aus dem Depot, die vielen neuen Schenkungen präsentiert werden können und damit die Büroräume aus der Nürnberger Straße näher heranrücken. Vielmehr soll mit dem Erweiterungsbau Neubau „kulturelle Bildung, für Kinder und Jugendliche zumal“ in den Mittelpunkt rücken, so Elisabeth Reichardt. Die Vermittlung der Inhalte und die Absichten des Museums sollen „komplett neu konzipiert werden“ – mit „mehr Inhalten für alle Generationen“: „Ein jüdisches Museum muss einen Erziehungsauftrag zu mehr Respekt, mehr Demokratie erfüllen“, so die Kulturreferentin.
Das ist zwar schon immer die Absicht des Jüdischen Museums Franken gewesen, aber bislang gab es für Schülergespräche, Projektpräsentationen, Lehrerfortbildung, Vorträge,Konzerte und Sonderausstellungen nur wenig Platz.
Lange hat man den Plan zum Erweitern vor sich hergeschoben. Als Daniela F. Eisenstein 2003 nach Fürth kam, standen Schuldenabbau, Konsolidierung des Museums im Vordergrund, dann erst die Realisierung zukünftiger Visionen. Für das, was Museumspädagogik heute will, war in den putzigen, kleinen Stuben des ehemaligen jüdischen Wohn- und Geschäftshauses von 1702 mit seinen vielen Balken und niedrigen Türstöcken kaum Platz. Auch wenn dort für die jüdische Geschichte signifikante Ausstellungsstücke durchaus attraktiv und in situ präsentiert werden, manches beeindruckend multimedial aufbereitet wird: Die Dimensionen von alldem sind angesichts der Bedeutung des Judentums in Franken, besonders in Fürth, einfach zu bescheiden. Auch die Möglichkeiten, dieses Jüdische Museum Franken im Bewusstsein der Besucherströme und sonstiger Nutzer zu halten – was bisher vielfach vernachlässigt wurde.
Im Neubau wird es zum Beispiel einen Extra-Eingang für Gruppen geben; für Studenten, Wissenschaftler und Doktoranden eröffnet sich dann die Möglichkeit, Archivmaterial in einer Studienbibliothek digital einzusehen. Dann wird man auch den Platz haben, um Ausstellungen aus den großen jüdischen Museen weltweit nach Fürth zu holen.
Mit bisher 10 000 Besuchern im Jahr (hauptsächlich Schulklassen) wird zwar ein wichtiger Bildungsauftrag erfüllt, steht das Museum aber keineswegs im Fokus des öffentlichen Interesses. Schon vor sechs Jahren ging eine Bamberg-Würzburger Architektengemeinschaft aus dem Wettbewerb als Sieger hervor, die Finanzkrise sorgte für erheblichen Aufschub. Der dreistöckige Anbau wird, wenn er entsteht, sicher noch einmal für Diskussionen sorgen – er kann aber solche optische Aufmerksamkeit durchaus brauchen, denn im Moment steht das Jüdische Museum recht unscheinbar und leicht zu übersehen in der Häuserzeile der Königstraße und neben einem schäbigen Parkplatz.

Pläne zu „Verbotene Liebe“


Der 9. Mai, der heuer erstmals so ausgerufene „Tag der Städtebauförderung“, wäre Dieter Christoph zufolge ein idealer Tag für den ersten Spatenstich. Dann wird es auch erst losgehen mit Planung und Durchführung der inhaltlichen Füllung des Neubaus – Ideen gibt es genug. Das Thema für die erste Sonderausstellung zu der für 2018 geplanten Eröffnung des erweiterten Museums steht zwar schon fest: „Verbotene Liebe“. Aber festlegen will sich Daniela Eisenstein noch nicht, was wohin kommt im neuen Haus.
Während der Bauzeit soll das Museum im Altbau offenbleiben beziehungsweise nur kurz schließen, wenn etwa die Übergänge im Erdgeschoss und im zweiten Stockwerk angeschlossen werden: „Wir wollen die Kundschaft nicht verlieren.“ Auch nicht die Studenten, die nach Fürth kommen – auch wenn eine dezidierte Zusammenarbeit mit der Uni Erlangen nicht realisiert wurde.
Was alles man mit dem neuen Museum einmal wird anfangen können, soll noch eine Machbarkeitsstudie aufzeigen. Für Daniela Eisenstein geht es mit dem Neubau darum, die „Marke ‚Jüdisches Museum’ in Fürth zu entwickeln“. Und diese Marke soll wiederum als Motor für die Anwerbung von Spenden und Schenkungen dienen: „Wir wollen alle Kräfte mobilisieren.“ Und das in einem möglichst multikulturellen Umfeld: Auch die „Ersten jüdischen Filmtage“ im Februar waren ein beachtlicher Schritt in diese Richtung. (Uwe Mitsching)

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