Kultur

Rassistische Verachtung und der Kampf dagegen als ausdrucksstarkes Maskenspiel. Die Ausstattung für "Soliman" stammt von Angela Loewen. (Foto: Traubenberg)

17.06.2011

Furcht vorm schwarzen Mann

Viel Applaus für "Soliman" am Mainfranken Theater Würzburg

Aufklärung schützt vor Missachtung mitmenschlicher Regeln nicht. Das lehrt die Geschichte des Schwarzafrikaners Angelo Soliman aus dem späten 18. Jahrhundert: Zuerst gesellschaftlich aufgestiegen als Freimaurer und Erzieher in Wien, landete er nach seinem Tod ausgestopft im Raritätenkabinett des österreichischen Kaisers. Im Mainfranken Theater Würzburg hielt nun die interessante Aufbereitung des Stücks Soliman von Ludwig Fels dem Publikum einen nachdenklich stimmenden Spiegel vor.
Die vielfach ausgezeichnete Regisseurin Eva Maria Höckmayr hatte sich hierfür ein mit Musik der Zeit (André Campra, Joseph Martin Kraus, Wolfgang Amadé Mozart) garniertes Maskenspiel ausgedacht. Die musikalische Leitung über ein homogenes Gesangsquartett der Hochschule für Musik und über die Kammermusiker vom Concerto Würzburg hatte Barbara Rucha; Ulrich Pakusch begleitete auf dem Orgelpositiv, Virginia Mukwesha steuerte mit der Mbira und mit Gesang afrikanische Klänge bei.
Gleich zu Beginn fielen, auf Podesten für die jeweiligen Träger platziert, überlebensgroße Schwell-Köpfe auf, in Gold für den Kaiser, fleischfarben „weiß“ für die Mitglieder der Wiener Gesellschaft und schwarz für den tierähnlichen Zoowächter Leo und für Soliman. Projektions-Texte informierten über den historischen Hintergrund. Davor hingen seltsam verschnürte Objekte von der Decke, sich allmählich senkend, entfernt an tote Wesen oder gewickelte Mumien erinnernd (Ausstattung: Angela Loewen).

Minderwertiger Besitz

Im Halbkreis stehen die weiß gekleideten sieben Schauspieler und warten auf ihre wechselnden Rollen. Sie treten vor und wenn sie einen unförmigen Kopf überstülpen, verwandeln sie sich, je nach Maske, in einen jeweils anderen, bewegen sich grotesk wie missratene Gestalten, nehmen deren Haltung und Sprache an. Graf und Baron sind sich einig in der rassistischen Verachtung des „Mohren“ Soliman, machen ihn lächerlich, behandeln dessen weiße Frau beleidigend als Hure, der Hofmaler betrachtet ihn als Kunstobjekt, der Kaiser als gesellschaftlich minderwertigen Besitz.
Aber Soliman besteht darauf, dass er ein freier Mann ist, er liebt seine Gattin Magdalena sehr. Leo leidet an der diskriminierenden Behandlung, während Soliman sie eher passiv erduldet. Doch das Kinderspiel „Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann“, ein immer wiederkehrendes Motiv der Aufführung, bedeutet kein harmloses Spiel für die Betroffenen, es steigert sich sogar bis zum makabren Ende. Denn in kurzen Szenen wird deutlich, dass unter dem Deckmantel einer scheinbar menschenfreundlichen und wissenschaftlich interessierten Gesellschaft eine inhumane Gesinnung lauert. Langer Beifall. (Renate Freyeisen)

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