Kultur

Funkelnder Sommerabend: 90.000 Besucher kamen zum Nürnberger Klassik-Open Air. (Foto: Uwe Niklas)

27.07.2015

Heiße Schläge

90.000 Besucher beim Nürnberger Klassik Open Air, bei dem Star-Percussionist Martin Grubinger begeisterte

 90.000 Wunderkerzen brennen beim größten Klassik Open Air der Welt - 90.000 Besucher jubeln Martin Grubinger zu, dem Stargast und Multi-Percussionisten aus Salzburg. Nürnbergs Luitpoldhain ist eine tolle Natur- und die Staatsphilharmonie unter GMD Marcus Bosch die richtige Klangkulisse für dieses Franken-Event. „2oth Century Classics“ hieß das Programm: Bernsteins „Candide“-Ouverture, Aram Katschaturians „Maskerade“-Suite, eher old fashioned zwischen Walzer und Galopp, und ein Mix aus Schostakowitschs „Jazz-" und der „Varieté“-Suite waren ein  hübscher Rahmen. Sie klangen ein bisschen nach Kurkonzert oder Petersburger Schlittenfahrt und ließen zwischendurch Zeit für einen Griff in die mitgebrachten Picknickkörbe.

Grubinger dagegen, der mischt den ganzen „Percussive Planet“ und die Klassikwelt auf: alle Orchester, alle Dirigenten wollen mit dem Schlagzeuger spielen, berühmte Komponisten (und er selbst) erfinden immer neue Schlagzeug-Stücke für ihn. Und können dabei ins Volle greifen: 500 Instrumente hat er bei sich zuhause, 400 davon kann er auch spielen.

Jetzt in Nürnberg war einiges davon aufgebaut. Aber ganz leise fängt er an: „Tränen der Natur“ heißt ein Konzert von Tan Dun - Grubinger klopft  zu Harfentönen mit ein paar Steinen aufeinander. Langsam, düster, mit Bläserbegleitung schlägt sich das Dun-Konzert mit einem „grünen“ Hintergrund in düstere Klangkonvulsionen hinein. Explodiert aber schließlich in einer Art Trommel-Kadenz, bis es wie in einem buddhistischen Tempel klingelnd verhallt.

Raffinierter, attraktiver, virtuoser dann Avner Dormans „Frozen in time“: Grubinger mitten in Marimbaphon, Kuhglocken und allem, was Krach macht. Das waren die Klänge, aus denen Schlagzeuger-Träume sind. Mit traumhafter Schlagtechnik dann noch das Marimbaphon-Konzert von Keiko Abe. Die Percussion-Kollegin von Grubinger hat viele Gefühle in den Schlagwerkwirbel hineinkomponiert.

Die Staatsphilharmonie hält unter Bosch gut mit: bei solchen atemberaubenden Schlagfolgen, vertrackten Rhythmen und mit dem grandiosen Grubinger. Was bei der „Tour“ in Paris zu später Stunde schon wieder aufgehört hatte, ein leiser Regen fiel  in Nürnberg dann doch  über Maurice Ravels „Bolero“ hernieder und kühlte zumindest auf dem Klassik-Rasen die Emotionen langsam wieder ab. Trotzdem: Es war ein Sommernachtstraum. (Uwe Mitsching)

 

 

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