Kultur

Ein bisschen Fred Astair, ein bisschen Gene Kelly: Von beiden etwas verkörpert der perfekt singende und steppende Gaines Hall in der Rolle des Don Lockwood. (Foto: Jutta Missbach)

20.02.2015

Unbeschwerter Slapstick

Die Nürnberger Musicalinszenierung von "Singing in the Rain" bemüht sich um einen Hauch von Hollywood

Das Bühnenmusical war ursprünglich ein Filmmusical, handelt vom alten Stumm- und neuen Tonfilm, von Liebe natürlich, und ist nach Jahrzehnten auf die Bühne zurückgekehrt. Ein bisschen verwirrend das Ganze, aber wer nicht klar kommt, kann nach der Premiere von Singin’ in the Rain am Staatstheater Nürnberg im April gleich nochmal am Staatstheater Gärtnerplatz in München nachforschen, was es mit Regen in Hollywood auf sich hat. Eigentlich gar nichts, außer dass Nacio Herb Brown und Arthur Freed einen All-time-Hit über einen feuchten Gewittermorgen im Venise Beach geschrieben haben.
Da entdecken Don und Kathy ihre Liebe. Die Tänzerin, die im rosa Bunny-Kostüm sonst aus Geburtstagstorten springt oder der Rivalin Sahne ins Gesicht knallt, hat Ohrwurm Nr. 2: You are my Lucky Star, der dem ursprünglichen Film seinen deutschen Titel gegeben hat: Du sollst mein Glücksstern sein. Den hatte Stanley Donen mit Gene Kelly und Debbie Reynolds in den Hauptrollen 1952 gedreht – und auch jetzt bemühte sich die Nürnberger Premiere um einen Hauch von Hollywood: viel PR im Vorfeld, ausverkauft, die Bühne für die Stepp-Orgien bis über den Orchestergraben gezogen, ein Ensemble von Musical-Spezialisten von weiß Gott woher.
Für derlei Spezialaufgaben hat ein deutsches Staatstheater keine Kräfte und keinen Regisseur (Melissa King sprang routiniert in die Bresche), aber wenigstens Kulissenschieber und einen Dirigenten (Gabor Káli), der die Staatsphilharmonie vom ersten Einsatz an mit viel Schmiss zu authentischem Klang animierte, bis hin zum mitreißenden Finale nach drei Stunden. Die zogen sich manchmal denn doch hin, aber kürzen durfte man aus Urheberrechtsgründen den flachen Text angeblich nicht.
Das Motto steht aber von Anfang an fest, wenn die Film-Tycoons durchs Parkett auf die Bühne paradieren: „Sie werden das bekommen, wonach Sie dürsten !“ Und das Nürnberger Publikum dürstete ganz offenbar nach unbeschwerter Slapstick-Unterhaltung in sinnenfrohen Kulissen und Kostümen mit Art-déco-Anklängen (Knut Hetzer, Judith Peter).
Die eingespielten Stummfilm-Sequenzen für Der tanzende Kavalier sahen mit Fachwerk sehr fränkisch aus, waren auch im Nürnberger Tucherschloss gedreht. Da kann sich auf steinerner Parkbank die Stummfilm-Diva Lina Lamont (eine schrille Nervensäge: Sophie Berner) nicht an das Mikrofon ob im Busch oder am Busen gewöhnen.
Ansonsten herrscht wohlklingend Jetset-Atmosphäre: Das war hauptsächlich das Verdienst von Gaines Hall, der den Filmstar und Frauenhelden Don Lockwood zwischen Fred Astaire und Gene Kelly ansiedelte, perfekt sang und steppte, blendend aussah: im Frack, im Leisure-dress oder im gelben Ostfriesennerz. Den haben bei der Schlussparade alle an, bunte Schirme schweben gen Himmel: Dieses Bild bleibt in Erinnerung. Für den Regen haben sie in Nürnberg ordentlich die Sprinklerdüsen aufgedreht. (Uwe Mitsching)

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