Kultur

08.06.2012

Die Verpflichtung, sich um den Nachwuchs zu kümmern

Das Opernstudio am Münchner Nationaltheater

Iulia Maria Dan ist ehrlich: „Ich mache mir schon Sorgen um die Zukunft“, sagt die junge Sopranistin aus Rumänien. „Viele Theater schließen. Unsere Welt wird kleiner, der Wettbewerb größer. Das schafft einen großen Druck. Es ist sehr schwierig, so mit einem ruhigen Geist heranzuwachsen. Aber hier achten sie sehr darauf, was mit uns geschieht. Sie vertrauen uns, und dafür bin ich sehr dankbar.“ Damit meint sie das Opernstudio der Bayerischen Staatsoper in München. Seit dieser Spielzeit ist Dan Mitglied. Jetzt singt sie die Titelpartie in Leo Janáceks Oper Das schlaue Füchslein, die am 11. Juni im Cuvilliéstheater Premiere hat.
„Je schwieriger die Situation ist, desto mehr müssen wir in die Zukunft schauen, Vorsorge treffen und in junge Menschen investieren“, betont Staatsopern-Intendant Nikolaus Bachler. „Ich kann mir nicht ein großes Haus vorstellen, ohne dass man junge Leute zum Blühen bringt.“
Das war in München nicht immer so. Unter Bachlers Vorgänger Sir Peter Jonas wurde das Opernstudio aus Kostengründen heruntergefahren, obwohl es bereits in den 1960er Jahren gegründet worden war. Stars wie Brigitte Fassbaender oder Violeta Urmana sind hier groß geworden. Eine Grundversorgung wird durch das Haus gestellt, sonst aber finanziert sich das Studio aus privaten Mitteln.
Als Kent Nagano 2006 nach München kam, wurde das Opernstudio wiederbelebt. Für Studioleiter Henning Ruhe steht fest: „Wir sind keine Nische, sondern wirklich Teil des Hauses.“ Von Bachler fühle er sich sehr unterstützt. „Er bringt sich selber ein, trifft sich mit den jungen Leuten und ist auch bei der Auswahl involviert.“
Die Plätze sind begehrt: Rund 600 Bewerbungen gehen jährlich ein – auf nur vier neu zu besetzende Plätze. Rund 60 Bewerber werden zum Vorsingen eingeladen. „In den ersten Jahren bin ich teilweise noch zu den Hochschulen gegangen“, erinnert sich Ruhe. „Mir wurde berichtet, dass vom Münchner Opernstudio abgeraten würde. Das konnten wir revidieren, muss aber jedes Jahr neu verteidigt werden.“
Dies gelingt mit der hochkarätigen Ausbildung: „Wer in einer kleinen Rolle mit Anna Netrebko oder Vesselina Kasarova auf der Bühne steht, lernt so viel mehr als an jeder Schule“, freut sich Bachler. Eine Münchner Besonderheit ist der Schauspielunterricht: „Wir sind weggegangen vom Opernschauspiel und setzen ganz bewusst auf Theaterschauspiel“, erklärt Ruhe. „Obwohl die Diskussion um Regietheater schon sehr alt ist, hören viele junge Sänger noch immer von ihren Lehrern: ‚Was die Regisseure machen, ist Unsinn.’ Deswegen wäre es fast fahrlässig, es nicht so zu machen.“
Und dies mit Erfolg: „Das deutsche Regietheater war für mich eine neue Erfahrung“, sagt Sopranistin Dan. „Ich war eine andere Ästhetik gewohnt. Aber ich habe schnell die Vorzüge schätzen gelernt, dass man nicht nur durch die Stimme Gefühle lebt, sondern auch durch die Bühnenpräsenz.“
Alles Paletti? Keineswegs. Das Studio braucht eine eigene kleine Bühne, und Bachler wünscht sich eine Erweiterung der Ausbildung auf Regie, Dirigieren und Chorsingen. Eines steht für den Intendanten aber fest: „Eher würde ich eine Produktion streichen als das Opernstudio.“ (Marco Frei)

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