Kultur

Christiane Karg kommt gerne zurück in die Heimat, möchte sich aber nicht mehr in Bayern niederlassen. (Foto: Edel)

07.09.2012

Edel und frei

Christiane Karg, eine Starsopranistin aus der "bayerischen Linie"

Reklame war nicht nötig. Es hatte sich schnell beim Friseur oder Metzger, entlang der ganzen Romantischen Straße herumgesprochen: Sie singt zuhause, in Feuchtwangen! Christiane Karg kommt direkt von London, Salzburg und Bayreuth, bringt von dort den Tannhäuser-Wolfram Michael Nagy mit und Tareq Nazmi von der Münchner Staatsoper, auch den weltweit gefragten Pianisten Gerold Huber.
Faust heißt das Projekt – Christiane Karg beschenkte damit ihre Freunde, Nachbarn, die stolz auf sie und ihre Karriere sind. Mit der nämlich stellt sich die Sopranistin in eine „bayerische“ Linie mit Waltraud Meier (Würzburg) und Diana Damrau (Günzburg). Auch wenn sie kaum noch zuhause ist: Im Café Kreuzgang und mit dem Blick aus ihrem einstigen Kinderzimmer auf die romantische Feuchtwanger Festspielbühne ist sie doch immer wieder gern in der Heimat.

Das Unstete inspiriert

Christiane Karg erzählt mitten im sommerlichen Festspieltrubel und auf dem Sprung nach Wien, Rudolf Buchbinders Grafenegg, zum Rheingau-Festival oder Edinburgh von einer Sängerlaufbahn, die es ihr erlaubt, sich nach fünf Jahren an der Frankfurter Oper jetzt den scharfen Wind der internationalen Konkurrenz freischaffend um die Nase wehen zu lassen. Dass sie dabei ständig unterwegs ist, stört sie nicht: „Ich brauche das unstete Leben, schöpfe Inspiration daraus.“
Kleinstadt war früher: Da waren Christiane und ihre beiden Schwestern im romanisch-romantischen Ambiente Feuchtwangens Teil der Festspiele, lernten alle Rollen auswendig, fieberten bei den Premieren mit. Mit elf Jahren nahm der opernbegeisterte Papa sie nach Bayreuth mit. Als Christiane Karg voriges Jahr mit Dieter Dorn in Salzburg bei Orpheus und Eurydike zusammenarbeitete, konnte sie ihm noch haarklein das Bühnenbild seiner Bayreuther Holländer-Inszenierung nacherzählen.
Jetzt ist die Beschaulichkeit des ländlichen Westmittelfranken längst Geschichte: Vielleicht wäre sie ja, und nichts wünschte sie sich als Kind mehr, beim Windsbacher Knabenchor gelandet – leider unmöglich. Deshalb der Versuch, an der Musikhochschule München zu landen („bin in Klaviertheorie durchgefallen“). Stattdessen folgten sechs Jahre Mozarteum in Salzburg: „Die Österreicher geben viel mehr Geld für die Kunst aus, und ins Gesangsstudium waren Theater, Tanz, Fechten, Sprecherziehung integriert.“ Dann gab es fünf Jahre in Frankfurt mit Zdenka oder Servilia und allem, was man anlässlich ihres Liederabends in der Londoner Wigmore Hall im Juli als das „lighter lyric repertoire“ bezeichnete.
Da passt bei Christiane Karg offenbar alles zum Bild des zeitgemäßen Typs eines Sänger-Jetset zusammen: Figur und Stimme, viele kleine Rollen früher als Basis für die großen Partien heute, die Begeisterung fürs Regietheater, die Freude auf Neues und an der darstellerischen Seite des Berufs: „Ich kann ohne Oper nicht leben.“

Wenig in Franken unterwegs

In ihrer letzten Frankfurter Saison wird sie die Melisande unter der Regie von Claus Guth singen. Sie erinnert sich gleichzeitig an die Zusammenarbeit mit Herheim, Warner, Stückl und freut sich auf die nächsten Jahre in Glyndebourne: 2013 Rameau, 2014 Mozart.
Die Angebote, die sie bekommt, verdankt sie auch dem Ruf ihrer Agentin Elisabeth Ehlers vom Münchner Gasteig: „Wer bei ihr bucht, weiß, dass er Qualität bekommt.“ Und man versteht sich untereinander: Christian Gerhaher, Juliane Banse, Michael Nagy – auch als Elite im internationalen Geschäft, „in dem deutsche Sänger durchaus eine wichtige Rolle spielen!“ Besonders wenn sie – wie Christiane Karg – Wagnisse eingehen: Ende August kam ihre neue CD Amoretti heraus (Mozart, Gluck, Gretry). Sie hat zwei Jahre daran gearbeitet und sich inhaltlich, grafisch, finanziell dafür engagiert. Das Hamburger Label heißt „Edel: Kultur“ – das will Christiane Karg durchaus programmatisch verstehen: „Ich wollte ein edles Produkt.“
Schade, dass dazu aus Franken kaum Engagements kommen: Ja, nächstes Jahr die Ansbacher Bachwoche („darf ich noch nicht verraten“), aber zum Beispiel kein Festspiel-Gluck in Nürnberg. Macht nichts: „Ich sehe mich als Europäerin. Es freut mich, wenn man mich in Bayern wahrnimmt, aber ich spreche Italienisch fast so gut wie Deutsch. Und ich will mich auch nicht wieder in Bayern niederlassen.“ Selbst wenn sie in der kommenden Saison ihre Zusammenarbeit mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ausbaut: Christiane Karg geht im Dezember mit Mariss Jansons auf Japantournee. (Uwe Mitsching)

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