Kultur

Subtil in Szene gesetzt: Der Ovalsaal, wo sich einst das fürstbischöfliche Operntheater befand und wo jetzt vor allem Tiepolos Altarbild mit der Steinigung des hl. Stephan die Blicke auf sich zieht. (Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen)

02.12.2016

Geniales Arrangement

Am heutigen Freitag wird die renovierte Staatsgalerie Würzburg wiedereröffnet

Nobel, erlesen und kostbar präsentieren sich die neu gestalteten Räume der Zweiggalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen im Nordflügel der Würzburger Residenz. Die schimmernde Seidenbespannung der hohen Wände, in den Zimmern abwechselnd in sanftem Grünlich-Grau oder in warmem Gelb gehalten, dazu die indirekte Beleuchtung über den weißen Stuckleisten an der Decke betonen die großzügige Architektur, bringen die Gemälde zum Strahlen.

Die ausgewählten Bilder aus den großen Jahrhunderten der venezianischen Malerei vom 16. bis 18. Jahrhundert fallen nun viel pointierter, viel stärker ins Auge als vorher. Ganz abgesehen davon, dass der Bestand der gezeigten Gemälde deutlich reduziert wurde, dass spektakulär Neues dazukam und dass sich die Hängung in den einzelnen Räumen auf besondere Themen konzentriert.

Tiepolos Umfeld

Der Betrachter, der vom Treppenhaus oder Kaisersaal kommt und dort die wunderbaren Fresken des Giovanni Battista Tiepolo bestaunt hat, taucht in den intimeren Galeriezimmern quasi in den Umkreis und die Basis dieser so prächtigen Malerei ein, erfährt, was Kollegen und Vorläufer der beiden Tiepolo geschaffen, womit sie sich beschäftigt haben.

Wer also das erste Galeriezimmer betritt, sieht sich zuerst konfrontiert mit einer Reihe von 14 Bildnissen von osmanischen Sultanen aus der Veronese-Schule – Beispiele dafür, dass die Künstler damals Exotisches, Orientalisches reizte. Eine zwischen den Fenstern platzierte Büßerin Maria Magdalena aus der Schule von Tizian verweist auf Biblisches, das schöne Porträt des wohlhabenden deutschen Kaufmanns Leonhard Herrmann von Leandro Bassano (1575), Konsul in Venedig, auf den Reichtum der Lagunenstadt.

Das führt weiter in den zweiten Raum mit einem Architekturcapriccio von Marco Ricci und venezianischen Volksszenen, gemalt von Joseph Heintz d. J,. und dem extrem breitformatigen, figurenreichen Gemälde von Luca Carlevaijs über den Empfang der venezianischen Gesandten am Tower in London – es ist wie das letzte Aufblitzen der prunkvollen Geschichte der Republik Venedig.

Mit dem dritten Raum und Hercules und Omphale, wohl von Bencovich, Danae und Perseus sowie Amor und Psyche von Bellucci ist ein weiteres wichtiges Thema angeschlagen: die antike Mythologie. Durch die Andachts- und Historienbilder, Allegorien und Porträts und die Einblicke in das glanzvolle Leben der Lagunenstadt nimmt der Betrachter etwas auf vom Geist und der Bedeutung dieser Kunstmetropole.

Beim Weiterschreiten in den Ovalsaal, wo sich einst das fürstbischöfliche Operntheater befand und der heute auch als Veranstaltungsraum genutzt wird, nimmt ein neu hinzugekommenes, riesiges, ehemaliges Altarbild der Abteikirche von Kloster Münsterschwarzach gefangen. Es stammt von Giovanni Domenico Tiepolo und stellt die dramatische Szene der Steinigung des hl. Stephanus sehr drastisch dar.

Effektvoll inszeniert

Neben den restaurierten Andachtsbildern an den Seiten von bedeutenden venezianischen Malern fallen zwischen den Fenstern die vier Tugend-Allegorien aus der Veronese-Schule auf. Zwei sanft leuchtende Gemälde des Giandomenico Tiepolo, Christus und Maria Magdalena sowie Das Abendmahl, recht effektvoll inszeniert, dominieren den nächsten Raum, bevor mit dem Gemäldepaar seines Vaters Giovanni Battista Tiepolo, Rinaldos Trennung von Armida und Rinaldo im Zauberbann der Armida, nach Torquato Tassos Dichtung vom befreiten Jerusalem, ein Höhepunkt und zugleich Abschluss erreicht ist, der den ganzen Reichtum an Kolorit, bewegter Darstellung des Menschen und seiner Einbindung in Architektur und Landschaft, befördert durch eine stets neu angeregte Fantasie, in der venezianischen Malerei aufs Eindrücklichste belegt. (Renate freyeisen)

Information: Staatsgalerie, Residenzplatz 2, 97070 Würzburg. Bis März: täglich 10-16.30 Uhr, ab April täglich 9-18 Uhr.
www.pinakothek.de/besuch/staatsgalerien

Abbildung:
Bildnis des Sultans Orchard II von Paolo Veronese (Werkstatt oder Nachfolge).    (Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen)

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