Kultur

Festlich zur Hochzeit ging es in diesem Brautkobel. (Foto: Museen der Stadt Landshut)

12.12.2014

Landshuts goldenes Zeitalter

Eine Ausstellung entführt in Bayerns Vergangenheit, als in Niederbayern die Reichen Herzöge regierten

Die Wittelsbacher haben als Landesherren Bayerns lange durchgehalten – trotz vieler Landesteilungen. Erst ab dem beginnenden 16. Jahrhundert setzte sich die Primogeniturordnung durch: Der älteste Sohn erbte alleine. Und München wurde die Landeshauptstadt. Vorher hatte das Land bis zu vier Hauptstädte mit jeweils eigenen regierenden Landesfürsten: Neben München waren das Ingolstadt, Straubing und Landshut.
Die Museen der Stadt Landshut widmen sich nun mit der Ausstellung Das goldene Jahrhundert der Reichen Herzöge dieser Zeit der so genannten letzten bayerischen Landesteilung, die von 1392 bis 1505 dauerte.
In der spätgotischen Heilig-Geist-Kirche ist nun ein horizontaler Zeitschnitt rund um die Landshuter Hochzeit zu sehen. Wie, lautet eine der Kernfragen, hat es Anno 1475 in Bayern ausgesehen, als Georg, der Herzog von Bayern-Landshut, Hedwig von Polen in pompösem Zeremoniell heiratete? Auf jeden Fall vielfältig.
Seit geraumer Weile hat sich die Geschichtswissenschaft davon verabschiedet, Landesteilungen als Manko anzusehen. Für die Landesentwicklung, den Städtebau, die Kultur, den Aufbau einer gut funktionierenden Verwaltung, war eine solche Aufteilung der Territorien sogar vorteilhaft. Man bekommt in der Ausstellung eine Ahnung von Reichtum und Prunk jener Zeit: Man sprach nicht ohne Grund von den Reichen Herzögen Heinrich, Ludwig und Georg.

Weniges aus dem Alltag

In der Ausstellung sieht man Exponate aus den vier Herzogtümern: Wasserspeier aus Straubing, Grabungsbefunde aus Ingolstadt, ein München-Panorama aus der Schedelschen Weltchronik. Die Exponate werfen aussagekräftige Schlaglichter auf die Residenzstädte des 15. Jahrhunderts. Es ist keine überfrachtete Ausstellung – so viel ist auch gar nicht übrig geblieben aus jener Zeit. Vor allem Fundstücke, die die Alltagswelt der Bürger zeigen könnten, sind rar.
Einige wenige Lederschuhe, Keramiken, Holzpfähle und große Kieselsteine, die mal als Fundamente dienten, sind wieder ans Tageslicht gekommen. Immerhin haben Dokumente und die Stadtarchäologie aller Orten gezeigt, dass im 15. Jahrhundert ein wahrer Bauboom geherrscht hat. Nachdem sich die Landshuter des Teilherzogtums Bayern-Ingolstadt bemächtigt hatten, investierten sie ab 1447 auch dort kräftig. Das Wechselspiel Herzog-Bürgertum prägte damals den Alltag in den Städten.

Pittoreske Hülle

Gezeigt werden auch die Ebenen der internationalen Beziehungen und Kulturtransfers, Verbindungen Straubings zu Holland, von Ingolstadt zu Frankreich, Reisen beispielsweise des Landshuter Marschalls Ulrich von Breitenstein nach Jerusalem. Dessen Grabstein hat der Verein der Förderer, der die Rückkehr einer frühneuzeitlichen Fürstenhochzeit alle vier Jahre so authentisch wie möglich aufzuführen pflegt, zusammen mit anderen Grabmonumenten zur Wiederherstellung zeitgenössischer Rüstungen und Harnische genutzt.
Denn die Re-Inszenierung der Vergangenheit bei der Landshuter Hochzeit (die nächste findet 2017 statt), basiert auf den Bildern und Funden der Vergangenheit. es ist aber nur eine Hülle, die von der Vergangenheit bleibt – und die ist natürlich äußerst pittoresk. Aber derlei Hüllen-Prunk ist wiederum ein weiteres Signum des Zeitalters, wie die Ausstellung demonstriert. Denn solche nach außen gewandte Bilder und Zeichen von Reichtum und Macht bedienten eine stark in Symbolik lebende Zeit. Stammbäume, Genealogien, sakrale Exponate in Gold und Glanz beweisen das hinlänglich.
Man bekommt als Gesamteindruck das Bild einer Stadt, die im Zentrum europäischer Politik stand, deren Herzöge sich eines besonderen Reichtums und Glanzes erfreuten und deren Bürger am Boom teilhatten. (Christian Muggenthaler)

Bis 1. März. Heiliggeistkirche, Landshut. Di. bis So. 10 – 17 Uhr.
www.landshut.de > Kultur

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