Kultur

„Ich kriege Gänsehaut, dass ich so nahe an den Sängern sein kann“, schwärmt Rosenmüller. (Foto: dpa)

02.04.2015

"Rossini passt zu meinem Charakter"

Der Filmemacher Marcus H. Rosenmüller über sein Debüt als Opernregisseur

Schon sein erster Kurzfilm Nur Schreiner machen Frauen glücklich (1998) sei irgendwie eine Operette mit bayerischen G’stanzln gewesen, überlegt Marcus H. Rosenmüller. Jetzt sind 17 Jahre vorbei – inzwischen hat er fast genauso viele Filme gedreht. Und dafür den Bayerischen, den Deutschen Filmpreis und vieles mehr abgeräumt. Jetzt ist Rosenmüller bei der Oper angekommen: Der gebürtige Tegernseer und Nockherberg-Singspiel-Leiter inszeniert die Rossini-Oper Le Comte Ory, es ist eine Produktion des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper, Premiere ist am 12. April im Cuvilliés-Theater.
Was hat den Filmemacher zur Oper verführt? Ein Opernabonnement gab es bei den Rosenmüllers in Hausham nicht, ein regelmäßiger Operngänger war Marcus auch in seiner Studienzeit an der Hochschule für Fernsehen und Film nicht. Aber bei den letzten Münchner Opernfestspielen, da hat ihn Written on Skin sehr beeindruckt, erzählt er, und in Paris hat er sogar Die Götterdämmerung überstanden. Aber entscheidend waren die Anfrage der Intendanz und Rosenmüllers Einstellung: „Ich probiere gern was aus. Alles, was zum Nachdenken anregt, ist mir wichtig und interessant.“
Vor allem: „Ich hatte das Bedürfnis, in die Oper einzutauchen.“ Vielleicht weil er schon immer gern gesungen hat, gerne noch gründlich Gitarre lernen will und überhaupt die Verbindung von Musik und Handlung mag. Noch dazu hat ihm die Musik von Rossini gleich gelegen: „Die passt zu meinem Charakter, da muss ich mich überhaupt nicht verbiegen. Mit einer Komödie möchte ich den Zuschauern auch Mut machen, schwere Zeiten in ihrem Leben zu bestehen.“ Da war bisher schon in seinen Filmen so.

Verwegene Charaden

In Gioacchino Rossinis später komischer Oper Der Graf Ory (1828 in Paris uraufgeführt und teilweise mit der Musik aus Il Viaggio à Reims) sieht Rosenmüller „viel Unterhaltungswert“, da gefällt ihm mitunter das Boulevardeske einer Verkleidungskomödie. Bei der bleibt dem liebestollen Grafen trotz aller verwegenen Charaden am Ende nichts anderes übrig als die Fliege zu machen und die angebetete Comtesse Adèle wieder ihrem treusorgenden Bruder zu überlassen – auf Dauer?
Bei Rossini spielt das alles während der Kreuzzugszeit und auf einer französischen Burg – bei Rosenmüller und seiner Bühnenbildnerin Doerthe Komnick auf einer abgeschlunzten Bowlingbahn, wo der abgehalfterte Rockstar Ory den Weiberröcken nachstellt. Ein Rockidol, die Jagd nach Liebe als Sport und Spiel: Das waren die Ausgangspunkte für Rosenmüllers Regiekonzept – kein Wunder bei der rekordverdächtig schnellzüngigen Musik von Rossini. Und sich verkleiden, „das machen wir doch alle dauernd im Leben und spielen immer wieder neue Rollen.“ In all den Boulevard möchte Rosenmüller die wirklich wichtigen Themen des Lebens einflechten: auch die Sehnsucht nach Verführung, die Abwägung der Konsequenzen.
Viel interessanter als für einen Routinier sind für den Opernneuling Rosenmüller die Proben. Denn die sind ganz anders als im Film: nicht schwieriger als am Filmset, „aber wenn ich ein Drehbuch schreibe, läuft alles schon in meinem Kopf ab. Die Bilder aus dem Kopf setze ich dann in den Film um, die Szene ist im Kasten, wir können am Schneidetisch noch ein halbes Jahr lang ändern, Musik kommt erst später dazu.“ In der Oper aber sind Libretto und Partitur zumindest anfangs wie ein „Korsett“ für ihn – „was ich aber nicht negativ meine“. Da ist nichts endgültig „im Kasten“ bis zum Premierenabend, an dem sich erst alles entscheidet. „Was man bei den Proben vor zehn Tagen besprochen hat, muss immer wieder präsent gemacht werden.“

Verständlich für alle

Es kommen die Tipps der ukrainischen Dirigentin Oksana Lyniv (Assistentin von GMD Petrenko) dazu. Genauso wie Rosenmüller möchte sie, „dass sich auf der Bühne was rührt“, die Sänger nicht nur an der Rampe stehen und sich aufs Singen konzentrieren. Da kommt den beiden die Spielfreude der Opernstudio-Leute entgegen: „Ich kriege Gänsehaut, dass ich so nahe an den Sängern sein kann und ziehe meinen Hut vor ihrer Leistung.“ Am Ende soll sich das Publikum von der Musik „wie umarmt fühlen“: „Wir machen Oper, die nicht elitär ist, sondern verständlich für alle: mit Abenteuer und Verführung“, lockt Marcus Rosenmüller. (Uwe Mitsching)

Premiere von Le Comte Ory ist am 12. April im Cuvilliés-Theater.

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