Kultur

Arizona, für Bernd Zimmer in leuchtenden Farben. (Foto: Kohl)

07.03.2014

Schöpfer mit Kettensäge

Das Museum Moderner Kunst Passau zeigt, wie Bernd Zimmer eine zweite Natur erschafft

Aus der Hochwasserkatastrophe des letzten Sommers hat man im Museum Moderner Kunst in Passau Konsequenzen gezogen: ein neuer Boden für den Eingangsbereich, die Einrichtung ist mobil. Dass Bernd Zimmers Bilder in dieser Ausstellung sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Wasser beschäftigen, ist Zufall.
Für Bernd Zimmer (1948 geboren) , der zusammen mit Salomé, Rainer Fetting und Helmut Middendorf zu den Begründern der „heftigen Malerei“ Ende der 1970er Jahre in Berlin gehörte, ist der Expressionismus nur eine Quelle seiner Naturdarstellung. Himmel, Erde, Luft und Wald und ihre Verwandlung durch den Zugriff des Malers benennt er als die eigentlichen Phänomene, die ihn dauerhaft beschäftigen.
Im Vordergrund stehen die Farben: Es sind leuchtende, lichtstarke Farben, durch die er Natur in Bilder verwandelt. Die Form entsteht durch das Spiel von Licht und Schatten, von Durchblicken und Zusammenschlüssen der Farbe, die an der Bildoberfläche aufreißen kann wie Wolken, die das Sonnenlicht oder Blitze freigeben. Spiegelungen im Wasser, Reflexe im Laub von Bäumen, imposante Wolkenformationen sind die Motive, die Bernd Zimmer zu spektakulären Farbereignissen werden lässt.
Eindrucksvoller noch sind die großformatigen Holzschnitte, die er in tänzerischer Leichtigkeit mit der Kettensäge in die Fläche zaubert. Wie die großen Leinwände bearbeitet er auch die Hölzer auf dem Boden lagernd. Man sieht es den Blättern an, dass hier ein Künstler am Werk ist, der die Kettensäge so leichthändig handhabt, als hielte er einen Stift oder einen Pinsel in Händen. Das grobe Werkzeug scheint die Oberfläche kaum berührt zu haben, so subtil differenziert ist die betont malerische Anmutung dieser Blätter, die mehrmals eingefärbt und weiterbearbeitet werden. Zumeist werden sie im Handabzug in geringer Auflage hergestellt, großformatige Abzüge existieren nur als Unikate – es ist eine zusätzliche Betonung des Malerischen, dass der Holzschnitt nicht vorwiegend als Vervielfältigungsmethode genutzt wird.
Bernd Zimmer, der in Oberbayern, Italien und der Uckermark Ateliers hat, studierte Philosophie und Religionswissenschaften an der Freien Universität Berlin. Auf seinen vielen Reisen hat er die Welt in den Blick genommen, die Landschaft ins Auge gefasst, um sie dann, im Atelier, in Bilder zu verwandeln – in eine Zweite Natur, wie die Ausstellung so treffend heißt. (Ines Kohl)

Bis 6. April. Museum Moderner Kunst, Bräugasse 17, 94032 Passau. Di. bis So. 11 – 17 Uhr. www.mmk-passau.de

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