Kultur

Textilbild mit Text: Eines der gewebten Bilder (50 x 50 cm) von Hanns Herpich aus seiner Serie "Genesis" (2004). Der Schriftzug entsteht durch subtile Veränderungen der Webstruktur. (Foto: Richard Beer)

25.04.2014

Gewebte Phantasie

Arbeiten des Textilkünstlers Hanns Herpich in der DG-Galerie

Der Lebenslauf von Hanns Herpich (1934 geboren) hat etwas vom american way of life: Er führt vom Weberpraktikanten aus Konradsreuth bei Hof zum Präsidenten der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Eine erste maßgebliche Station (grundlegend war freilich die Faszination, die auf Herpich von den Webstühlen seines Heimatortes ausging) war die Textilfachschule im oberfränkischen Münchberg. Nach seinem Studium dort wird er Assistent, dann Fachlehrer für textile Gestaltungstechniken und legt seine Meisterprüfung im Weberhandwerk ab.
Zugleich erfolgt eine Weichenstellung von der klassischen Bildweberei hin zur Textilkunst mit dem Streben nach geometrischer Abstraktion à la Josef Albers (1888 bis 1976, Maler und Kunsttheoretiker). 1964 kommt Herpich als Leiter der Studienwerkstätten für Färben, Weben und Textildruck an die Nürnberger Akademie. Er öffnet sich den neuen Möglichkeiten, die eine elektronisch gesteuerte Webtechnik bietet, wird zum Pionier auf diesem Gebiet.
Auch entdeckt Herpich für sich das textile Gestalten von Räumen. Es entstehen die für ihn typischen Wand-, Decken- und Raumobjekte in den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Bayreuth oder der Fachhochschule Hof. Dadurch wird Herpich bekannt – es folgen zahlreiche Aufträge zur Gestaltung von Konferenzräumen, Rathaussälen, Klinikkapellen, Kirchen im In- und Ausland. Daneben schafft er unermüdlich an seinen freien Arbeiten, die regelmäßig international in Einzel- oder Gruppenausstellungen zu sehen sind.
Herpich initiiert 1986 die Werkbund-Werkstatt Nürnberg und übernimmt für fünf Jahre den Vorsitz im Deutschen Werkbund Bayern. 1990 wird er auf den Lehrstuhl für Textilkunst an der Akademie in Nürnberg berufen. Schon im folgenden Jahr wählt man Hanns Herpich dort zum Vizepräsidenten und 1995 zum Präsidenten.

Werdegang des Menschen

In der Münchner Ausstellung, mit der die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst auch ihren langjährigen zweiten Vorsitzenden ehrt, sind von Herpichs freien Arbeiten Gewebe-Bilder aus den Serien Genesis (2004) und Verschwinden (2006) zu sehen, auch das ebenfalls maschinelle Text(il)bild Kommen Bleiben Gehen (2007), das den menschlichen Werdegang thematisiert. Im gleichen Raum hängt das handgewebte Bild Drei Schichten (1999). Im Kabinett ist als erlebbares Beispiel für Herpichs Raumobjekte die Installation Durchdringen (2006) gespannt.
Sie leitet über zur Fotodokumentation von Arbeiten im öffentlichen und sakralen Raum. Hier zeigt sich das Spektrum vom stark strukturierten Wandteppich der Universitätskapelle Erlangen (1985) über das Wandobjekt des Sitzungssaals im Nürnberger Rathaus (2003) bis zur textilen Kapellenapsis der Unfallklinik Murnau (2007). (Lothar Altmann)

Bis 6. Juni. Galerie der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst, Türkenstraße 16, 80333 München. Mo. bis Fr. 14 – 18 Uhr. www.dgfck.de

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