Kultur

Eine Abbildung, wie es hätte aussehen können: Regensburg vor knapp zwei Jahrtausenden. (Foto: ArcTron 3D GmbH)

13.06.2014

Fensterln bei den Römern

In Regensburg sind die Reste einer bedeutenden Legionsmauer nun dauerhaft als besichtbares Denkmal geschützt

Lange haben sie ein Mauerblümchendasein gefristet, die Regensburger Mauerreste aus der Römerzeit. Inzwischen sind sie aber aus ihrem Schattendasein ins Licht gerückt worden und haben einen Prestigeaufschwung erhalten, der ihnen und ihrer Bedeutung für die Stadt- und Landesgeschichte gebührt. Denn die Überreste des 179 n. Chr. am nördlichsten Donauknie errichteten Legionslager der 3. Italischen Legion sind keineswegs den anderen zahlreichen Überresten aus Römerzeit in Bayern zuzurechnen: Die beeindruckenden Steinbauten von Castra Regina waren auch die Keimzelle des bayerischen Stammesherzogtums der Agilolfinger nach dem Untergang des Römerreichs im Jahr 476. Schließlich galt der Ort gerade wegen seiner Mauern und Türme als uneinnehmbar: Ein guter Platz für eine Adelsfamilie, die vom nördlichen Rand aus eine Führungsposition im zügig zusammenwachsenden Stamm der Bajuwaren beanspruchte und errang.
Doch lange zwischen Abgasen und dem Rumoren von Motoren im Parkhaus am Dachauplatz ein trostloses Dasein fristend, diente die Südostecke des Legionslagers eher als Ablageplatz von Speiseresten nahe gelegener Imbissversorgungseinrichtungen denn als Erinnerungsort. Seit März ist dort Denkmalzone: Zusammen mit der nun architektonisch vom Parkhaus separierten Lagermauer (die Umwehrung des rund 25 Hektar großen Legionslagers war einmal zwei Kilometer lang gewesen) und der ebenfalls erhaltenen Nordostecke des Regensburger Kastellareals ist das „document Legionslagermauer“ entstanden. Man erinnerte bei der offiziellen Eröffnung des Denkmals auch an Horst Bergschneider, der sich Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre mit spektakulären Aktionen für den Erhalt der Mauer einsetzte.
Bewacht wird die einstige Parkplatzmauer von zwei Legionärsbildnissen am Eingang, „bestrichen“ wird sie in dunklem Raum von mildem Licht. Man kann an Ort und Stelle Filme und Informationstafeln über Bedeutung und Geschichte der Mauern sehen, die, sehr verkürzt gesprochen, je älter sind, desto näher sich ihre Steine an der Basis befinden. Der Blick schweift also von unten nach oben zugleich von den Zeiten des Gründerkaisers Marc Aurel über die Spätantike bis ins Mittelalter.
Die Forschung geht weiter, der Projektbeteuer Andreas Boos vom Historischen Museum der Stadt Regensburg spricht von „Geheimnissen, die die Mauer noch hat“.
Die Geheimnisse ihrer Römervorzeit bestaunen können jetzt die Regensburger und die Besucher einer Stadt, in der sich viele Zeitschichten noch heute im Stadtbild überlagern. Mit den „documenten“ – neben dem „document Legionsmauer“ gibt es noch die des Neupfarrplatzes, der Schnupftabakfabrik und des Reichstags – haben die Regensburger schon vier bedeutende Fenster in diese Vergangenheit aufgemacht. (Christian Muggenthaler)


Eine gute Zusammenfassung des Kampfs um die Legionsmauer in den 1950er/60er Jahren, des Hickhacks zwischen Stadt und einer Versicherungsgesellschaft, die dort bauen wollte unter http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_III/Geschichte/Alte_G/roemer/kapitel7/k7h1_ kamf.htm)

Abbildung (Foto: Boos)
Die Südostecke des einstigen Legionslagers Castra Regina ist jetzt ein geschützter Erinnerungsort.

 

 

 

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