Kultur

Asger Jorn, Festgenagelte Visionen, 1965 Öl auf Leinwand. (Foto: GALERIE VAN DE LOO PROJEKTE)

22.09.2014

Maler-Orgie in München

Werke von Asger Jorn in der Galerie van de Loo Projekte

Eine „malerische orgie“ wollte er  haben, als ihn der Galerist Otto van de Loo nach München einlud. Die bekam Asger Jorn auch, als er dort in die Kreise der Gruppe SPUR, der situationistischen Internationale, der jungen Wilden der frühen sechziger Jahre eintauchte. Diese wilden Gesellen, unter ihnen Lothar Fischer, Heimrad Prem, lud er dann zu sich nach Skandinavien ein (auch ein bisschen zum politischen Untertauchen) und wurde  zur prägenden Vaterfigur für die Malerei zwischen Resten des Gegenständlichen und der Wende zum Abstrakten: chic in  Lederjacke und mit der Zigarette zwischen den Fingern. 100 wäre Jorn dieses Jahr geworden, jetzt gibt es überall Geburtstagsparties für ihn: in Kopenhagen, bei „van de Loo-Projekte“ in der Münchner Gabelsberger Straße, nächstens im Museum Lothar Fischer (Neumarkt), auch die Nach-Jorn-Generation erinnert sich von Marseille bis Hamburg an diesen Vater ihrer Kunst.

An Resten von Gegenständlichem seine Gedanken festmachen

 Jetzt ist bei van de Loo ein ganzer Tisch voll mit Jorn-Literatur zu sehen: über den „ruhelosen Rebell“, dessen „Orgie“ der Farben man schon in den SPUR-Ausstellungen begegnet war. Und die man jetzt im Original sieht: Da genügen auch die wenigen Ölbilder, Aquarelle, Drucke, die die kleine Galerie mit dem großen Fundus zeigen und anbieten kann. Allein schon die drei faszinierenden Aquarelle vermitteln einen treffenden Eindruck von Jorns Kunst: das Gelb des „Sonnenfracks“ als Erbe von Kandinskys „Der gelbe Klang“, der Blick aus der Vogelschau auf die „Glücksinsel“, die „Tintenliebe“ mit ihren zwei dunklen Aliens, zwischen denen sich glückliches Lindgrün wie Gas ausbreitet. Das alles schickt einen, und die großen Ölbilder zumal, auf die Reise in die Welt jener die Kunstszene in Deutschland sprengenden Jahre: man spürt Motiven nach, die die traditionelle Malerei nie hätte darstellen können oder wollen, Resten von Gegenständlichem, an denen man seine Gedanken festmachen kann. Allein mit solchen Bildern wie „Fredlos“ von 1965, das schon in der Frankfurter Schirn-Kunsthalle oder der Münchner Pinakothek der Moderne zu sehen war, taucht man in einen ganzen Kosmos ein. Und freut sich vorbehaltlos auf die Fortsetzungen dieser Münchner Schau: nicht nur in Neumarkt und Emden, sondern auch im Münchner November, wo van de Loo-Projekte noch eine Fortsetzung verspricht. Bis dahin ist man vielleicht auch mit der Literatur über und von Asger Jorn weiter gekommen: mit seinen Gedanken über die Ordnung der Natur, über das Spiel von Heil und Zufall. (Uwe Mitsching)

(bis zum 18.10., Mi-Fr 11-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr; GALERIE VAN DE LOO PROJEKTE
Gabelsbergerstraße 19, 80333 München)

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