Kultur

Will mehr als immer nur Bach oder Monteverdi spielen: Jakob David Rattinger. (Foto: BSZ)

23.08.2013

Oberbayerns kleiner Diamant

Jakob David Rattinger veranstaltet in Schrobenhausen die „Tage der Barockmusik“

Nach „Reisen“ sind es 111 und nach „Rattinger“ in der entgegengesetzten Richtung 181 Kilometer – zumindest auf dem Wegweiser im Booklet zu Jakob David Rattingers neuer CD. Die heißt polyglott Voyages und Reisen: From Germany to France, und da spielt der Gambist Rattinger (geboren in Österreich, Studium in Graz, Nürnberg, Wien und Basel) das, was er auch sonst am liebsten spielt: Barockmusik. Nicht auf Reisen, sondern der Liebe wegen, wie er immer wieder kokett betont, sei er im oberbayerischen Spargel-Schrobenhausen hängen geblieben, der Lenbach-Stadt – sonst ohne musikalische Ambitionen. Das hat sich seit fünf Jahren geändert, denn da veranstaltet Rattinger seine Tage der Barockmusik. Nächstes Mal wieder vom 30. August bis zum 8. September. Im Gewinkel von Schrobenhausens Altstadt hat er der Staatszeitung darüber berichtet.

Barock statt Spargel

Der Kern dieser Woche ist nach wie vor ein Seminar: für Berufsmusiker, Studenten und ambitionierte Laien. In Burghausen hatte Rattinger so etwas schon ausprobiert. Jetzt kommen 20 Teilnehmer nach Schrobenhausen und werden von vier Dozenten unterrichtet. Das sind zwar weniger, als im vorigen Jahr, aber den großen Zuwachs hat Rattinger dafür in der Resonanz durch das Schrobenhausener Publikum: 2012 mit zirka 550 Besuchern, 2013 erwartet er rund tausend. Das hat mit dem gefestigten Ruf dieser Barockwoche zu tun, aber auch mit dem besonderen Angebot in diesem Jahr. Denn da gibt es auf dem Museumsplatz des Pflegschlosses eine commedia dell’arte. Ludowig und Rosalind heißt das Stück, das das Drei-Schauspieler-Ensemble Narrattak spielt, und Rattinger hat für sein Festival noch eine Spielstätte dazugewonnen.

Barock-Theater soll überhaupt das Thema dieses Jahres sein: Dido und Aeneas von Henry Purcell gibt es halbszenisch an gleicher Stelle, Ann Allen inszeniert, Rattinger dirigiert. Parallel dazu dann täglich die Seminare, wo die Teilnehmer von Dario Luisi aus Ligurien (Barockvioline), Julian Behr (Lauteninstrumente), Martin Müller (Cembalo) und natürlich vom Gambisten Rattinger unterrichtet werden.

Nach Schrobenhausen kommen die Dozenten, weil sie mit Rattinger zusammenarbeiten wollen, weil er ihnen Schrobenhausen als „barockes Städtchen“ offeriert und mit ihnen zusammen einen „kleinen Diamanten“ in der hiesigen Kulturszene schleifen will. Ansonsten ist in der näheren Umgebung nicht viel: Die Residenzstadt Neuburg/Donau ist schon im nächsten Landkreis, und weiter südlich ist eher der Hopfen das Thema. Aus Schrobenhausen selbst nimmt niemand am Seminar teil, dafür aus Rest-Deutschland, Südeuropa und Österreich. Die Musiker müssen ihr Instrument beherrschen und sollen durch die Kurse ihre Spielweise verfeinern.

Die Festivalkonzerte (dieses Jahr mit Händels Feuerwerksmusik) spielen die Seminarteilnehmer allerdings nicht mit, das ist Sache eines 27-köpfigen Projektorchesters, das Rattinger aus ganz Europa zusammenholt. „Alles hochklassige Barockmusiker“, weiß er schon jetzt, denen zwei Probentage genügen. Mit der Gründung eines festen Barockorchesters, die nach der Aufführung der Wassermusik 2012 in den Köpfen war, dauert es noch. Aber hier, mitten in Bayern, wäre das auch mit der entsprechenden Organisationsstruktur gut aufgehoben – Start vielleicht 2014 in Schrobenhausen. Dort könnte sich Rattinger zwei bis drei Konzerte pro Jahr vorstellen, der Rest dann über ganz Bayern verteilt.

Vielleicht könnte er durch die Konzerte auch all die unbekannten Komponisten aufführen, die ihm im Kopf herumschwirren, die aber kein Veranstalter im Programm haben will: „Die wollen immer nur Monteverdi oder Bach. Die Alte-Musik-Szene bewegt sich zu wenig, dabei würden wir gerne viel ausprobieren.“ Einen Begriff davon gibt sein Gambe-Spezialgebiet und die CD, auf der drei deutsche vier französischen Komponisten gegenüberstehen. Etwa der letzte große Gambist Carl Friedrich Abel, dessen Vater in Köthen bei J. S. Bach gespielt hat, im Vergleich mit dem französischen Triumvirat der Gambe Marin Marais, Louis de Caix d’Hervelius und Jean-Baptiste Forqueray. Das ist dann wie ein Konzept für Schrobenhausens Barocktage: von und für Spezialisten, aber mit Ausstrahlung auf das begeisterte Barock-Publikum. (Uwe Mitsching)

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