Kultur

27.03.2015

Oberammergau unter NS-Herrschaft

Eine Sonderausstellung zeigt, wie sich der Schnitzer- und Touristenort veränderte

Die Entwicklung Oberammergaus im Dritten Reich ist in vieler Hinsicht exemplarisch, hat aber auch typische Besonderheiten, wie das Oberammergau Museum in der Sonderausstellung NS-Herrschaft und Krieg. Oberammergau 1933 – 1945 ausführlich zeigt.
Zunächst prägten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Aufrüstung das Dorfbild: Es gab umfangreiche Bauprogramme wie die Ammerregulierung, den Siedlungsbau in St. Gregor und den Kasernenbau, durch den Oberammergau zum Wehrmachtsstandort wurde. Zunehmend wurde der Ort auch wegen der Passionsspiele propagandistisch vereinnahmt. In den typischen Ferienort kamen auch jüdische Familien – bis 1935. Dann wurde die „Arisierung“ des Fremdenverkehrs sowie die Diskriminierung und schließlich Vertreibung der jüdischen Bevölkerung auch dort Realität.
Dann veränderte der Krieg die Bevölkerungsstruktur grundlegend. Nach auswärtigen Bauarbeitern und Wehrmachtssoldaten kamen Evakuierte, Rückwanderer und Zwangsarbeiter, die auch in den Rüstungsbetrieben arbeiten mussten. Insgesamt waren in Oberammergau neun Rüstungsbetriebe angesiedelt, die Firma Osram etwa hatte ein Lampenlager im Passionstheater.
Das Kriegsende und die Übergabe des Dorfes an die Amerikaner verlief weitgehend friedlich. Militär und SS waren bereits abgezogen und Oberammergau hatte sich mit der Wehrmachtskommandatur in Garmisch geeinigt, dass eine Verteidigung nicht stattfinden sollte. Bei dem sinnlosen Unterfangen junger Offiziersschüler am hinteren Ortsausgang Oberammergaus eine Panzersperre gegen die US-Amerikaner zu verteidigen, fanden dennoch sechs Menschen den Tod.
All dies spiegeln in der Ausstellung nicht nur Fotographien, Dokumente, Filmaufnahmen und Zeitzeugeninterviews wieder, sondern auch die für Oberammergau so typischen Schnitzereien der Zeit: Zum einen wurden statt Krippen- und Heiligenfiguren seit 1940 mehr und mehr Arm- und Beinprothesen hergestellt. Zum anderen prägte anfangs die NS-Ästhetik, die Anpassung an die veränderte Nachfrage und die Glorifizierung des Soldatentums das Schnitzhandwerk, dann jedoch manifestierten sich Erfahrung von Krieg, Gefangenschaft, und Leid im geschnitzten Holz. (BSZ)

(4. April bis 8. November. Oberammergau Museum, Dorfstr. 8, 82487 Oberammergau. Di. bis So. 10 – 17 Uhr. www.oberammergaumuseum.de)

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