Kultur

Edgar Reitz (85) wird bei einigen der Veranstaltungen im Nürnberger Filmhaus persönlich dabei sein. (Foto: dpa)

05.12.2017

Filmikone in Werkschau

Das Filmhaus Nürnberg zeigt Bekanntes und in Vergessenheit Geratenes von Edgar Reitz

Edgar Reitz ist einer der bedeutendsten deutschen Filmregisseure und ein Meister der Erzählkunst. Ihm widmet das Filmhaus Nürnberg im Januar eine umfassende Werkschau, mit der erstmals nahezu sein komplettes filmisches Schaffen in einer Retrospektive zusammengefasst und in neuen restaurierten und digitalisierten Fassungen präsentiert wird.

Mit seinen international gefeierten "Heimat"-Chroniken hat Edgar Reitz ein filmisches Epos geschaffen, das seinesgleichen sucht. Er hat damit nicht nur Filmgeschichte geschrieben, sondern gehört auch zu den großen Erzählern deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts. Im ersten "Heimat"-Zyklus geht es um die Familie Simon aus dem Hunsrück. Viele Zuschauer konnten sich mit dem Leben und Schicksal dieser Familie während und nach dem Zweiten Weltkrieg identifizieren, national wie international. "Heimat" war Mitte der 1980er Jahre eine der erfolgreichsten Filmreihen und wurde mit vielen Preisen geehrt. Es folgten "Die zweite Heimat", ein Rückblick in die bewegten 1960er- und 1970er Jahre, und "Heimat 3", die jüngste Episode deutscher Geschichte mit dem Mauerfall und der Immigration von Ost nach West. 2012 realisierte Reitz dann den großen Kinofilm "Die andere Heimat" über die Auswanderung der Hunsrücker nach Brasilien im 19. Jahrhundert.

Edgar Reitz' Werk umfasst mehr als 40 Dokumentar-, Fernseh- und Spielfilme, darunter auch "Mahlzeiten", der 1967 als bestes Erstlingswerk auf den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet wurde, "Die Reise nach Wien" (1973), "Stunde Null" (1977) und "Der Schneider von Ulm" (1978). Reitz war Unterzeichner des Oberhausener Manifestes von 1962, mit dem die Jungfilmer „Papas Kino ist tot“ proklamierten und ein neues, selbständiges und von der Förderung nicht gegängeltes Kino forderten.

Neben seiner Tätigkeit als Regisseur ist Edgar Reitz als Produzent und Autor tätig. Er hat zahlreiche Bücher, Texte und Essays verfasst, Fotobücher und literarische Fassungen seiner Filme gestaltet. Er wurde mehrfach mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet und ist Träger des italienischen David di Donatello - Luchino Visconti-Preises, des britischen BAFTA Fernsehpreises und des Silbernen Löwen von Venedig.

Vom 5. Januar bis zum 4. März kann man die Filme von Edgar Reitz in der großen Werkschau erleben und (wieder-)entdecken. Darunter finden sich Schätze wie frühe Kurzfilme oder die frechen "Geschichten vom Kübelkind" (1971/2017), die heute wie damals als „Kneipenkino“ vorgeführt werden: Die Zuschauer können sich aus einer „Film-Speisekarte“ das Programm selbst zusammenstellen. 

Begleitet wird die Werkschau mit Diskussionen und Vorträgen, Edgar Reitz wird viele Programmpunkte selbst vorstellen und für Gespräche mit dem Publikum zur Verfügung stehen. (BSZ)

Information: 5. Januar bis 4. März. Filmhaus Nürnberg, Königstraße 93, 90402 Nürnberg. www.filmhaus.nuernberg.de

Abbildung: Filmausschnitt aus Edgar Reitz' Kinofilm "Die andere Heimat" (2012)

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Kommentare (1)

  1. Admin vor 1 Woche
    Umfangreiche Informationen zu den Filmen der Heimatreihe von Edgar Reitz finden Sie unter Heimat-Fanpage.de

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