Kultur

Der 28-jährige Valer Sabadus betreibt musikalische Archäologie, um die für ihn passenden Partien zu finden. (Foto: Arens/Sony)

28.11.2014

Stimme mit Aha-Effekt

Countertenor Valer Sabadus begeistert die Konzertbesucher

Letztes Jahr begeisterte er die Kritik bei den „Regensburger Rathauskonzerten“ – jetzt wagt sich die Entdeckung ins Prinzregententheater nach München. Nicht im Rahmen einer Akademie-Inszenierung: Valer Sabadus hat am 2. Dezember vielmehr die ganze Bühne für sich, für die Münchner Hofkapelle und ein Gluck-Programm, das deckungsgleich mit seiner neuesten CD ist.
Für für den im rumänischen Arad geborenen Countertenor ist München nach einer Jugend in Niederbayern schon lange Studien- und Heimatort geworden. Und der Abend des 2. Dezember ist kein einsamer Termin-Solitär: Sabadus kommt aus Paris, tags darauf ist er in Berlin, gastiert in Dortmund und Wiesbaden. Zuletzt hat er in Köln den „Leucippo“ gesungen, im Februar kommt Händels Teseo in Karlsruhe, der Xerxes in Düsseldorf. Trotzdem macht will er den Begriff Karrieredurchbruch in Anführungszeichen gesetzt sehen: „Mit jeder Produktion lerne ich dazu. Auch nach meinem Akademie-Examen studiere ich bei meiner langjährigen Lehrerin Gabriele Fuchs an der Musikhochschule weiter.“

Ohne Barock-Polizei

Ganz wichtig ist für ihn, nicht in ausgelutschte Produktionen einzusteigen, sondern unbekannte Rollen in Neuproduktionen zu gestalten. Dafür gibt es nicht schon Referenzaufnahmen, kann er ohne die „Barock-Polizei“, ohne „viel Besserwisserei“ eine Rolle neu und frei interpretieren: „Ich setze auf den Aha-Effekt.“
Den hatte schon seine Mutter, als er eine Sonntagsmatinee im Fernsehen und mit Andreas Scholl nachträllerte. „Die Stimme muss man ausbilden!“ Klavier, Geige hat er in Landau an der Isar dazugelernt, dort hat er auch Abitur gemacht.
Beim Tag der Offenen Tür entdeckte er die Münchner Hochschule für Musik: Mit 17 Jahren war er Student. Mit Rinaldo (Händel) hat er bei der „opera incognita“ debütiert. Dann kamen der Vivaldi-Orlando in München, die verlassene Dido von Jommelli, Gluck, die Salzburger Pfingstfestspiele bis hin zu den Festspielen in Aix-en-Provence letztes Jahr: viele Rollen, und Sabadus kann sie mit seiner relativ hoch liegenden Counterstimme alle bedienen: „Es gibt in der Barockoper viele Zwischenstufen, nicht nur den typischen Altklang, wie er besonders bei Bach verlangt wird. Besonders anfangs klang vieles wesentlich sopraniger.“ Valer Sabadus orientiert sich dabei etwa am Kastraten Giuseppe Millico, für den Gluck eigens eine Orpheus-Version „höhergelegt“ hat.

An die Spitze gesungen

Damit er genau die für ihn passenden Partien findet, geht Sabadus auf Manuskript-Suche direkt in die Archive: „Das ist für mich musikalische Archäologie und Pionierarbeit.“ In einer Produktion von Leonardo Vincis Artaxerxe 2012 war er neben Jaroussky, Cencic, Fagioli in Köln und Nancy noch das fünfte Counter-Rad am Wagen, aber jetzt ist er durch Chor- und Gesprächskonzerte als Solist auch in München bekannt. Und will das Publikum mit solchen Feuerwerken wie aus Antonio Sacchinis Il Cid von sich überzeugen: Koloraturenkampf gegen die Mauren. (Uwe Mitsching)

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