Kultur

Das ist Franz Pröbster-Kunzels „Gartenschau“. (Installation „der andere Garten“)

21.03.2014

Der Kunzel bringt den Kunst-Dünger mit

Ausstellung in der Stadtgalerie Deggendorf

Weder der Frühling noch die Landesgartenschau sind schon so richtig da. Aber der „Kunzel“ eröffnet schon mal das „Kunst Dünger“-Beiprogramm in Deggendorf. Auf ein paar Wochen kommt es dem Kunst-Schamanen und Ex-Landwirt Franz Pröbster-„Kunzel“ nicht an, wenn er seine Ausstellung in der schönen Stadtgalerie im Stadtmuseum sowieso Zeit auslegen – Natur erfahren nennt. Nichts davon ist nämlich schnell zu Papier oder auf die Leinwand gebracht. Denn der „Kunzel“ vom westlichen Rand der Oberpfalz sieht sich im Kontinuum von Jahr und Tag, von Jahreszeit zu Jahreszeit. Daheim auf seinem Forchheimer Acker, im „Garten des heiligen Irrsinns“, im „Haus der Schreine“ entstehen seine Arbeiten säuberlich Strich für Strich auf Bütten oder auseinander gebrochenen Jura-Platten, aus Tausenden von zurecht geschnittenen Weidenstücken: Kein Wunder, dass solche Blätter oder Plastiken dann später Stille heißen. Geduldsspiele sind das, wenn die Weidenruten in den Eisenrahmen seiner Pixelbilder geschlichtet werden und der Kunzel das Trocknen abwarten muss, dann nachschichtet – da stapelt einer nicht nur Holz auf, sondern auch seine Lebenstage, -wochen, -monate, bis alles fertig ist und eigentlich nie fertig wird, denn die Natur werkelt weiter daran.
Natur, das ist, wo der 63-jährige Kunzel lebt, womit er arbeitet. Vielleicht versteht man ihn auch deshalb so gut, wenn er in Polen, Österreich oder jetzt auch in Frankreich ausstellt und überall hin das mitbringt, was er daheim pflanzt, hegt, abbildet. Eine Weißdornhecke zum Beispiel, die den „Heiligen Irrsinn“ zuhause umgrenzt und die er jetzt auf Leinwand ausstellt: ein Chaos von Ästen und weißen Blüten.
So vorbereitet, gerät man in der Stadtgalerie dann in Saal 4 und in noch so einen überraschenden Wechsel der Dimensionen: Reihung, Flügelschlag wiederholen vielfach die Formmuster, die der Kunzel der Natur abschaut und hier in einen seriellen Zusammenhang bringt. Allein die schiere Größe beeindruckt, das variierte Gleiche mit individuellen Variationen: nichts maschinell und wiederholbar Gestanztes, sondern der Flügelschlag der eigenen Existenz. Die offenbart Franz Pröbster-Kunzel dann im Allerheiligsten seiner Ausstellung: einer raumfüllenden Installation Kunst Garten, dem Schrein seines Schamanentums, der Sammlung all seiner Ausdrucksformen. Immer wieder ist das ein Zentrum seiner Ausstellungen, immer in neue Kontexte gebracht werden die vielen Inhalte: die kreisförmig ausgelegten Weidenstücke, die mühsam geflochtenen Weidenkringel, die bemalten Tierknochen. Nein, eine „Gartenschau“ ist das nicht, sondern ein spiritueller Garten mit Schalen, Geschältem, Beschnittenem, Klingendem. Das ist wie ein Märchen, in das man sich nicht verirren möchte. Auf den ersten Blick eine chaotische Vielfalt, aber nichts ist in diese mythische Komposition zufällig hineingeraten, in diesen Zauber-Garten, der auch die Fülle von Natur, ihres Werdens und Vergehens zeigen will und dass das alles zusammengehört. Auch die Leidensbretter, die man hier am Rande des Bayerischen Waldes als „Totenbretter“ kennt.
In den kleinen Kabinetten der Galerie löst der Kunzel diese oft ineinander verkrallte Vielfalt auf: Seine Zeichnungen von Mondscheiben oder vom Sternenhimmel sind einen intensiven Blick wert, sind geschickt coloriert und zu einem Folianten gebunden. Seine Lebensspuren hat er dort aufgemalt und „ein fertiger Weg ist Stillstand ist der Tod des Schöpfers“ dazugeschrieben. Wenn die Landesgartenschau im April tatsächlich beginnt, wird es an gleicher Stelle einen anderen Garten geben, den der Wiener Künstlerin Nele Ströbel.
(Uwe Mitsching)
Noch bis zum 6. April 2014, Di-Sa 10-16 Uhr

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