Kultur

Aufrechter Hammerflügel von Domenico Del Mela und Gagliano nel Mugello (Florenz, 1739)Dieses Instrument repräsentiert das älteste existierende aufrechte Hammerklavier. Foto: Galleria dell’Accademia, Abteilung Musikinstrumente, Sammlung des Musikkonservatoriums “Luigi Cherubini”, Florenz.

05.03.2010

Virtuelle Instrumentenschau

Das Germanische Museum hat die wichtige Vorarbeit zum europäischen MIMO-Projekt geleistet

Wie viele Hammerflügel von Johann Andreas Stein gibt es noch? Welche altmährischen Dudelsäcke hat Edinburgh? Wie klingt der Serpent aus dem Londoner Horniman-Museum? Antworten auf solch knifflige Fragen ließen sich bisher nur bei Besuchen der Sammlungen in Wien, Nürnberg oder England finden. Jetzt gibt sie MIMO. Im Europa-Amtsenglisch heißt das „musical instrument museums online“ und bedeutet, dass in einer zweijährigen Aktion und für ein Gesamtbudget von 3,2 Millionen Euro alle historischen Musikinstrumente in öffentlichen Sammlungen fotografiert und beschrieben werden. Das Ganze steht dann auf der Website www.mimo-project.eu. Zum Konsortium von elf Museen aus sieben europäischen Ländern gehört auch das Germanische Nationalmuseum Nürnberg, und ohne dessen Vorarbeit hätte das ganze Projekt nicht starten können. Denn Frank P. Bär und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Franziska Pfefferkorn haben die Standards festgelegt, nach denen jedes Instrument fotografiert wird: „Definition of scanning properties and recommendations for photographing musical instruments“ heißt die 14-seitige Anweisung, nach der jetzt am Muziekinstrumentenmuseum in Brüssel oder am Museo degli Strumenti Musicali in Florenz die Instrumente aufgenommen werden: technische Qualität der Bilder, Beleuchtung, Hintergrund, Aufstellung – und das alles nach Hunderten von Instrumentengruppen geordnet. Es war das größte Arbeitspaket, das in Vorbereitung der MIMO-Aktion geschultert werden musste. Nach diesen Anweisungen laufen jetzt schon die Daten zur Datenbank der Cité de la Musique in Paris und von da aus zu „Europeana“, der digitalen Erfassung des gesamten europäischen Kulturguts. Bei den Streichinstrumenten war die Vereinheitlichung der Aufnahmen relativ einfach: Überall wurden Geigen schon bisher ähnlich fotografiert. Aber bei Querflöten etwa oder den altmährischen Dudelsäcken gab es sehr unterschiedliche Auffassungen – oder gar keine. Im März wird in Brüssel diskutiert werden, wie sich Bärs Vorschlag bisher bewährt hat. Seine Zielvorstellung: „In zwei Jahren haben wir alle Instrumente mit Beschreibung im Internet.“ Die Idee zur Vereinheitlichung der Erfassung hatte Bär schon seit seiner Doktorarbeit, und das ist etwa zwanzig Jahre her: Damals dachte er noch an gedruckte Kataloge, jetzt „bringen wir die Musikinstrumentenforschung mit dem Internet einen Riesenschritt voran.“ Vom gesamten Finanzierungsvolumen schultert die EU 50 Prozent, das Germanische Nationalmuseum trägt einen Nettoanteil von 217 000 Euro. 3100 Objekte hat allein die Musikinstrumentensammlung des GNM zu digitalisieren. Alle Objekte werden mit ihren Grunddaten erfasst oder sie werden zumindest überprüft, dann folgt ein Jahr lang die Fotoaktion (Beginn: April/Mai 2010), was besonders bei größeren Objekten wie den Klavieren aufwändig ist: aus dem Depot holen, durch drei Türen bugsieren – die Wege sind zwar nicht weit, haben aber schwierige Hindernisse.

(Uwe Mitsching)

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